Front National Jean-Marie Le Pen will sich nicht rausschmeißen lassen

Der Richtungsstreit der Le Pens wird den Front National wohl noch eine Weile belasten: Parteichefin Marine will ihren Vater Jean-Marie wegen seiner extremen Ansichten aus der Partei ausschließen - der will aber nicht gehen.

Marine Le Pen und Vater Jean-Marie (Archiv): Familienstreit im Front National
AFP

Marine Le Pen und Vater Jean-Marie (Archiv): Familienstreit im Front National


Parteigründer Jean-Marie Le Pen soll den französischen "Front National" (FN) verlassen - er will aber nicht. Er bleibe in der Politik, schließlich sei er gewählt, sagte der 86-Jährige im französischen Radiosender RTL.

"Madame Le Pen sprengt ihre eigene Partei", warf der Europaabgeordnete seiner Tochter Marine in dem Interview vor. Er wies die Aufforderung, die Partei zu verlassen, entschieden zurück. Am Mittwoch hatte der FN sich "vollständig und definitiv" von seinem Parteigründer losgesagt. Parteivize Florian Philippot hatte Le Pen mit einem Ausschlussverfahren gedroht, wenn dieser den FN nicht freiwillig verlasse.

FN-Chefin Marine Le Pen hatte ihrem Vater den Rückzug aus der Politik nahegelegt, nachdem der Ehrenvorsitzende sich mehrfach rassistisch geäußert und mit der Verharmlosung des Holocausts für Aufsehen gesorgt hatte. Der FN kündigte ein parteiinternes Disziplinarverfahren gegen ihn an.

Marine Le Pen sieht ihre Bemühungen um ein bürgerliches Image des rechtsextremen FN durch ihren Vater gefährdet: Sie will ihre Partei "entdämonisieren", um den FN mit dieser selbst verordneten Mäßigung dauerhaft zu einer wählbaren Partei zu machen. Antisemitismus und offene Ausländerfeindlichkeit sind unter ihrer Führung mittlerweile tabu, was ihr Vater und dessen Anhänger nicht akzeptieren wollen. Mehrere Mitglieder, die sich rassistisch geäußert hatten, ließ die FN-Chefin daher aus der Partei ausschließen.

Der FN hat unter der Führung Marine Le Pens erheblich an Zulauf gewonnen. Bei den Europawahlen im Mai 2014 wurde die rechtsextreme Partei mit rund 25 Prozent der Stimmen erstmals stärkste Kraft in Frankreich. Bei den Regionalwahlen Ende März bekam die Partei im zweiten Wahlgang 22 Prozent und wurde landesweit zweitstärkste Kraft. Bei der Präsidentschaftwahl 2017 will sie erneut antreten.

kry/Reuters

insgesamt 13 Beiträge
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gersois 10.04.2015
1. Departementswahlen!
Im März wurden die Räte der Departements gewählt. Die Regionalwahlen stehen erst im Herbst an. Bitte mehr Sorgfalt bei der Berichterstattung.
schilling246 10.04.2015
2. strategisch genial!
Ein genialer strategischer Schachzug, den Famile Le Pen derzeit vollführt. Mit der Aus- und Abgrenzung von Jean-Marie wird der FN für die meisten Franzosen wählbar. In 5 bis 10 Jahren heißt die erste französische Präsidentin Le Pen!
vandenplas 10.04.2015
3. @schilling246
Stimme Ihnen vollkommen zu. Nur mit der zukuenftigen Praesidentin bin ich mir nicht so sicher wie Sie. Der Grossvater opfert sich fuer die Partei, verpasst dieser ein weisses Hemd und macht dabei die groesstmoeglichen Wellen.
bubu123 10.04.2015
4.
Warum sollte er auch genau jetzt gehen? Der Effekt ist kurz vor einer wichtigen Wahl ungleich größer.
BlogBlab 10.04.2015
5. Marion Maréchal-Le Pen ist auch nicht besser
Seine Enkelin Marion Maréchal-Le Pen sollte ebenfalls gehen, denn ihre Positionen sind teilweise nicht anders als die ihres Opas. Während Marine Le Pen nie an den Demonstrationen gegen die "Mariage pour tous" teilgenommen hat, war Marion immer wieder dabei. Als Marine Le Pen bspw. den Aktivisten Sébastien Chenu, ein ehemaliger Berater von Nicolas Sarkozy, in ihr Beraterteam aufnahm, rebellierte Marion Maréchal-Le Pen gegen ihn, weil er homosexuell ist, also ganz wie ihr reaktionärer Opa.
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