Kämpfe im Jemen Panzer rollen durch die Straßen Adens

In Aden tobt der Kampf um die Herrschaft im Jemen. Die Hafenstadt ist die letzte Bastion der Anhänger des geflohenen Präsidenten Hadi, die Huthi-Milizen sollen wichtige Viertel erobert haben.

Anti-Huthi-Kämpfer in Aden: Die Gefechte ums Zentrum spitzen sich zu
AFP

Anti-Huthi-Kämpfer in Aden: Die Gefechte ums Zentrum spitzen sich zu


Bewohner Adens haben am Donnerstag von schweren Gefechten zwischen Anhängern der gewählten Regierung und den schiitischen Huthi-Rebellen im Zentrum der Stadt berichtet. Unterstützt von Panzern und gepanzerten Fahrzeugen seien Hunderte Huthi-Kämpfer und mit ihnen verbündete Milizen in den Stadtteil Crater vorgerückt. Am Mittag hätten sie den Bezirk, in dem die Zweigstelle der Zentralbank und Gewerbeunternehmen angesiedelt sind, unter ihre Kontrolle gebracht. In den verwaisten Straßen seien Panzer und Fußstreifen unterwegs.

Aden ist die letzte große Bastion des aus dem Land geflohenen Präsidenten Abd-Rabbu Mansur Hadi. Die Huthi-Miliz ist mit Ex-Präsident Ali Abdullah Saleh verbündet. Seit einer Woche fliegt eine vom sunnitischen Saudi-Arabien geführte Militärallianz Luftangriffe gegen die Rebellen, um deren Vormarsch zu stoppen.

Wie weit die Huthi-Kämpfer ins Zentrum von Aden vorrücken konnten oder ob die Stadtmitte bereits unter ihrer Kontrolle ist, ist unklar - es gibt widersprüchliche Berichte. Nach Aussagen von Augenzeugen versuchten die schiitischen Milizionäre, zum Präsidentenpalast in Aden vorzurücken.

Berichte über Soldaten, die im Hafen von Aden ankommen

Die Nachrichtenagentur AFP zitiert einen Offizier der jemenitischen Sicherheitskräfte mit den Worten: "Dutzende Milizionäre und Verbündete sind mit Panzern und Truppentransportern vorgefahren und in den Palast eingedrungen." Ein Mitglied der sogenannten Volkskomitees, die den geflohenen Präsidenten Hadi unterstützen, sagte hingegen, in der Palastanlage werde weiter erbittert gekämpft. Die Konfliktparteien "beschießen sich gegenseitig mit Panzergranaten", sagte er.

Zuvor gab es am Donnerstag Meldungen, wonach im Hafen von Aden mehrere Dutzend Soldaten unbekannter Nationalität von einem Schiff an Land gebracht wurden. Die von Saudi-Arabien geführte Militärallianz kontrolliert nach eigener Darstellung die Gewässer rund um Aden. Die Lage ist jedoch so unübersichtlich, dass unklar ist, wie die angebliche Ankunft der Soldaten einzuordnen ist. Mitglieder der Regierung konnten jedenfalls nicht sagen, ob dies der Beginn der von ihr geforderten Bodenoffensive gegen die Huthi-Rebellen war. "Ich hoffe es", sagte Außenminister Rejad Jassin Abdulla zu der Nachrichtenagentur Reuters. "Ich hoffe es sehr."

Bei den Kämpfen im Zentrum Adens wurden nach Angaben von Militärquellen und Rettungskräften 44 Menschen getötet: 20 Huthi-Rebellen, 18 Zivilisten und sechs Kämpfer der Volkskomitees.

Al-Qaida befreit Hunderte Gefangene

Präsident Hadi war im Februar nach Aden geflohen, nachdem die Huthis die Hauptstadt Sanaa eingenommen hatten. Am 26. März setzte er sich dann in die saudiarabische Hauptstadt Riad ab. Am selben Tag startete die arabische Militärallianz tägliche Luftangriffe gegen mutmaßliche Stellungen der Huthi-Rebellen. Am Donnerstag flog die Allianz Angriffe im Morgengrauen, wonach sich Huthi-Rebellen zunächst aus Stellungen in Aden zurückgezogen hatten.

Auch in anderen Gebieten des Jemen wird erbittert gekämpft. Im etwa 500 Kilometer von Aden entfernten Mukalla am Arabischen Meer stürmten mutmaßliche Kämpfer der Terrororganisation al-Qaida das Zentralgefängnis und befreiten nach Angaben aus Polizei- und Verwaltungskreisen rund 300 Insassen, darunter auch einen Qaida-Anführer.

In der saudi-arabischen Grenzregion Asir wurde nach Angaben des Innenministeriums in Riad ein Grenzschützer getötet, als sein Grenzposten aus einer Bergregion im Jemen unter Beschuss geriet. Zehn weitere seien verletzt worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur SPA weiter. Der Grenzschützer ist - soweit bekannt - der erste Tote auf Seiten Saudi-Arabiens seit Beginn der Luftangriffe der Militärallianz auf die Rebellen.

Russland hat wegen der andauernden Kämpfe etwa 150 Bürger aus dem Jemen ausgeflogen. Zwei Transportflugzeuge sollten noch am Donnerstag in der Hauptstadt Sanaa landen, teilte das Außenministerium in Moskau der Agentur Interfax zufolge mit.

Die jemenitische Fluglinie Yemenia - Yemen Airways hat ihren Betrieb eingestellt. Das teilte die Airline auf ihrer Webseite mit.


Zusammengefasst: In der südjemenitischen Hafenstadt Aden spitzen sich die Kämpfe zwischen Huthi-Kämpfern und Getreuen des geflohenen Präsidenten Hadi zu. Aden galt bis jetzt als letzte Bastion Hadis - nun gibt es Berichte darüber, dass die schiitischen Huthis den Präsidentenpalast erobert haben. Eine von Saudi-Arabien angeführte Militärallianz fliegt weiter Luftangriffe, um den Vormarsch der Huthis im Jemen zu stoppen.

anr/AFP/Reuters/dpa

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