Juncker über Merkel "Die Geschichte wird ihr recht geben"

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat die deutsche Kanzlerin in einem Interview für ihre Rolle während der Flüchtlingskrise gelobt. Er sprach außerdem über den "trägen Tanker" Deutschland und seine Küsse.

Juncker begrüßt Merkel mit Küsschen beim G20-Gipfel in Hamburg: "Ich bin, wie ich bin"
AFP

Juncker begrüßt Merkel mit Küsschen beim G20-Gipfel in Hamburg: "Ich bin, wie ich bin"


Der scheidende EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat die Arbeit von Bundeskanzlerin Angela Merkel gelobt - und dabei besonders ihre Flüchtlingspolitik hervorgehoben. "Angela Merkel hat im Herbst 2015 richtig gehandelt, die Geschichte wird ihr recht geben", sagte Juncker der "Bild"-Zeitung. "Hätte sie die deutschen Grenzen geschlossen, wären Österreich und Ungarn unter der Last der Flüchtlinge zusammengebrochen. Das ist die Wahrheit."

Auf die Frage, ob Merkel die Europäische Union geführt oder gespalten habe, antwortete Juncker: "Von Berlin aus kann man in Europa sehr viel bewirken. Aber eine einzelne Person kann die EU weder führen noch spalten. Man braucht in Europa immer dauerhaft verlässliche Verbündete und viele Freunde, wenn man etwas erreichen will." Deutschland sei in der EU allerdings kein Schnellboot, sondern ein träger Tanker. In entscheidenden Momenten habe Merkel mit anderen "klugen Köpfen" aber "die Dinge und Menschen zusammengebracht".

Juncker nannte Merkel in dem Interview eine "intelligente Frau", man könne "herrlich mit ihr lachen". Die beiden hätten aber auch "sehr viele Auseinandersetzungen" gehabt.

Am Donnerstag begann in den Niederlanden und in Großbritannien die Wahl zum EU-Parlament. Bis zum Sonntag können mehr als 400 Millionen Menschen in den 28 EU-Mitgliedstaaten 751 neue EU-Abgeordnete bestimmen. Der Ausgang entscheidet über die Sitzverteilung im EU-Parlament und die Chancen des Deutschen Manfred Weber auf den Posten des EU-Kommissionschefs. Der bisherige Amtsinhaber Juncker, der wie Weber aus der christdemokratisch-konservativen Parteienfamilie der EVP (Europäische Volkspartei) kommt, scheidet aus.

Video zu "Mr. Europa" Jean-Claude Juncker: Backpfeifen und Tanzeinlagen

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In dem Interview wurde Juncker unter anderem auch über eine seiner Eigenarten befragt - er ist dafür bekannt, gerne Küsschen zu verteilen. Ob er Menschen frage, bevor er sie küsse? "Nein", antwortete Juncker. Ihm habe auch noch nie jemand gesagt, dass er nicht geküsst werden wolle.

Auch der ARD gab Juncker ein Interview, in dem das Küssen thematisiert wurde. Dort sagte der Politiker: "Europa geht ohne Küssen nicht. Man muss in so einem komplizierten Gesamtkonstrukt - einem Gesamtkunstwerk - wie der Europäische Union, ja auch zeigen, dass man angetreten ist, weil man die Menschen mag."

aar/dpa

insgesamt 47 Beiträge
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alternativlos 24.05.2019
1. Die Bootschafterin
Nicht nur die Geschichte! Der Preis könnte garnicht hoch genug sein für ein humanitäres Europa, dass knapp gestrandet wäre, wenn es die in Seenot befindlichen Menschen nicht geholfen hätte. Ob Frau Dr. Merkel für ihre Idee auch den wissenschaftlichen fundierten Quellennachweis kenntlich gemacht, bleibt abzuwarten. Sie hat es noch in der Hand, ansonsten wird auch sie eine Fußnote in den Geschichtsbüchern wiederfinden. Weiterhin Alles Gute
jo.delanghita 24.05.2019
2. "Die Geschichte wird ihr recht geben"
was soll man dazu sagen ? der mann ist halt schon ein wenig alt. und ich gebe merkel - insbesondere was 2015 betrifft NICHT recht.
flaschengaist 24.05.2019
3. Geschichte hat viele Perspektiven
Die CDU als Club Deutscher Unternehmer hat ein Discount Deutschland gemacht. Zu viel Niedriglohn, zu viel Billigimporte, zu viel Preisschlacht. Nur die Unternehmer gehen mit gefüllten Kassen nach Hause. In Dänemark sieht man, es geht anders. Die Geschichtsbücher wird die breite Bevölkerung nicht kaufen oder lesen wollen, über eine Kanzlerin die ihr Land in 15 Jahren nicht ökologisch, ökonomisch und schon garnicht sozial mit Nachhaltigkeit für die Zukunft vorbereitet hat. Sie hat sich von Obama, einem Friedensnobelpreisträger abhören lassen. Sie wollte zu viel Freihandelsabkommen . Die breite Bevölkerung profitiert aber nicht langfristig davon. Als Physikerin hat sie sich zu wenig für die Umwelt eingesetzt. Das hat Thatcher mit der Rede gegen FCKW besser gemacht als Naturwissenschaftlerin. Her Juncker, das ist falsch!
zweifelturm 24.05.2019
4. Der Mantel der Geschichte
Da war da doch das Ding, als die gute Merkel noch nicht mal Kanzlerin war, richtig? Als Oppositionsführerin fuhr sie da nach den USA zu George Dabbeljuhh um Aussenpolitik zu machen. Einen derartigen Vorgang dass selbiges ein Oppositionsführer je berieb, hat es in der Geschichte der BRD zuvor nie gegeben, zudem gegen die offizielle Aussenpolitik der Bundesrtegierung. Nie, nochmals: nie, hat da je eine Opposition aktiv Aussenpolitik betrieben. Dieses schamlose Unding hat sich Merkel geleistet und wollte Seite an Seite mit Bush in den Irak einmarschieren. Ein trauriger Tiefpunkt, Merkel versuchte in üblicher Manier, selbiges später in billigem Stil zu relativieren.
askl 24.05.2019
5. Junkers Lob für Merkel is kein Wunder, ...
... schließlich hat Merkel massgeblich mitgewirkt, dass Junker Kommissionspräsident wurde.
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