Jemens Präsident Hadi auf der Flucht Jenseits von Aden

Jemens Präsident Hadi ist auf der Flucht, offenbar per Schiff auf dem Weg nach Dschibuti. Die Huthi-Rebellen kontrollieren damit die vier größten Städte des Landes - davon könnte ausgerechnet al-Qaida profitieren.

Menschen in Aden suchen Schutz vor Gefechten: Huthi-Rebellen vertreiben Präsident Hadi
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Menschen in Aden suchen Schutz vor Gefechten: Huthi-Rebellen vertreiben Präsident Hadi


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Aden - Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi hat seinen letzten Zufluchtsort im Jemen verlassen. "Er ist nicht länger in seiner Residenz", teilte das US-Außenministerium mit. Laut Sicherheitsbeamten und Mitarbeitern des Hafens in Aden sei Hadi mit Vertrauten am Mittwochnachmittag und zwei Schiffen geflohen.

Das genaue Ziel ist unbekannt, am naheliegendsten ist jedoch eine Flucht nach Dschibuti. Der afrikanische Staat am gegenüberliegenden Ufer des Golfs von Aden liegt nur rund 200 Kilometer entfernt.

Die Huthi-Rebellen und verbündete Teile der Armee hatten Hadi in den vergangenen Tagen immer weiter in die Enge getrieben. Sie nahmen seinen Verteidigungsminister Mahmoud al-Subaihi fest und eroberten die Militärbasis Anad, die bis zur vergangenen Woche noch von der US-Armee genutzt wurde.

Schließlich überrannten die Aufständischen den Flughafen von Aden und bombardierten die Residenz des Präsidenten in Aden. Die Huthi-Rebellen verkündeten über das von ihnen kontrollierte Staatsfernsehen, das sie ein Kopfgeld in Höhe von umgerechnet rund 90.000 Euro auf Hadi aussetzen. Nach seiner Flucht drangen Jemeniten in die Wohnanlage des Präsidenten ein und plünderten sie.

De facto war Hadi bereits seit vergangenem September ein Präsident ohne Macht. Aus seinem Exil in Aden forderte er die arabischen Nachbarn und die Uno mehrfach zum Eingreifen auf, allerdings ohne Erfolg. Saudi-Arabien hat zwar Truppen an der Grenze zum Jemen aufmarschieren lassen und schweres Kriegsgerät verlegt, bislang scheut Riad aber ein direktes Eingreifen. (Lesen Sie hier einen Überblick über die wichtigsten Akteure im jemenitischen Bürgerkrieg.)

Bürgerkriegsland Jemen: Die Huthis kontrollieren die größten Städte
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Damit stehen die Huthis kurz davor, die vier größten Städte des Landes zu kontrollieren. Im September 2014 marschierten sie in der Hauptstadt Sanaa ein. Zug um Zug brachten sie staatliche Einrichtungen unter ihre Kontrolle, lösten das Parlament auf und zwangen Hadi zur Flucht nach Aden.

Kurz darauf überrannten die Rebellen Hudaida am Roten Meer. In der vergangenen Woche eroberten sie Tais, die drittgrößte Stadt des Landes. Nach Hadis Flucht scheint auch die vollständige Einnahme Adens nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

Augenzeugen beschreiben die Lage in der Hafenstadt als sehr angespannt. Schulen, staatlichen Einrichtungen und auch die meisten Geschäfte hätten geschlossen. Plünderer sollen mehrere Armeestützpunkte überfallen und Waffen erbeutet haben.

Doch je weiter die Huthi-Rebellen, die der schiitischen Minderheit der Zaiditen angehören, nach Süden vordringen, desto größer ist der Widerstand der sunnitischen Einwohner, die sie dort treffen. In der vergangenen Woche demonstrierten in Tais Tausende Menschen gegen den Einmarsch der Aufständischen, die von vielen als Besatzer wahrgenommen werden.

Nun rücken die Huthis immer weiter auf die Gebiete im Südjemen vor, die von der Terrororganisation al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) und verbündeten Stammesmilizen kontrolliert werden. Das Vormarsch dürfte den Dschihadisten neue Anhänger in die Arme treiben, denen sich AQAP als Verteidiger sunnitischer Interessen präsentiert. Die direkte Konfrontation zwischen schiitischen und sunnitischen Islamisten im Jemen scheint derzeit unausweichlich.


Zusammengefasst: Die Huthi-Rebellen im Jemen sind stärker denn je. Sie haben Präsident Hadi aus dem Land gejagt und kontrollieren die größten Städte des Landes. Nun droht eine direkte Kontrontation mit der Terrorgruppe al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel.

syd/AP/Reuters



insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
minsch 26.03.2015
1.
Sunniten sind da im Konflikt mit Schiiten: Na dann ist doch jetzt schon klar, dass Saudi-Arabien das Land endgültig destabilisiert, bis islamistische Extremisten an der Macht sind; machen wir uns doch nichts vor, Saudi-Arabien ist nichts anderes als Al Qida auf monarchistisch.
cededa 26.03.2015
2. Lustig
normalerweise wird in die andere Richtung geflohen.
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