Trotz Trump-Kritik US-Justizminister Sessions will im Amt bleiben

In einem Interview hat sich US-Präsident Trump von Justizminister Sessions deutlich distanziert. Der gibt sich dennoch zuversichtlich: Er liebe seinen Job und wolle ihn weitermachen.

REUTERS

US-Justizminister Jeff Sessions will trotz der Kritik von Donald Trump im Amt bleiben. Er liebe seinen Job und wolle ihn weiter ausüben, sagte der Republikaner. Sessions zeigte sich zuversichtlich, dass er das Justizministerium weiterhin effektiv führen könne.

US-Präsident Trump hatte sich in einem Interview mit der "New York Times" von seinem Minister distanziert. Er hätte Sessions nicht mit dem Ministerposten betraut, wenn er gewusst hätte, dass dieser sich in der Russlandaffäre für befangen und damit nicht zuständig erklären würde, sagte Trump demnach. "Dann hätte ich jemand anderen ausgewählt."

Damit stellte sich Trump gegen einen seiner frühesten Unterstützer. Sessions hatte sich im Wahlkampf als erster US-Senator auf die Seite des Milliardärs gestellt und ihn beraten. In dieser Funktion hatte er sich mehrmals mit dem russischen Botschafter Sergej Kisljak getroffen - diese Begegnungen allerdings während seines Nominierungsverfahrens im Senat verschwiegen. Erst nach der Enthüllung der Treffen durch die Presse räumte er diese ein - zu diesem Zeitpunkt war er bereits Minister. Als Konsequenz zog sich Sessions formell aus den Russland-Ermittlungen des ihm unterstehenden FBI zurück.

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge hatte Sessions Trump bereits seinen Rücktritt angeboten, sollte der US-Präsident nicht mehr auf ihn zählen. Das soll Trump jedoch abgelehnt haben. Vorausgegangen sein sollen wochenlange Streitigkeiten zwischen den beiden. Bei einer Anhörung des Senats Mitte Juni bestätigte Sessions zudem indirekt Darstellungen des von Trump gefeuerten FBI-Direktors James Comey - und belastete damit auch den US-Präsidenten selbst.

Trump steht wegen der Russland-Kontakte seines Wahlkampfteams unter massivem Druck. In der Affäre ermitteln derzeit mehrere Kongressausschüsse sowie die Bundespolizei FBI und der vom Justizministerium eingesetzte Sonderermittler Robert Mueller. Sie gehen dem Verdacht möglicher Absprachen zwischen Trump-Mitarbeitern und der Führung in Moskau während des Präsidentschaftswahlkampfes im vergangenen Jahr nach.

brk/Reuters/dpa

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RudiLeuchtenbrink 20.07.2017
1. god Cop, bad Cop,
Das Prinzip ist uralt. Donald Trump muß aus der Umklammerung von den gesteuerten Medien herauskommen. Er liefert eben auch irrelevante Scheingefechte und bedient sich dabei seiner Unterstützer.
doctoronsen 20.07.2017
2. Rücktrittswillig, oder nicht?
Wie nun: Sessions hatte seinen Rücktritt angeboten, will nun aber im Amt bleiben? Irgendwas stimmt an der Geschichte nicht. Ist der Zwist inszeniert?
Celestine 20.07.2017
3.
Zitat von RudiLeuchtenbrinkDas Prinzip ist uralt. Donald Trump muß aus der Umklammerung von den gesteuerten Medien herauskommen. Er liefert eben auch irrelevante Scheingefechte und bedient sich dabei seiner Unterstützer.
Die Medien werden nur durch Eines gesteuert: durch die unsäglichen Lügen und Patzern von Trump, ganz zu schweigen von seiner unmögllichen Politik. Ihnen ist wohl nicht aufgefallen, dass er sich jegliche Kritik verbietet und nichts vom 2nd Amendment hält. Sicher, manchmal werden Berichte über Kleinigkeiten zu hoch aufgehängt, aber die Medien leben schließlich von Quoten, Leserzahlen und Clicks. Und die bösen Linksliberalen aus Ost- und Westküste lieben nun mal das Thema Hassobjekt Donald Trump. Das können Sie doch hier auf SPON genauso auch beobachten, sogar bei mir persönlich. lol Aber, was sagen Sie dazu? Ers gerstern rannte Trump - schon das zweite Mal seit seiner Wahl - zum Größten Fake News Feind New York Times, um denen ein Interview zu geben, ganz freiwillig und von sich aus. Wo erkennen Sie da eine Umklammerung?
Bueckstueck 20.07.2017
4. Tja
Trump hätte wohl nicht nur den popular vote mit 3 Millionen stimmen verloren, hätten die Wähler gewusst, dass er und seine Sippe bis zum Dreifachkinn in der Russlandaffäre stecken... Da spielt es keine Rolle, dass er lieber einen Justizminister hätte der selbst aktiv die Ermittlungen sabotieren kann und nicht einen, der aufgrund der eigenen Verstrickungen und einem de dacto Meineid vor dem Senat nichts zur Vertuschung beitragen kann. Da spürt er eben die Schlinge am dicken Hals.
gandhiforever 20.07.2017
5. Chance verpasst
Vor Monaten hatte Sessions seinen Ruecktritt angeboten, als immer mehr ungewoehnliche Russlandkontakte publik wurden. Doch der Fuehrer lehnte ab, weil er glaubte, Sessions als Justizminister wuerde fuer ihn noch einmal sehr wichtig werden. Doch nun hat Trump seine Meinung geaendert, sieht in Sessions keinen nuetzlichen Idioten mehr. Und der Angegriffene, der nun bloss gestellt zum Ruecktritt animiert werden soll, denkt gar nicht daran. Da bleibt dem Fuehrer wohl nichts anderes uebrig, als in zu feuern und einen willigeren Nachfolger zu portieren. Ob der dann aber bei den Anhoerungen im Senat ankommt, ist keineswegs sicher.
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