SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

03. Dezember 2013, 17:12 Uhr

Polonium-Fund

Arafat laut französischen Experten doch nicht vergiftet

Die Todesursache von Palästinenserführer Jassir Arafat ist umstritten: Anfang November vermuteten Schweizer Experten, er sei mit Polonium vergiftet worden. Nun widersprechen französische Wissenschaftler - und vermuten eine natürliche Todesursache.

Nanterre - Starb der frühere Palästinenserführer doch eines natürlichen Todes? Vermutungen, Jassir Arafat sei mit Polonium vergiftet worden, schließen französische Experten nun aus. Vielmehr weise vieles auf eine natürliche Todesursache hin, verlautete am Dienstag aus Kreisen, die mit den Ermittlungen vertraut sind.

Arafat war im November 2004 in einem Militärkrankenhaus bei Paris im Alter von 75 Jahren gestorben, die Todesursache blieb bislang unklar. Seine Witwe Suha vermutet, dass er mit Polonium vergiftet wurde und beauftragte einen Al-Dschasira-Journalisten und ein Schweizer Institut mit Untersuchungen. Aufgrund dieser ersten Ergebnisse bat sie Frankreich, Ermittlungen aufzunehmen.

Schweizer Experten hatten berichtet, sie hätten in Proben aus den persönlichen Sachen Arafats eine erhebliche Konzentration des radioaktiven und hochgiftigen Poloniums nachgewiesen. Der Stoff war 2006 verwendet worden, um den früheren russischen Spion Alexander Litwinenko in London zu ermorden.

"Mehr Seifenoper als Wissenschaft"

Anfang November erklärten Schweizer Experten dann, in den sterblichen Überresten Arafats seien bis zu 20 Mal höhere Polonium-Werte gemessen worden als üblich. Es könne aber nicht zweifelsfrei gesagt werden, "dass das Polonium die Todesursache war".

Arafats Witwe zeigte sich angesichts der gegensätzlichen Experten-Aussagen zur Todesursache ihres Mannes betroffen: "Ich bin sehr erschüttert durch diese Widersprüche", sagte Suha Arafat. "Was sollen wir glauben?" Zugleich betonte Suha Arafat in ihrer Erklärung, dass sie niemandem die Schuld am Tod ihres Mannes gebe.

Gegen die Schweizer Untersuchungsergebnisse hatte sich Israel verwahrt. Die Palästinenser sehen die Regierung in Jerusalem jedoch als Hauptverdächtigen. Israel kritisiert das Vorgehen und die Erkenntnisse der Schweizer, die "mehr Seifenoper als Wissenschaft" seien.

Der Befund diene dazu, die Privatfehde von Arafats Witwe Suha mit der Palästinenserbehörde zu befeuern, sagte der Sprecher des Außenministeriums in Jerusalem, Jigal Palmor. Die Schweizer hatten der Witwe den Untersuchungsbericht übergeben. "Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass er keines natürlichen Todes starb", hatte Suha Arafat anschließend erklärt. "Wir decken ein echtes Verbrechen auf, ein politisches Attentat."

vek/AFP

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung