Krise im Jemen Huthi-Rebellen nehmen weitere Provinzen ein

Der Jemen rutscht weiter in die Staatskrise: Die Huthi-Rebellen kontrollieren nach der Hauptstadt nun auch einen wichtigen Hafen. Im Süden demonstrieren Zehntausende für die Unabhängigkeit.

Junger Huthi-Kämpfer in Sanaa: "Verdammt seien die Juden! Sieg dem Islam!"
REUTERS

Junger Huthi-Kämpfer in Sanaa: "Verdammt seien die Juden! Sieg dem Islam!"


Sanaa - Die Huthi-Rebellen im Jemen sind weiter auf dem Vormarsch. Die Milizionäre haben nun die Provinz Hudaida westlich der Hauptstadt Sanaa eingenommen. Besonders die gleichnamige Provinzhauptstadt mit ihrem Hafen am Roten Meer - dem zweitgrößten des Landes - ist strategisch wichtig.

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen in Sanaa stießen die Aufständischen bei ihrem Vormarsch auf keinerlei Widerstand. Inzwischen sollen sie auch den Flughafen von Hudaida und mehrere Armeestützpunkte eingenommen haben.

In der Provinz Damar, die südlich der Hauptstadt liegt, bietet sich laut Augenzeugen ein ähnliches Bild. Soldaten und Polizisten sollen sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen haben, stattdessen patrouillieren nun Huthi-Rebellen auf den Straßen.

Die Huthis gehören der Minderheit der Zaiditen an, einer Strömung des schiitischen Islam, zu der sich etwa ein Drittel der Jemeniten bekennen. Sie fordern mehr politische Mitbestimmung von der Zentralregierung, die von der sunnitischen Mehrheit dominiert wird.

In den vergangenen Monaten rückten die Rebellen, die bis zu hunderttausend Mann unter Waffen haben sollen, dann immer weiter auf die Hauptstadt vor. Im Laufe des Septembers nahmen sie dann Sanaa Stück um Stück ein.

Zehntausende fordern Unabhängigkeit für Südjemen

Die Huthis, benannt nach der Familie, die die Bewegung anführt, kämpfen seit etwa zehn Jahren gegen die Zentralregierung. Ihre offizielle Losung lautet: "Gott ist groß! Tod den USA! Tod Israel! Verdammt seien die Juden! Sieg dem Islam!"

Lange konzentrierten sich die Gefechte zwischen den Milizionären und der staatlichen Armee auf die Provinzen Saada und Amran im äußersten Nordwesten des Landes. Dort hatten die Zaiditen bis in die Sechzigerjahre in einem de facto unabhängigen Reich unter der Herrschaft eines Imams gelebt.

Seit ihrem Vormarsch auf die Hauptstadt sind die Huthis die dominierende innenpolitische Kraft im Jemen. Sie wollen die Regierung mit ihn genehmen Politikern besetzen. Radikale Sunniten sehen diese Entwicklung mit großer Sorge - und Extremisten greifen zur Gewalt. Bei einem Selbstmordanschlag auf eine Versammlung von Huthi-Anhängern wurden am vergangenen Donnerstag Dutzende Menschen getötet.

Internationale Vermittlungsbemühungen sind bislang gescheitert. BesondersSaudi-Arabien beobachtet die Entwicklungen in seinem südlichen Nachbarland mit großer Sorge. Das Königshaus in Riad bezichtigt Teheran, die Huthis aufzurüsten, um einen pro-iranischen Brückenkopf auf der Arabischen Halbinsel zu errichten.

Das ärmste Land des Nahen Ostens steckt seit Jahrzehnten in einer Dauerkrise. Inzwischen bekommt auch die Sezessionsbewegung im Südjemen wieder neuen Zulauf. Am Dienstag demonstrierten in Aden Zehntausend für die Unabhängigkeit des Südjemen, der wirtschaftlich besser dasteht als der Norden. Aden war bis zur Wiedervereinigung 1990 Hauptstadt des sozialistisch geprägten Südjemen.

syd/AP/AFP



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meier_7 14.10.2014
1.
Das Gegenteil ist doch der Fall, die Huthis haben doch erst mit dem Aufstand begonnen, weil sie von den Sunniten unterdrückt wurden, wie es in den meisten Ländern ist, wo es Schiiten git, selbst wenn sie klar in der Mehrheit sind, wie in Bahrein. Der Hinweis auf Saudi Arabien bauch nur unbelegte interessensgeleitete Behauptungen der Saudis wieder.
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