Nach drei Monaten Geiselhaft Im Jemen entführter Deutscher ist frei
Sanaa/Berlin - Ein vor dreieinhalb Monaten im Jemen entführter Deutscher ist wieder auf freiem Fuß. Wie die jemenitische Nachrichtenagentur Saba meldet, wurde er in der östlichen Provinz Marib festgehalten. Der etwa 60-jährige Mann war am 31. Januar in Sanaa gekidnappt und in eine Stammesregion östlich der jemenitischen Hauptstadt verschleppt worden. Nach seiner Freilassung wurde er dem Auswärtigen Amt zufolge in deutsche Botschaft nach Sanaa gebracht.
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sei "sehr erleichtert" über die Freilassung des Mannes, sagte seine Sprecherin. Er dankte insbesondere dem Staatspräsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi und der Regierung in Sanaa für ihre Unterstützung. Laut Saba hatte vor allem der Gouverneur der nordöstlichen Provinz al-Dschawf, Mohammed bin Abboud, sich für den Deutschen engagiert. Einem Bericht des lokalen Nachrichtenportals "Mareb Press" zufolge ließ die Regierung im Gegenzug zwei inhaftierte Verwandte der Kidnapper frei.
Der Privatsender al-Jemen al-Jum hatte zu Jahresbeginn berichtet, bei dem Kidnapper handele es sich um ein Stammesmitglied mit dem Namen Ali Haridschiwan, der laut der Regierung in Sanaa auch Geld gefordert hatte. Die Entführer hatten nach örtlichen Medienberichten noch vor kurzem gedroht, den Entführten an das Terrornetzwerk Al-Qaida zu "verkaufen".
Fernsehbilder zeigten einen abgemagerten Mann
Der Deutsche stammt nach Recherchen des MDR aus Haldensleben in Sachsen-Anhalt. Anfang April hatte ein jemenitischer Fernsehsender eine Filmsequenz gesendet, die den Mann an der Seite seines mit einer Kalaschnikow bewaffneten Entführers zeigte. Der abgemagert aussehende Deutsche trug ein weißes Gewand und eine Sonnenbrille. Ein Reporter des Privatsenders al-Jemen al-Jum gab an, das Entführungsopfer leide an Lungenkrebs und müsse behandelt werden. Derzeit geht es dem Mann Steinmeiers Sprecherin zufolge "den Umständen entsprechend gut".
Im Jemen wurden in den vergangenen Jahren Hunderte Menschen entführt - darunter auch immer wieder Deutsche. In den meisten Fällen wollten die Kidnapper die Freilassung inhaftierter Stammesangehöriger oder Lösegeld erpressen.
Zuletzt wurden bei einem Anschlag auf das jemenitische Verteidigungsministerium im Dezember 52 Menschen getötet, unter ihnen zwei deutsche Mitarbeiter der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).