Anschlag in Sanaa Terroristen in Jemen zogen mordend von Tür zu Tür
Anschlagsort in Sanaa (am Donnerstag): Auswärtiges Amt erhöht Krisenstufe für Jemen
Foto: Stringer/ dpaBerlin - Die Bundesregierung hat nach dem schweren Terroranschlag auf das Verteidigungsministerium in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa und dem Tod von zwei deutschen Entwicklungshelfern reagiert. Bei einer Sitzung des Krisenstabs im Auswärtigen Amt entschieden die Experten unter Leitung des geschäftsführendes Ministers Guido Westerwelle (FDP), alle deutschen Mitarbeiter von deutschen Organisationen sofort aus dem Land abzuziehen.
Alle Staatsbürger wurden zudem dringlich aufgefordert, den Jemen umgehend zu verlassen, die Botschaft hat bereits Kontakt zu allen bekannten Deutschen im Land aufgenommen. Offiziell wurde die Kriseneinschätzung für den Jemen auf die Stufe drei erhöht, das ist das gefährlichste Niveau überhaupt. Die Einstufung hat auch zur Folge, dass die Botschaft in Sanaa nur noch in einem sogenannten Notbetrieb weiterarbeitet. Das Personal der Vertretung war bereits im Oktober massiv ausgedünnt worden.
Die Reaktion zeigt, wie ernst das Auswärtige Amt und die Geheimdienste die Gefahr im Jemen einschätzen. Am Freitagmorgen hatte sich der lokale Ableger der Terrororganisation al-Qaida zu der Attacke auf das Gelände des Verteidigungsministeriums bekannt. Bei dem Angriff, der mit einem Selbstmordanschlag begann und in einer wilden Schießerei zwischen mit Armeeuniformen getarnten Angreifern und den Sicherheitskräften endete, wurden mindestens 52 Menschen, darunter neben den Deutschen weitere Ausländer, getötet.
"Zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort"
Laut der Ermittlungen vor Ort kamen die beiden deutschen Mitarbeiter der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) - der Leiter der Jemen-Mission und ein Experte für Gesundheitsprojekte - am Donnerstag unter tragischen Umständen ums Leben. Demnach war der GIZ-Landeschef am Vortag wegen des Verdachts auf einen Schlaganfall in das Militärkrankenhaus eingeliefert worden. Die Klinik war in den vergangenen Jahren auch mit deutscher Hilfe aufgebaut worden und gilt als eine der besten im Jemen.
Als der Angriff begann, stürmte eine Gruppe von Bewaffneten umgehend in das Gebäude und richtete ein Blutbad an. Augenzeugen zufolge gingen die Täter von Zimmer zu Zimmer und erschossen Patienten, Ärzte und Pflegekräfte. Nach der Attacke fand man den Deutschen tot in seinem Zimmer. Der andere GIZ-Mann, der seinen Kollegen mit seinem jemenitischen Fahrer besuchen wollte, wurde später auf einem der Krankenhausgänge erschossen. "Sie waren zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort und wurden in tragischer Weise Opfer dieses schweren Anschlags", so ein Ermittler.
Die GIZ teilte mit, die beiden Getöteten hätten im Jemen der Bevölkerung bei der Trinkwasserversorgung und Ernährungssicherung geholfen und damit "klassische Entwicklungszusammenarbeit" geleistet. Im Auftrag der Bundesregierung engagiert sich die GIZ seit 1969 in dem Krisenland, seit 1983 unterhält sie in Sanaa ein eigenes Büro und konzentriert sich laut eigener Website "auf die entwicklungspolitischen Schwerpunkte Wasser und Grundbildung".
Die Bundeskanzlerin zeigte sich nach dem brutalen Anschlag bestürzt und ließ den Angehörigen der beiden GIZ-Mitarbeiter durch ihren Sprecher ihr Beileid mitteilen. Trotz des Abzugs der deutschen Entwicklungshelfer, so Merkels Sprecher, werde die Arbeit im Jemen weitergehen.
Aus der GIZ-Zentrale hieß es dazu, die laufenden Projekte würden in den nächsten Wochen aus dem Ausland gesteuert und von lokalen Mitarbeitern weitergeführt. Diese Praxis führt die GIZ in einigen Ländern durch, die als gefährlich gelten.