Missglückter Terrordreh Al-Qaida macht sich über "Islamischen Staat" lustig

"Gott sei gepriesen - quakquakquak": Der "Islamische Staat" und al-Qaida sind erbitterte Feinde. Im Jemen nimmt die blutige Rivalität absurde Züge an.

Islamistisches Propagandavideo

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Abu Mohammad al-Adeni, Chef der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) im Jemen, kniet vor der Kamera. Er schaut noch einmal kurz auf seinen Spickzettel, faltet ihn und steckt das Papier in sein gelbes Hemd, an dem vorne ein Mikrofon angebracht ist. "Eins! Zwei! Drei!", zählt der Kameramann, dann geht es los.

Der jemenitische Terror-Chef setzt an: "Gott sei gepriesen, Segen und Friede sei..." - "Quakquakquak." Das Quäken eines Vogels übertönt den Treueschwur. Und der Vogel hört gar nicht mehr auf, dafür aber der Terrorchef: Er kratzt sich nervös am Bart.

Immer wieder geht das so. Adeni fängt an - und der Vogel schreit los. Es macht die Sache nicht gerade leichter, dass der Terrorchef keineswegs textsicher scheint. Seine Männer hinter der Kamera müssen ihm den Schwur soufflieren.

Im Jemen ist al-Qaida stärker als der IS

Von alledem war allerdings nichts zu sehen in dem Video von Adenis erneutem Treueschwur auf den IS, das die Terrororganisation im September 2017 veröffentlichte. Die Patzer waren natürlich herausgeschnitten worden. Allein: Das Originalvideo existiert noch - samt der rausgeschnittenen Szenen. Die hat nun die mit dem IS rivalisierende Terrororganisation al-Qaida veröffentlicht.

Weltweit habe der IS die Nase vorn, was Geld, Propagandareichweite und Terror-Erfahrung angehe, berichteten Uno-Experten jüngst. Im Jemen dagegen ist al-Qaida stärker und tiefer verwurzelt als der IS. Dort priorisiere al-Qaida vorübergehend den Kampf gegen den IS, um die Dschihadisten-Vorherrschaft zu behalten.

"Al-Qaida und IS kämpfen seit Juli 2018 gegeneinander im Jemen", sagt Elisabeth Kendall, die an der Oxford-Universität über Dschihadismus im Jemen forscht und das Video auf dem Qaida-Kanal entdeckte. "Diesen Sommer hat al-Qaida mindestens ein IS-Lager in einer Gegend namens al-Bayda erobert, wo das Video gefilmt wurde. Ich vermute, dass al-Qaida dabei die Outtakes in die Hände gefallen sind."

Der Konflikt der beiden Dschihadistengruppen ist im Jemen nur einer von vielen:

  • Im Bürgerkrieg stehen sich die von Iran unterstützte Huthi-Miliz im Norden und die Verbündeten der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Saudi-Arabiens im Süden gegenüber.
  • Kürzlich brachen auch zwischen den vermeintlichen Verbündeten - dem von den VAE unterstützten "Southern Transition Council" (STC) und der von Saudi-Arabien unterstützten international anerkannten Regierung - in Aden Kämpfe aus.

In Saudi-Arabien soll es nun zu Verhandlungen kommen zwischen den Konfliktparteien. "Die aktuelle Lage könnte der Beginn von etwas Großem sein - einem neuen Friedensprozess, wenn man die Lage nutzt, dass die Regierung gezwungen ist, mit dem STC zu verhandeln, und dann die Huthis in den Prozess mit hineinbringt", sagt Marie-Christine Heinze, Jemen-Expertin und Leiterin des Nahost-Thinktanks CARPO.

Doch kommt es zu keiner Einigung, wäre dies der Beginn eines Bürgerkriegs innerhalb des Bürgerkriegs - und sowohl al-Qaida als auch der IS dürften davon wohl profitieren.



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