Jemenkrieg Die Emirate treten den Rückzug an (es soll nur niemand merken)

Heimlich, still und leise haben die Vereinigten Arabischen Emirate einen Großteil ihrer Truppen aus dem Jemen abgezogen. Um Saudi-Arabien nicht zu brüskieren, findet die Aktion diskret statt.
Emiratische Soldaten auf dem Flughafen von Aden (2015): "Wir werden kein Vakuum hinterlassen"

Emiratische Soldaten auf dem Flughafen von Aden (2015): "Wir werden kein Vakuum hinterlassen"

Foto: REUTERS/Fawaz Salman/File Photo

Es gibt für Regierungen zwei Wege, sich aus Kriegen im Ausland herauszuziehen. Wladimir Putin und Donald Trump haben sich für maximale Aufmerksamkeit entschieden.

Der Kreml-Chef hat schon mehrfach öffentlichkeitswirksam den Abzug eines Großteils der russischen Truppen aus Syrien angekündigt. Der US-Präsident kündigte seinerseits Ende 2018 an, die rund 2000 amerikanischen Soldaten aus Syrien abzuziehen. Passiert ist in beiden Fällen wenig. Noch immer sind Tausende russische und amerikanische Soldaten in dem Bürgerkriegsland stationiert.

Das Herrscherhaus der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) geht den umgekehrten Weg: In den vergangenen Wochen und Monaten haben die Emirate einen Großteil ihrer Truppen aus dem Jemen abgezogen, ohne darüber öffentlich ein Wort zu verlieren.

"Wir werden kein Vakuum hinterlassen"

Erst auf Nachfrage der Nachrichtenagentur Reuters räumte ein Regierungsbeamter in Abu Dhabi ein, dass es "einige Truppenbewegungen" der VAE im Jemen gegeben habe. Er stellte aber zugleich klar: "Wir werden kein Vakuum hinterlassen."

Seit März 2015 bemüht sich ein Bündnis mehrerer arabischer Staaten - angeführt von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten -, die von Iran protegierten Huthi-Milizen aus der Machtposition zu vertreiben. Der Krieg hat seither Zehntausende Zivilisten das Leben gekostet. Sie sind entweder durch Kampfhandlungen gestorben oder an unmittelbaren Kriegsfolgen wie Mangelernährung und Seuchen.

Elana DeLozier, Golfstaaten-Spezialistin am Washington Institute for Near East Policy, schreibt unter Berufung auf mehrere Quellen in den Emiraten , dass sich die VAE-Truppen gänzlich aus der Provinz Marib östlich von Sanaa zurückgezogen hätten. Auch aus der Provinz Hudaida am Roten Meer seien 80 Prozent der emiratischen Einheiten abgezogen.

Die Kosten-Nutzen-Rechnung der Emirate

Nach DeLoziers Erkenntnissen hat der Abzug schon vor Monaten begonnen. Der Rückzug ist demnach eine Folge des Stockholmer Abkommens vom Dezember vergangenen Jahres, das eine Feuerpause in der Provinz Hudaida vorsieht. Bis dahin hatte sich die Militäroffensive der Emirate auf genau jenes Gebiet am Roten Meer konzentriert.

Marine-Einheiten der VAE vor der Küsten Jemens

Marine-Einheiten der VAE vor der Küsten Jemens

Foto: Karim Sahib / AFP

Mit der Waffenruhe sei nun die Stunde der Verhandler und der Vereinten Nationen gekommen, daher habe sich Abu Dhabi bis auf seine Anti-Terroreinheiten aus der Region zurückgezogen.

Westliche Diplomaten vermuten andere Motive: Nach Einschätzung von US-Experten habe sich in den Emiraten schlicht die Erkenntnis durchgesetzt, dass die militärischen, finanziellen und politischen Kosten der Jemen-Offensive den tatsächlichen Nutzen nicht mehr aufwiegen. Schließlich habe der Krieg bisher zu einer Pattsituation geführt, die das von Saudi-Arabien angeführte Militärbündnis nicht zu seinen Gunsten wenden könnte.

Hilfslieferung im Hafen von Hudaida: Seit Dezember gilt am Roten Meer eine Waffenruhe

Hilfslieferung im Hafen von Hudaida: Seit Dezember gilt am Roten Meer eine Waffenruhe

Foto: AFP

Andere Diplomaten sehen in dem Abzug eine Reaktion auf die jüngsten Spannungen in der Irankrise und die Attacken auf Tanker vor der Küste der Emirate. Aus Sorge vor einer weiteren Eskalation habe sich das Herrscherhaus entschieden, seine Truppen zurückzuholen, damit sie im Ernstfall rasch bei der Landesverteidigung eingesetzt werden können.

Die Emirate haben noch immer 10.000 Söldner aus dem Sudan im Einsatz

Mohammed bin Zayed, Kronprinz von Abu Dhabi und mächtigster Mann des Herrscherhauses, hat gute Gründe dafür, seine Truppenverlegung nicht öffentlich zu machen:

  • Die Militärkoalition von Saudi-Arabien und Vereinigten Arabischen Emiraten hat ihr öffentlich erklärtes Ziel, die international anerkannte Regierung von Präsident Abd Rabbuh Mansur Hadi wieder an die Macht zu bringen, auch nach mehr als vier Jahren Krieg nicht erreicht. Deshalb würden die Huthi-Rebellen, die noch immer die Hauptstadt Sanaa und den Nordwesten des Jemen kontrollieren, jeden offiziellen Rückzug als Sieg feiern.
  • Saudi-Arabien betont stets, nicht im Alleingang zu handeln, sondern an der Spitze einer Militärkoalition mit anderen arabischen Staaten. Doch dieses Bündnis existiert nur noch auf dem Papier: Marokko ist längst nicht mehr dabei, andere Partnerstaaten wie Ägypten und Bahrain beschränken sich inzwischen auf logistische Hilfe.

Wenn nun auch noch die Emirate ihre Beteiligung offiziell zurückfahren, würde das für Kronprinz Mohammed bin Salman, den Architekten der Jemen-Offensive, einen Gesichtsverlust bedeuten.

Verbündete Mohammed bin Zayed und Mohammed bin Salman: MBZ und MBS

Verbündete Mohammed bin Zayed und Mohammed bin Salman: MBZ und MBS

Foto: BANDAR AL-JALOUD/ AFP

Es gibt aber noch immer rund 10.000 Söldner aus dem Sudan, die von den Emiraten eingekauft wurden. Sie sollen im Jemen bleiben - und nun sicherstellen, dass die von der Militärkoalition unterstützten einheimischen Kräfte nicht wieder von den Huthis überrannt werden.

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