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20. Juli 2017, 17:37 Uhr

Trotz Trump-Kritik

US-Justizminister Sessions will im Amt bleiben

In einem Interview hat sich US-Präsident Trump von Justizminister Sessions deutlich distanziert. Der gibt sich dennoch zuversichtlich: Er liebe seinen Job und wolle ihn weitermachen.

US-Justizminister Jeff Sessions will trotz der Kritik von Donald Trump im Amt bleiben. Er liebe seinen Job und wolle ihn weiter ausüben, sagte der Republikaner. Sessions zeigte sich zuversichtlich, dass er das Justizministerium weiterhin effektiv führen könne.

US-Präsident Trump hatte sich in einem Interview mit der "New York Times" von seinem Minister distanziert. Er hätte Sessions nicht mit dem Ministerposten betraut, wenn er gewusst hätte, dass dieser sich in der Russlandaffäre für befangen und damit nicht zuständig erklären würde, sagte Trump demnach. "Dann hätte ich jemand anderen ausgewählt."

Damit stellte sich Trump gegen einen seiner frühesten Unterstützer. Sessions hatte sich im Wahlkampf als erster US-Senator auf die Seite des Milliardärs gestellt und ihn beraten. In dieser Funktion hatte er sich mehrmals mit dem russischen Botschafter Sergej Kisljak getroffen - diese Begegnungen allerdings während seines Nominierungsverfahrens im Senat verschwiegen. Erst nach der Enthüllung der Treffen durch die Presse räumte er diese ein - zu diesem Zeitpunkt war er bereits Minister. Als Konsequenz zog sich Sessions formell aus den Russland-Ermittlungen des ihm unterstehenden FBI zurück.

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge hatte Sessions Trump bereits seinen Rücktritt angeboten, sollte der US-Präsident nicht mehr auf ihn zählen. Das soll Trump jedoch abgelehnt haben. Vorausgegangen sein sollen wochenlange Streitigkeiten zwischen den beiden. Bei einer Anhörung des Senats Mitte Juni bestätigte Sessions zudem indirekt Darstellungen des von Trump gefeuerten FBI-Direktors James Comey - und belastete damit auch den US-Präsidenten selbst.

Trump steht wegen der Russland-Kontakte seines Wahlkampfteams unter massivem Druck. In der Affäre ermitteln derzeit mehrere Kongressausschüsse sowie die Bundespolizei FBI und der vom Justizministerium eingesetzte Sonderermittler Robert Mueller. Sie gehen dem Verdacht möglicher Absprachen zwischen Trump-Mitarbeitern und der Führung in Moskau während des Präsidentschaftswahlkampfes im vergangenen Jahr nach.

brk/Reuters/dpa

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