Jemen Arabische Koalition bombardiert Sanaa wieder

Fünf Monate lang war in Sanaa Ruhe - jetzt hat die von Saudi-Arabien angeführte Koalition die jemenitische Hauptstadt erneut angegriffen. Dabei sollen auch mehrere Zivilisten getötet worden sein.

Zerstörung in Jemen
AP

Zerstörung in Jemen


Nach dem Scheitern der Jemen-Friedensgespräche hat ein von Saudi-Arabien angeführtes Bündnis erstmals seit fünf Monaten wieder Sanaa bombardiert. Ziele seien unter anderem der Präsidentenpalast und ein Militärstützpunkt in der Hauptstadt gewesen. Das berichteten Anwohner der Nachrichtenagentur Reuters. Die Kämpfer stehen auf der Seite der international anerkannten Regierung. Sie wollen von Norden und Osten auf Sanaa vorrücken. Die Hauptstadt wird derzeit von den schiitischen Huthi-Rebellen kontrolliert.

Bei den Angriffen sollen neben den Gebäuden auch Zivilisten getroffen worden sein. Laut der Nachrichtenagentur AP starben 14 Menschen, die als Nachtschicht in einer Lebensmittelfabrik arbeiteten. Zitiert werden ein Mitarbeiter sowie zwei Ärzte, die ihren Namen nicht nennen wollten. Die Zahlen sind bisher jedoch noch unklar: Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert einen Mediziner, der von neun Opfern spricht.

Die Koalition unter Führung Saudi-Arabiens besteht vor allem aus Golfstaaten und unterstützt die Regierung von Präsident Abd Rabbuh Mansur Hadi. Diese ist vor den Huthi-Rebellen in das Nachbarland geflüchtet. Die Rebellen sind mit Iran verbündet.

Uno kritisiert Verstöße gegen Völkerrecht

Saudi-Arabien und seine Alliierten hatten seit dem vergangenen Jahr Tausende Luftangriffe auf mutmaßliche Ziele der Huthis und ihrer Verbündeten geflogen. Im März wurden die Angriffe auf Sanaa eingestellt. Damals hatten das Militärbündnis und die Rebellen informell vereinbart, sich an der saudi-arabisch-jemenitischen Grenze nicht mehr zu bekämpfen. Seitdem konnten zivile Flugzeuge und Maschinen mit Hilfsgütern den Flughafen ansteuern.

Vertreter beider Seiten hatten sich zuletzt am Wochenende in Kuwait zu Friedensverhandlungen unter Vermittlung der Vereinten Nationen (Uno) getroffen. Die Gespräche wurden aber unterbrochen und sollen innerhalb eines Monats fortgesetzt werden.

Die Uno hatte zuletzt schwere Anschuldigungen gegen die Kriegsparteien in dem Land erhoben: Beide Seiten hätten gegen das Völkerrecht und die internationalen Menschenrechte verstoßen, hieß es in einem vertraulichen Bericht. Bei der Kritik ging es immer wieder auch um den Beschuss von Zivilisten.

vek/Reuters/AP



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