Rücktritt des Obama-Sprechers #RuhDichaus

Obama und Sprecher Carney im Weißen Haus: Fröhlicher Rücktritt
AP/dpa

Obama und Sprecher Carney im Weißen Haus: Fröhlicher Rücktritt

Von , Washington


Eben noch hat der US-Präsident die Entlassung seines Veteranen-Ministers verkündet. Als Regierungssprecher Jay Carney die Sache weiter erklärt, erscheint Barack Obama erneut und meldet den - freiwilligen - Rücktritt seines Sprechers. Der steht amüsiert dabei.

Ein Freitag in der Hauptstadt Washington mit zwei Rücktritten innerhalb weniger Stunden. So kann's gehen. "Tumultiger Tag", schreibt das Magazin "Politico".

Carney gab über drei Jahre das Gesicht der Regierung, briefte jeweils mittags - sofern der Präsident nicht auf Reisen oder in den Ferien war - die White-House-Reporter von jenem Podium aus, das ganz Amerika kennt: Blauer Hintergrund, US-Fahne, Logo des Weißen Hauses. Spätestes seit der TV-Serie "West Wing", unter deren Personal die Präsidenten-Sprecherin C. J. Cregg (gespielt von Allison Janney) eine tragende Rolle spielt, ist der Posten popkulturell aufgewertet worden.

Der Blick Carneys von seinem Podium war allerdings weniger beeindruckend: Ein kleiner, von den Kameras stickig erhitzter Raum, mit 48 Klappsitzen, streng verteilt auf die einzelnen Medien. Präsident Roosevelt hatte hier, zwischen Haupthaus und West Wing, in den Dreißigerjahren einen Swimmingpool anlegen lassen; davor war dort die Wäscherei untergebracht. Nach Klamotten und Wasser folgten in den Siebzigern die Journalisten. So kann's gehen.

Der 49-jährige Carney selbst hat einige Zeit im Journalistenblock gesessen, als Reporter für das "Time"-Magazin. Ab 2009 diente er dann US-Vizepräsident Joe Biden als Sprecher, 2011 wechselte er zu Obama. Die Antwort auf kritische, ihn mitunter nervende Fragen, pflegte er stets mit einem süffisanten Lächeln und der Feststellung einzuleiten, es sei eine "großartige Frage".

Die Nachfolge Carneys wird der 39-jährige Josh Earnest übernehmen, bisher Stellvertreter. Somit befördert Obama einen alten Vertrauten. Denn Earnest war, so weiß es der Präsident am Freitag zu erzählen, schon als Sprecher an seiner Seite, als er vor sieben Jahren in Iowa um die demokratische Präsidentschaftskandidatur kämpfte. Damit bleibt Obama seiner Linie treu, möglichst keine Außenseiter in seinen engsten Kreis zu holen.

Noch bis Mitte Juni werde er wohl bleiben, sagt Carney. Was danach kommt? Verrät er noch nicht. Nur das Gerücht, er, der frühere Russland-Korrespondent von "Time", würde nun als US-Botschafter nach Moskau gehen, das dementiert er erneut: Das könne er seiner Familie nicht antun. Vielleicht werde er ja die Band seines Sohnes managen, scherzt er. Auf jeden Fall wird er weniger Stress haben. Deutlich weniger. Als ihm Obama am Ende seines Auftritts die Hand reichen will, reagiert Carney mit einer Umarmung. Obama, der nicht gerade als Freund solch emotionaler Momente gilt, klopft Carney ein paar Mal entschieden auf den Rücken.

Und Ari Fleischer, Sprecher unter George W. Bush, twittert: "Ich heiße Jay Carney willkommen im Ex-Pressesprecher-Club. Egal, was man von Jay oder seinem Boss halten mag: Es ist ein harter und wunderbarer Job." Der Hashtag, den Fleischer noch hinzufügt, lautet: "#RuhDichaus".



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raber 31.05.2014

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