Jeb Bushs Ambition auf das Weiße Haus Hier kommt Nummer drei

Sein Vater war US-Präsident, sein Bruder ebenfalls - jetzt will Jeb Bush es offenbar auch schaffen. Der 61-Jährige zündet die erste Stufe für eine mögliche Bewerbung. Es droht ein Kampf der Dynastien.
Republikaner Bush: Es liegt in der Familie

Republikaner Bush: Es liegt in der Familie

Foto: Susan Walsh/ AP/dpa

Der Mann kann Dramaturgie. Am Wochenende kündigte Jeb Bush an, er werde 250.000 E-Mails aus seiner Zeit als Gouverneur von Florida veröffentlichen (1999 bis 2007) und außerdem noch ein Buch schreiben. Wenn das mal kein Wink war. Am Montag ging es weiter, da hielt der 61-Jährige eine Rede an den Abschlussjahrgang der University of South Carolina. Ausgerechnet. Denn in dem Südstaat findet 2016 eine der wichtigsten Republikaner-Vorwahlen statt.

Bushs Rat an die Studenten: "Habt große Träume!" Spätestens da waren Amerikas Polit-Auguren alarmiert: Würde sich Jeb Bush noch vor Weihnachten um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner bewerben? Nach George H.W. im Jahr 1988 und George W. im Jahr 2000 der dritte Bush?

Ja, gewissermaßen.

Dienstagmorgen, Punkt 10 Uhr US-Ostküstenzeit: Per Twitter setzt Jeb Bush die Botschaft ab . "Ich freue mich mitzuteilen, dass ich aktiv die Möglichkeit erkunden werde, mich um die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten zu bewerben." Paukenschlag. Bush ist somit der erste Republikaner, der seinen Hut mehr oder weniger offiziell in den Ring wirft.

Gewaltige Auswirkungen aufs Bewerberfeld

Allerdings handelt es sich hier noch nicht um eine förmliche Bewerbung für die Kandidatur, es ist erst die Vorstufe. "Erkunden", schreibt Bush ja ganz richtig. Im kommenden Januar wolle er zu diesem Zweck ein sogenanntes Political Action Committee (PAC) gründen, erläuterte er auf seiner Facebook-Seite. So kann er als potenzieller Bewerber das Terrain testen, erste Spenden und Spendenzusagen sammeln, den Medien Futter geben. Alles im Sinne der Polit-Dramaturgie. Dass aber Bush am Ende tatsächlich zu den Vorwahlen antritt, daran besteht kaum mehr ein Zweifel.

Immer wieder wurde der Bruder von Präsident Nummer 43 und Sohn von Präsident Nummer 41 als Kandidat gehandelt. Immer wieder erklärte der Millionär, der sein Geld ursprünglich mit Immobiliengeschäften machte und später unter anderem als Berater der umstrittenen Investmentbank Lehman Brothers arbeitete, er sage "nicht ja, ich sage nur nicht: nein".

Bushs absehbare Kandidatur hat gewaltige Auswirkungen auf das künftige Bewerberfeld der Republikaner. Denn Jeb Bush gilt als Paradekandidat des Establishments, eine Rolle, die vor vier Jahren Mitt Romney spielte. Romneys Leute hatten in den vergangenen Wochen gestreut, ihr Mann sei unter gegebenen Umständen einer neuerlichen Kandidatur nicht abgeneigt. In den vergangenen Tagen hieß es zudem, Romney rechne im Falle einer Bewerbung Bushs mit Schwierigkeiten, schließlich werde dieser wegen seiner Investmentaktivitäten mindestens genauso scharf kritisiert werden wie einst er, Romney.

Bushs Ansage an diesem Dienstag nun dürfte die Tür für Romney zuschlagen. Denn beide würden parteiintern um die identischen Spender- und Wählergruppen buhlen. Sie würden sich gegenseitig Konkurrenz machen und damit Kandidaten vom rechtskonservativen, radikalliberalen oder erzchristlichen Parteiflügel Chancen einräumen. Aber auch einem anderen, der sich Hoffnungen machte, könnte nun der Weg zur Kandidatur versperrt sein: Marco Rubio. Der 43-jährige US-Senator galt als Ziehkind von Jeb Bush, dockte später zusätzlich bei der Tea-Party-Bewegung an. Schwer vorstellbar, dass Rubio nun gegen Bush antreten würde.

Ist Bushs Durchmarsch zur republikanischen Präsidentschaftskandidatur also sicher? Keineswegs. Zwar wird er mehr finanziellen Spielraum als die anderen Bewerber haben, doch ist er zuletzt oft mit seiner nach rechts gerückten Partei kollidiert, hat sich etwa für eine Einwanderungsreform eingesetzt. Er selbst ist mit einer Mexikanerin verheiratet, steht in gutem Ansehen bei der Latino-Bevölkerung, ohne deren Unterstützung ein Sieg bei den Präsidentschaftswahlen kaum mehr möglich erscheint.

Parteiintern aber sieht das ganz anders aus, da dominieren in vielen Vorwahlstaaten die Rechtskonservativen. Bush gilt ihnen einerseits als Softie, andererseits als zu nah an der Wall Street. Der Radikalliberale Rand Paul sowie der Tea-Party-Favorit Ted Cruz könnten ihm als Gegenkandidaten das Leben schwer machen.

Kommt es zum Rematch: Bush gegen Clinton?

Und dann ist da noch der Familienname: Bush. Wie belastend ist das furchtbare Erbe des älteren Bruders? Gerade jetzt, wo das ganze Land über die CIA-Foltermethoden diskutiert? Jeb wird sich abgrenzen müssen von seinem Bruder, um sowohl innerhalb der republikanischen Partei und dann, eventuell, beim allgemeinen Wahlvolk eine Chance zu haben.

So könnte es im November 2016 zum Kampf der Dynastien kommen. Denn die Bewerbung von Hillary Clinton für die Kandidatur der Demokraten scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, irgendwann im Januar oder Februar dürfte es so weit sein.

Bush gegen Clinton, mal wieder?

Das wäre ein Szenario, das Barbara Bush, Jebs Mutter, im vergangenen Jahr noch ablehnte: "Das ist ein großartiges Land", sagte die 89-Jährige. "Es gibt eine Menge großartiger Familien, es sind doch nicht nur vier Familien oder so. Wir hatten genug Bushs."

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