EU-Posten Juncker drohte im Ringen um Schulz-Nachfolge mit Rücktritt

Kann Martin Schulz Präsident des Europäischen Parlaments bleiben? Zumindest auf EU-Kommissionschef Juncker kann sich der SPD-Mann verlassen - der spielte nach SPIEGEL-Informationen mit einem besonderen Gedanken.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat im kleinen Kreis damit gedroht, seinen Job hinzuwerfen, wenn Parlamentspräsident Martin Schulz sein Amt nicht behalten darf. "Dann kann ich für meine Zukunft als Kommissionspräsident nicht mehr garantieren." Das berichtet der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe. Eine Kommissionssprecherin dementierte das Zitat nicht, schloss einen Rücktritt Junckers aber aus. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Parlamentspräsident Martin Schulz, dessen Amtszeit im Januar endet, will weiter um seinen Job in Brüssel kämpfen: "Ich fühle mich diesem Projekt verpflichtet und will weiter meinen Beitrag leisten", sagte er Anfang der Woche in internen Gesprächen.

Juncker hatte sich schon vor Monaten im SPIEGEL offen für eine weitere Amtszeit von Schulz ausgesprochen und war dafür von seinen Parteifreunden aus der Europäischen Volkspartei (EVP) scharf kritisiert worden. Zuletzt warb Juncker nach Informationen des SPIEGEL bei einer EVP-Party am Mittwochabend in Einzelgesprächen mit Abgeordneten, Schulz doch weiter zu unterstützen. "Auch eine Frechheit, bei unserer Party für Schulz zu trommeln", schimpfte ein Abgeordneter.

Die Personalie Schulz beschäftigt derzeit gleich zwei europäische Hauptstädte. Denn Schulz kämpft nicht nur um das Präsidentenamt im Brüsseler Parlament, er ist gleichzeitig als Außenminister in Berlin im Gespräch. Manche wünschen ihn sich sogar als Kanzlerkandidaten der SPD.

In Brüssel sind viele Abgeordnete wegen dieses Postenhoppings zunehmend genervt. Vor allem in der Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) steigt der Druck auf den SPD-Mann, öffentlich klarzumachen, ob er in Brüssel bleiben oder nach Berlin wechseln will. "Ich erwarte von Herrn Schulz, dass er sich erklärt", sagt Othmar Karas, EVP-Mann aus Österreich, "tritt er als Präsident des Europaparlaments noch mal an?"

Die EVP sucht derzeit einen Nachfolger für Schulz, allerdings sind vorzeigbare Kandidaten rar gesät. Abgeordnete wie der Chef der europäischen Unions-Parlamentarier, Herbert Reul, drängen Manfred Weber daher, selbst als Parlamentspräsident anzutreten.

Weber hat im kleinen Kreis allerdings mehrfach klargemacht, dass das für ihn nicht in Frage komme. Vor seiner Wiederwahl als EVP-Fraktionschef am Mittwoch versuchte er die Bedeutung der Präsidentenpersonalie in seiner Rede vor den Abgeordneten herunterzuspielen. Angesichts der weltweiten Probleme von Flüchtlingen bis Trump sei dies doch ein Klacks, so Weber.

Wenn er sich da mal nicht täuscht.

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