Jean-Pierre Raffarin Chiracs Mann für die Mitte


Paris - Jean-Pierre Raffarin gilt als Mann der Mitte und soll auch liberale und unentschlossene Wähler für eine bürgerliche Regierung unter Staatspräsident Jacques Chirac gewinnen. Chirac setzt mit der Ernennung des bedächtigen und gemütlich wirkenden 53-Jährigen zum Premierminister auf die Sammlungsbewegung im Zentrum und nicht an den rechten Außenrändern.

Jean-Pierre Raffarin
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Jean-Pierre Raffarin

Die klare Niederlage des Rechtsradikalen Jean-Marie Le Pen hat den Ausschlag für die Berufung des gemäßigten Raffarin gegeben. Der Wirtschaftsexperte aus dem westfranzösischen Poitiers gilt als das beste Pferd Chiracs, um eine nochmalige "Kohabitation" mit den Sozialisten nach den Parlamentswahlen zu vermeiden.

Raffarin ist seit 1988 Präsident des Regionalrates Poitou-Charentes und bisher politisch kaum in Erscheinung getreten. Chirac kann ihn den Franzosen als einen unverbrauchten Kopf präsentieren. "Man weist keine Verantwortung zurück, besonders wenn sie schwierig ist", hat Raffarin gesagt. Er ist kein Mann, der sich in den Vordergrund drängt. "Der Minister ist der Diener." Für sein Amt qualifiziert hat sich der Spross einer alteingesessenen Politiker-Familie auch durch jahrzehntelange treue Gefolgschaft Chiracs.

Raffarin gehört zu den Mitbegründern der neuen Chirac-Partei UMP (Union für die Mehrheit des Präsidenten), mit der der Staatspräsident das zersplitterte konservative Lager für die Parlamentswahlen sammeln will. Seit 1995 ist Raffarin Mitglied des Senats, der zweiten Parlamentskammer. Von 1989 bis 1995 war er als Europaparlamentarier für die bürgerliche Fraktion in Straßburg und Brüssel, wo er sich unter anderem mit Handelsfragen beschäftigte.



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