Kämpfe im Jemen Militärbündnis bombardiert Stellungen der Huthi-Milizen

Das von Saudi-Arabien angeführte Bündnis fliegt weiter Angriffe gegen die Huthi-Rebellen im Jemen. Die USA unterstützen die Offensive - und die US-Army rettet zwei saudi-arabische Kampfpiloten aus dem Golf von Aden.

Flughafen von Aden: Dutzende Diplomaten evakuiert
AFP

Flughafen von Aden: Dutzende Diplomaten evakuiert


Sanaa/Washington/Hamburg - Die Luftangriffe auf Stellungen der schiitischen Huthi-Miliz im Jemen gehen weiter: Kampfjets der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition bombardierten am Freitag Militärstützpunkte der Rebellen rund um die Hauptstadt Sanaa sowie den von den Huthis eroberten Luftwaffenstützpunkt al-Anad nördlich von Aden, wie ein Armeesprecher in Riad mitteilte.

Saudi-Arabien brachte Dutzende Diplomaten aus der südjemenitischen Hafenstadt Aden in Sicherheit. Wie der staatliche saudi-arabische Fernsehsender El-Echbarija am Samstag berichtete, waren darunter Diplomaten aus Saudi-Arabien und anderen Ländern.

Der saudi-arabische Armeesprecher Ahmed Assiri sagte, der jemenitische Luftraum sei mittlerweile "vollständig unter der Kontrolle" der Militärkoalition. Wie Anwohner berichteten, griffen die Kampfflugzeuge unter anderem Raketenabschussrampen am internationalen Flughafen von Sanaa sowie weitere militärische Ziele im Osten, Westen und Süden der Hauptstadt an. Auch der von den Rebellen besetzte Präsidentenpalast wurde erneut bombardiert.

Vorwürfe aus Iran

Im Süden des Landes wurden über Dhaleh, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, Kampfflugzeuge gesichtet. Nach Angaben von Augenzeugen war sowohl in Dhaleh als auch in Sanaa die Flugabwehr der Huthi-Rebellen zu hören.

Ein saudischer Sprecher rief Zivilisten auf, Huthi-Gebiete zu meiden. Den Huthis warf er vor, sich in Wohngebieten zu verschanzen. Viele Menschen flohen in Panik aus Sanaa, wie Augenzeugen berichteten. Seit dem Beginn der Offensive sind in dem Land Dutzende Zivilisten getötet worden. Allein in der Hauptstadt Sanaa seien bis zu 34 Menschen gestorben, teilte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) am Samstag mit. Elf Tote seien bereits identifiziert worden, unter ihnen zwei Frauen und zwei Kinder.

Saudi-Arabien und weitere arabische Staaten hatten in der Nacht zum Donnerstag militärisch in den Konflikt im Jemen eingegriffen. Dort kämpft die schiitische Huthi-Miliz gegen die Führung von Präsident Abd Rabbuh Mansur al-Hadi. Die Militärkoalition unterstützt Hadi, die Huthi-Rebellen werden mutmaßlich von Ex-Präsident Ali Abdullah Salih und von Iran unterstützt.

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Die USA haben sich auf die Seite ihres langjährigen Partners Saudi-Arabien geschlagen: Washington hat der von den Saudis angeführten Militärkoalition logistische und geheimdienstliche Unterstützung zugesagt. Die Bereitstellung von Tankflugzeugen und "Awacs"-Luftaufklärern für die Angriffe gegen Huthi-Rebellen sei "definitiv auf dem Tisch und wird diskutiert", sagte ein Vertreter des Pentagon. Pläne für eine direkte US-Beteiligung an den Luftangriffen im Jemen gebe es aber nicht.

Eine Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats sagte, die USA und die Golfstaaten hätten ein gemeinsames Interesse daran, dass sich die Lage im Jemen stabilisiere. Auch der britische Premierminister David Cameron betonte am Freitag, sein Land stehe im Kampf gegen die schiitischen Rebellen fest an der Seite Riads.

US-Rettungsaktion für Kampfpiloten

Der Konflikt am Golf von Aden droht allerdings die Annäherung an Iran zu durchkreuzen. Das Weiße Haus zeigte sich besorgt über die "iranischen Aktivitäten" im Jemen, die zu der "Destabilisierung" beitrügen. Ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats von US-Präsident Barack Obama verwies dabei auf Berichte über iranische Waffenlieferungen an die schiitischen Huthi-Rebellen. Der iranische Präsident Hassan Rohani hatte das Eingreifen Saudi-Arabiens als "militärische Aggression" verurteilt.

Die Eskalation der Gewalt kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Washington will bis Dienstag eine politische Grundsatzvereinbarung über das iranische Atomprogramm erreichen. Vonseiten der US-Regierung hieß es allerdings, dass die Jemen-Krise "keine Auswirkungen" auf die Atomverhandlungen habe. Die Gespräche im Rahmen der sogenannten 5+1-Gruppe aus den fünf Uno-Vetomächten und Deutschland drehten sich "ausschließlich um die Atomfrage".

Außerdem befürchtet Washington, dass das radikalislamische Terrornetzwerk al-Qaida und die Dschihadistengruppe "Islamischer Staat" (IS) vom Chaos im Jemen profitieren könnten. Al-Qaida auf der arabischen Halbinsel gilt als derzeit gefährlichster Ableger des Terrornetzwerks. Auch der IS versucht, im Jemen Fuß zu fassen.

Am Donnerstag rettete die US-Armee zwei saudi-arabische Kampfpiloten: Die Besatzung eines Hubschraubers spürte die beiden Soldaten im Golf von Aden auf und brachte sie in Sicherheit, hieß es am Freitag aus dem US-Verteidigungsministerium. Demnach hatten sich die Piloten am Donnerstag wegen eines technischen Problems per Schleudersitz aus ihrem F-15-Jet gerettet. Saudi-Arabien habe daraufhin das US-Militär um Hilfe gebeten.

bim/Reuters/AP/dpa/AFP

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