US-Medienberichte Milliardär Epstein soll möglichen Zeugen mit 350.000 Dollar bestochen haben

Der US-Finanzberater Jeffrey Epstein ist angeklagt, minderjährige Mädchen sexuell missbraucht zu haben. Nun wurde bekannt: Der Milliardär hat offenbar versucht, Personen aus seinem Umfeld zu beeinflussen.

US-Finanzier Jeffrey Epstein soll Minderjährige missbraucht haben. Diese Aufnahme der US-Justiz stammt aus dem Jahr 2017
New York State Division of Criminal Justice Services/ Reuters

US-Finanzier Jeffrey Epstein soll Minderjährige missbraucht haben. Diese Aufnahme der US-Justiz stammt aus dem Jahr 2017


Der wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger angeklagte US-Milliardär Jeffrey Epstein soll versucht haben, potenzielle Zeugen zu bestechen. Der Investmentbanker habe insgesamt 350.000 Dollar, umgerechnet 310.000 Euro, an zwei Personen gezahlt, die gegen ihn hätten aussagen können, berichteten unter anderem die "New York Times" und die "Washington Post". Die Zeitungen berufen sich auf die New Yorker Staatsanwaltschaft.

Epstein soll Dutzende minderjährige Mädchen missbraucht haben. Der 66-Jährige hat laut Anklage zwischen 2002 und 2005 in New York und Florida einen illegalen Sexhandelsring aufgebaut (lesen Sie hier mehr darüber). Epstein plädiert auf nicht schuldig.

Der "Miami Herald" hatte den Fall im November 2018 ins Rollen gebracht. Eine Reporterin der Zeitung veröffentlichte damals eine aufwendige Recherche zu den Vorwürfen gegen Epstein. Laut den neuen Berichten zahlte der Milliardär kurz darauf 350.000 US-Dollar an zwei Personen, die offenbar in den Fall verwickelt sind.

Geheimer Deal

Eine der beiden soll Epstein vor rund zehn Jahren geholfen haben, einen geheimen Deal mit der Staatsanwaltschaft auszuhandeln. An diese Person flossen laut Berichten 100.000 US-Dollar. Die zweite Person bekam 250.000 US-Dollar. Es soll sich um einen Mitarbeiter Epsteins handeln, der ihm bei der Prostitution Minderjähriger geholfen haben soll.

Die Vorgehensweise und insbesondere der Zeitpunkt deuteten darauf hin, dass der 66-Jährige versucht habe, die Zeugen zu "beeinflussen", zitierte die "New York Times" die Staatsanwaltschaft. Die Verteidiger Epsteins ließen Anfragen der Zeitungen unbeantwortet.

Der Finanzier soll dutzende Minderjährige sexuell missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben. Die New Yorker Staatsanwaltschaft wirft ihm Sexhandel und Verschwörung zum Sexhandel vor. Der Investmentbanker weist alle Anschuldigungen zurück. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 45 Jahre Haft.

Bereits 2008 lief ein Verfahren gegen Epstein. Er ging einen Deal mit der US-Bundesjustiz ein, der ihn vor weiteren Ermittlungen bewahrte. US-Arbeitsminister Alexander Acosta hatte der Übereinkunft damals als Staatsanwalt in Florida zugestimmt. Als die neuen Vorwürfe bekannt wurden, trat er zurück.

Epstein bekannte sich 2008 schuldig, Klienten mit minderjährigen Prostituierten versorgt zu haben. Er verbrachte 13 Monate im Privatflügel eines Bezirksgefängnisses, wo er sechs Tage pro Woche Freigang genoss. Ein Verfahren vor einem Bundesgericht blieb ihm wegen des Deals erspart.

Der Finanzberater gilt als gut vernetzt, von ihm veranstaltete Feste und Empfänge wurden von Prominenten und hochrangigen Politikern besucht, darunter die US-Präsidenten Donald Trump und Bill Clinton.

jpz/AFP



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