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17. April 2015, 03:43 Uhr

Vormarsch der Dschihadisten

Al-Qaida profitiert von Saudi-Arabiens Krieg im Jemen

Saudi-Arabien will mit seinen Bombenangriffen im Jemen die Huthi-Milizen zerschlagen. Bislang ohne Erfolg. Dafür baut die Terrororganisation "al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel" ihre Macht aus.

Die Terrorgruppe "al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel" (AQAP) hat den Hadramaut, die größte Provinz des Jemen, fast vollständig unter ihre Kontrolle gebracht. Ihre Kämpfer stürmten am Donnerstag den Flughafen Riyan am Golf von Aden und eine in der Nähe gelegene Militärbasis. Die Soldaten, die den Stützpunkt verteidigen sollten, flohen.

Riyan liegt in der Nähe der Küstenstadt Mukalla, die al-Qaida vor zwei Wochen eingenommen hatte. Dort kontrollieren die Dschihadisten auch den Hafen mit einem wichtigen Ölterminal. "Sie festigen ihre Position in der Stadt und werden die ganze Küste des Hadramaut paralysieren", sagte Nasser Baqazous, ein Aktivist aus Mukalla.

In der Stadt ist al-Qaida ein Bündnis mit örtlichen Stammesvertretern eingegangen. Gemeinsam habe man einen 51-köpfigen Provinzrat eingesetzt, der die Gegend regieren solle, sagte ein Lokalpolitiker der Nachrichtenagentur AP. Dort seien aber nur religiöse Parteien und Politiker vertreten.

Laut Augenzeugen ist al-Qaida in Mukalla dabei, ein streng islamistisches Regime einzurichten. Im Kulturzentrum tagt inzwischen ein "Islamisches Gericht", in den Straßen patrouillieren Sittenwächter. Die Milizionäre sollen mehrere Politiker verschleppt haben, die Sympathien für die Huthi-Rebellen und den mit ihnen verbündeten Ex-Präsidenten Ali Abdullah Saleh geäußert hatten.

Saudi-Arabien beschwichtigt

Saudi-Arabien bombardiert gemeinsam mit anderen arabischen Staaten und mit Unterstützung der USA Ziele der Huthi-Milizen. Diese Rebellen der zaiditischen Minderheit kontrollieren die Hauptstadt Sanaa und versuchen seit Wochen die Hafenstadt Aden einzunehmen. Die Luftangriffe haben die Huthis bislang kaum geschwächt.

Ahmed Asiri, Sprecher der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition, hat den Vormarsch von al-Qaida im Jemen heruntergespielt. "Wenn es erst einmal einen sichern und stabilen Jemen gibt, der die gesetzliche Ordnung aufrecht erhalten kann, wird es keinen Raum für al-Qaida mehr geben", sagte er dem saudi-arabischen TV-Sender al-Arabiya al-Hadath.

AQAP gilt als der gefährlichste und stärkste Zweig des Terrornetzwerks al-Qaida. Die Terrorgruppe ist verantwortlich für mehrere gescheiterter Anschlagsversuche in den USA und hat sich zum Attentat auf "Charlie Hebdo" in Paris bekannt. Die Gruppe hat in der Provinz Hadramaut seit Langem ihre Hochburg, auch Drohnenangriffe der US-Armee dort haben sie bislang nicht entscheidend stoppen können.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon rief alle Konfliktparteien im Jemen zu einer sofortigen Waffenruhe auf. "Die Saudis haben mir zugesagt, dass sie verstanden haben, dass es einen politischen Prozess geben muss", sagte Ban. "Ich rufe alle Jemeniten auf, sich mit gutem Willen zu beteiligen."

Am Donnerstag hatte der Uno-Sondergesandte für den Jemen, Jamal Benomar, seinen Rücktritt eingereicht. Er hatte vier Jahre lang vergeblich versucht, eine friedliche Lösung für den Machtkampf zu vermitteln. Aus Uno-Kreisen heißt es, Ban habe den mauretanischen Diplomaten Ismail Ould Cheikh Ahmed als Nachfolger auserkoren.

syd/AP/Reuters

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