Konflikt mit Saudi-Arabien Die Allianz der Rebellen im Jemen bröckelt

Seit Tagen bekämpfen sich Huthis und Saleh-Anhänger im Jemen. Jetzt geht der Ex-Präsident sogar auf das verfeindete Saudi-Arabien zu. Die einstigen Partner sprechen von "Putsch".

Ali Abdullah Saleh
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Ali Abdullah Saleh


Jemens Ex-Präsident Ali Abdullah Saleh ist nach eigenen Angaben bereit zu Gesprächen mit dem verfeindeten Saudi-Arabien. "Ich rufe unsere Brüder in den Nachbarländern auf, ihre Aggression zu stoppen und die Blockade aufzuheben, und wir werden das Blatt wenden", sagte Saleh in einer Fernsehansprache.

Der frühere Staatschef hatte den Jemen mehr als drei Jahrzehnte regiert, war 2012 im Zuge des "Arabischen Frühlings" aber gezwungen worden, sein Amt niederzulegen. Seine Anhänger kämpfen jedoch seit 2014 an der Seite der schiitischen Huthi-Rebellen gegen die Truppen des sunnitischen Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi, Salehs Nachfolger. Damit stehen sie auch einem von Saudi-Arabien geführten Militärbündnis sunnitischer Staaten gegenüber, das Hadi unterstützt.

Allerdings hat das Bündnis zwischen den Anhängern Salehs und den Huthi-Rebellen zuletzt Risse bekommen. Am Freitag gab es den dritten Tag in Folge bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen den beiden Rebellengruppen.

Humanitäre Katastrophe

2015 hatten die Huthis die Kontrolle über die Hauptstadt Sanaa übernommen und Präsident Hadi ins Exil gezwungen. Das saudi-arabische Militärbündnisgriff damals in den Konflikt ein. Seitdem wurden mehr als 8600 Menschen getötet.

Der rund dreijährige Bürgerkrieg hat im Jemen eine humanitäre Katastrophe ausgelöst. Von den 27 Millionen Einwohnern sind nach Angaben der Vereinten Nationen rund zwei Drittel auf Lebensmittelhilfe angewiesen. Rund 90 Prozent der Nahrung des bettelarmen Landes muss importiert werden.

Verschärft wurde die Krise zuletzt durch eine Blockade, die das von Saudi-Arabien angeführte Militärbündnis Anfang November nach dem Abschuss einer Rakete auf den Flughafen der saudi-arabischen Hauptstadt Riad verhängt hatte.

Saleh forderte die saudische Allianz auf, die Blockade der Flughäfen und Häfen des Landes zu beenden und wieder Hilfslieferungen in das Land zu lassen. Dann könne auch wieder "nachbarschaftlich" miteinander gesprochen werden, sagte der Ex-Präsident dem Fernsehsender Al-Yemen al-Youm.

Die Huthi-Rebellen verurteilten Salehs Gesprächsangebot scharf. "Salehs Rede ist ein Putsch gegen unsere Allianz und Partnerschaft", sagte ein Sprecher im Fernsehen. Riad begrüßte dagegen Salehs Schritt.

kev/AFP/dpa



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