Hilfsprogramme im Jemen "Wenn das Geld nicht kommt, sterben Menschen"

2,6 Milliarden Dollar an Hilfsgeldern wurden dem Jemen bei einer Geberkonferenz im Februar zugesichert - angekommen ist bisher weniger als die Hälfte. Laut Uno stehen deshalb nun mehr als 20 Hilfsprogramme vor dem Aus.

Jemen, Sanaa: Ein mit Cholera infiziertes Kind erhält in einem Gesundheitszentrum eine medizinische Behandlung
Mohammed Mohammed/XinHua/DPA

Jemen, Sanaa: Ein mit Cholera infiziertes Kind erhält in einem Gesundheitszentrum eine medizinische Behandlung


Die Vereinten Nationen (Uno) drängen auf dringend benötigte Hilfsgelder für den Jemen. Sollte die finanzielle Unterstützung ausbleiben, droht 22 Hilfsprogrammen das Aus.

Die Programme müssten binnen zwei Monaten ihre Arbeit einstellen, wenn nicht bis dahin die zugesagten Mittel von gut einer Milliarde Dollar eingegangen seien, sagte die Uno-Hilfskoordinatorin für den Jemen Lise Grande. "Wir brauchen das zugesagte Geld dringend. Wenn das Geld nicht kommt, sterben Menschen."

Die Nahrungsmittelrationen für 12 Millionen Menschen müssten reduziert werden. Mindestens 2,5 Millionen unterernährte Kinder würden dann von der lebensrettenden Unterstützung abgeschnitten, schätzt Grande.

Bei einer Geberkonferenz im Februar hatten die Teilnehmer dem Jemen insgesamt 2,6 Milliarden Dollar an Hilfen zugesichert. Von dieser Summe sei weniger als die Hälfte eingegangen, sagte Grande. Nach vier Jahren Krieg sind Millionen Menschen im Jemen von einer Hungersnot bedroht.

"Wir alle schämen uns für die Situation"

Zudem würden ohne neue finanzielle Mittel in den kommenden Wochen 19 Millionen Menschen den Zugang zur Gesundheitsversorgung verlieren. Laut Grande müssten die Programme für sauberes Wasser für fünf Millionen Menschen Ende Oktober eingestellt werden.

"Millionen von Menschen im Jemen, die unschuldig Opfer dieses Konflikts sind, sind auf unsere Hilfe angewiesen, um zu überleben", sagte Grande. "Wir alle schämen uns für die Situation. Es ist herzzerreißend, einer Familie in die Augen zu schauen und zu sagen, wir hätten kein Geld, um zu helfen."

Seit Jahren tobt im Jemen ein Bürgerkrieg: 2014 eroberten die Huthi-Rebellen die Hauptstadt Sanaa und stürzten die international anerkannte Regierung. Im März 2015 startete Saudi-Arabien zusammen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und anderen Verbündeten eine Militäroffensive mit dem Ziel, die Macht der Huthis zu brechen. Der Krieg ist Teil der Auseinandersetzung zwischen Saudi-Arabien und Iran. Die schiitischen Huthi-Rebellen werden von Teheran unterstützt.

asc/Reuters/AP



insgesamt 18 Beiträge
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Zukunft3.0 22.08.2019
1.
Absurd, auf der einen Seite Kriege führen mit Waffen u.a. auch aus Deutschland, auf der anderen Seite Entwicklungshilfe und Hilfsprogramme starten. Führt einfach keine Kriege mehr und lasst die Länder endlich in Ruhe. Was für eine verkommene Welt, der Westen ist keinen Deut besser. Man kann sich als Bürger nur schämen.
Marcelle 22.08.2019
2. Innerislamische Angelegenheit.
Die finden immer einen Grund, sich gegenseitig umzubringen. Vor dieser Art der globalen Welt muss man sich schützen.
freidenker! 22.08.2019
3. Finanzierung der Hilfe für den Jemen
Da im Jemen 4 Jahre lang Krieg geführt wird und die arme Bevölkerung von 12 Millionen Menschen vor dem Hunger steht, sollen doch Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und die Islamische Republik Iran die Kosten für die Nahrungsmittelversorgung finanzieren. Wer viel Geld für Kriege investiert muß auch für die Folgeschäden aufkommen, zumal es sich bei den Menschen im Jemen um Brüder und Schwestern im Glauben handelt. Das kleine halb verhungerte Baby kann rein gar nichts für die Konflikte unter den arabischen Fürsten und Potentaten. Es weiß nichts von der Welt. Da aber vermutlich die Hilfe aus den Konfliktparteien entweder gar nicht oder nur spärlich fließt, muß aus Gründen der Menschlichkeit die UNO wieder einmal einspringen. Und die hat wohl auch noch kaum Geld oder hat nur ein begrenztes Budget. Und was jetzt? Aus Gründen der Menschlichkeit und der Barmherzigkeit sollen doch mal die Hälfte, also 6 Millionen Euro, aus dem bundesdeutschen Etat für Hilfe bzw. Entwicklung zur Verfügung gestellt werden. Mehr können wir nicht tun. Dann sollen mal die anderen ran ...
StefanieTolop 22.08.2019
4. Ihr seid für Euch selbst verantwortlich
Nein, wir sind nicht für den Jemen verantwortlich. Weder direkt politisch, noch moralisch, finanziell oder wirtschaftlich. Wenn sich die Leute da unten mal endlich vertragen würden, könnten sie in Frieden und bescheidenem Wohlstand leben. Das gilt für nahezu jedes Land der Welt. Solange für Waffen genügend Geld da ist (und Waffen sind teuer!), leiden sie auch nicht wegen Geldmangel an Hunger!
freidenker! 22.08.2019
5. Korrektur
In meinem Beitrag #3. Finanzierung der Hilfe für den Jemen hatte ich die Summe von 6 Millionen Euro genannt. Das ist natürlich falsch. Irrtümlicherweise bin ich von einer Gesamtsumme von 12 Millionen ausgegangen. Dabei ist das die Anzahl der Menschen im Jemen. 2,6 Milliarden Dollar ist die richtige Summe. Da fast die Hälfte eingegangen ist, bleiben 1,3 Milliarden Dollar Defizit übrig. Davon die Hälfte sind 650 Millionen Dollar. Das müßte der Bundestag beschließen. Aber das dürfte wohl aussichtslos sein. Also bleiben wir bei einer "Spende" von 6 Millionen Euro ...
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