Jemen Kampfflugzeug bombardiert Präsidentenpalast

Im Jemen spitzt sich die Lage zu: Huthi-Kämpfer rücken auf Aden vor. Dort wurde der Präsidentenpalast unter Beschuss genommen. Wer hinter der Attacke steckt, ist unklar - auch wo sich Staatschef Hadi aufhält.

Präsident Hadi (Archiv): Rückzug nach Aden
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Präsident Hadi (Archiv): Rückzug nach Aden


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Aden - Die Hafenstadt Aden im Süden Jemens steht vor einem möglichen Angriff schiitischer Huthi-Milizen. Sie rücken immer weiter vor auf die Stadt, in der Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi Zuflucht gesucht hatte. Jetzt hat ein Kampfflugzeug Medienberichten zufolge den Palast des Staatschefs angegriffen.

Ein Kampfjet habe mindestens drei Raketen auf die Residenz abgefeuert, berichtete die lokale Nachrichtenseite "Aden al-Ghad" am Mittwoch. Sie beruft sich auf Augenzeugen. Bodentruppen hätten das Feuer erwidert. Über Opfer war zunächst nichts bekannt - auch nicht darüber, wer für die Attacke verantwortlich ist. Der Flughafen der Stadt wurde der Nachrichtenagentur Reuters zufolge aus Sicherheitsgründen geschlossen.

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Verwirrung gibt es auch über den Aufenthaltsort des Präsidenten. Es gibt mehrere Berichte, dass Hadi aus Aden geflohen sein soll. Der jemenitische Sicherheitsdienst wies dies zurück. Inzwischen haben die Huthis nach Angaben der Nachrichtenagentur AP ein Kopfgeld in Höhe von fast 100.000 Dollar auf Hadi ausgesetzt. Das berichtete der staatliche Fernsehsender, der von den Milizen kontrolliert wird.

Die Huthis haben zudem nach eigenen Angaben den Verteidigungsminister Mahmoud al-Subaihi festgenommen. Er sei in der Stadt Huta in einer Nachbarprovinz von Aden gefasst und in die Hauptstadt Sanaa gebracht worden, teilte der Sprecher der Rebellen, Mohammed Abdulsalam, mit.

Präsident Hadi hatte den Uno-Sicherheitsrat am Dienstag erneut um Hilfe im Konflikt mit den Huthi-Kämpfern gebeten. In einem Brief forderte der Staatschef das Uno-Gremium zur Verabschiedung einer bindenden Resolution auf, mit der das Vorrücken der von Iran unterstützten Huthi-Miliz auf Aden gestoppt werden soll. Die Arabische Liga kündigte an, die Situation im Jemen diskutieren zu wollen.

Militärstützpunkt eingenommen

Staatschef Hadi war im Februar die Flucht nach Aden gelungen, nachdem die Huthi-Milizen im September die Hauptstadt Sanaa und in der vergangenen Woche Tais, den drittgrößten Ort des Landes, eingenommen hatten. In Sanaa hatten die Kämpfer den Staatschef und Teile der Regierung über Wochen festgesetzt (Lesen Sie hier einen Überblick über die wichtigsten Akteure im jemenitischen Bürgerkrieg.).

Die schiitischen Huthis hatten am Mittwoch die Kontrolle über den wichtigsten Militärstützpunkt im Südjemen übernommen. Erst vor vier Tagen hatten die USA aus Sicherheitsgründen auf der Basis Al-Anad stationierte US-Soldaten abgezogen. Sie wurde in der Vergangenheit von den USA als Drohnen-Stützpunkt im Anti-Terror-Kampf genutzt. US-Soldaten trainierten dort zudem jemenitische Spezialeinheiten.

Das benachbarte Saudi-Arabien reagierte auf die Kämpfe im Jemen und verlegte nun Truppen und schweres Gerät in das Grenzgebiet. Nach Erkenntnissen der US-Regierung hat die Armee unter anderem Artilleriegeschütze und Panzer mobilisiert. Ein Regierungsvertreter in Washington nannte den Aufmarsch der saudi-arabischen Armee "bedeutend". Unklar sei derzeit, ob sich das Herrscherhaus in Riad damit vor einem Übergreifen der Gewalt schützen wolle oder eine Intervention im Jemen vorbereite. Die Grenze zwischen beiden Staaten ist etwa 1800 Kilometer lang und an den meisten Punkten nicht markiert.

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Zusammengefasst: Im Jemen rücken die Huthi-Milizen auf Aden im Süden vor. Dort hatte Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi Zuflucht gesucht, nachdem die Kämpfer die Hauptstadt Sanaa eingenommen hatten. Wo sich der Staatschef derzeit aufhält, ist unklar. Die Huthis eroberten auch den Militärstützpunkt Al-Anad, wo noch bis vor wenigen Tagen US-Soldaten stationiert waren. Er liegt 50 Kilometer von Aden entfernt.

heb/mka/AP/dpa/AFP



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Herr Jedermann 25.03.2015
1. Saudi-Arabien
Der arabische Frühling setzt sich weiter fort. Saudi-Arabien, Jordanien, die arabischen Emirate usw. werden wohl ebenfalls in bälde Opfer des Umbruchs im NO werden.
kuac 25.03.2015
2.
Falls dort ein Machtvakuum entstehen sollte, wird der IS dies füllen.
Trondesson 26.03.2015
3.
Zitat von Herr JedermannDer arabische Frühling setzt sich weiter fort. Saudi-Arabien, Jordanien, die arabischen Emirate usw. werden wohl ebenfalls in bälde Opfer des Umbruchs im NO werden.
Nein, so etwas wie der "Arabische Frühling" existiert nur in den Köpfen blauäugiger Westeuropäer, die es nicht besser wissen können. Das Ganze war und ist eine geschickt eingefädelte Destabilisierungskampagne mit dem ultimativen Zweck der Machtübernahme durch radikalislamistische Kräfte, die noch nicht abgeschlossen ist. Und das Beste an der ganzen Sache ist, daß der Westen dazu gebracht wurde, bereitwillig das Helferlein zu spielen. Ein "Umbruch" findet nur insofern statt, daß die alten korrupten Eliten durch neue radikale Eliten ersetzt werden. Das Volk hat seine Schuldigkeit getan und kann jetzt zwar nicht gehen, geht aber wie meist in solchen Fällen leer aus.
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