Fotostrecke

Jemen: Der vergessene Krieg

Foto: Wael Qubady/ AP/dpa

Militäroffensive im Jemen Saudi-Arabiens Krieg mit dem Scheckbuch

Seit sieben Monaten führt Saudi-Arabien Krieg im Jemen, seit sieben Monaten verbreitet Riad Erfolgsmeldungen. Doch die Offensive stockt, das Königshaus bezahlt nun arme afrikanische Staaten für ihre Beteiligung an der Operation.

Der Weg in den Krieg sieht aus wie eine Siegesparade. Mit ihren Fingern formen die Soldaten das Victory-Zeichen, sie lächeln. Ihre Fahrzeuge haben sie mit Landesflaggen geschmückt. Doch die Kämpfer haben den Kriegseinsatz erst noch vor sich: Die Truppen gehören zu einem Bataillon der sudanesischen Armee, das in dieser Woche in der jemenitischen Hafenstadt Aden gelandet ist. Insgesamt kämpfen nun rund tausend Soldaten aus dem Sudan im Jemen.

Damit soll eine Armee für Frieden in dem Bürgerkriegsland sorgen, der selbst seit Jahren Kriegsverbrechen vorgeworfen werden. Sudanesische Truppen sind nach Erkenntnissen von Menschenrechtsgruppen für Massaker an Zivilisten in den sudanesischen Provinzen Darfur und Süd-Kordofan verantwortlich, bei denen Tausende Menschen getötet wurden. Der Oberbefehlshaber der Armee, Sudans Diktator Umar al-Baschir, wird wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag per Haftbefehl gesucht.

Die Entsendung sudanesischer Bodentruppen ist nur die jüngste Episode in Jemens Bürgerkrieg, in den sich immer mehr Staaten hineinziehen lassen. In den vergangenen Wochen haben unter anderem Mauretanien und der Senegal Hunderte Soldaten in den Jemen geschickt.

Jeder zweite Jemenit kriegt kein sauberes Trinkwasser

Diese Staaten sind Teil der von Saudi-Arabien geschmiedeten Militärkoalition, die seit März versucht, die Huthi-Milizen gewaltsam von der Macht zu vertreiben und die Regierung von Präsident Abd Rabbuh Mansur Hadi wieder in der Hauptstadt Sanaa zu installieren.

Bei den Kämpfen sind bislang mehr als 5000 Menschen getötet worden, nach Angaben der Vereinten Nationen sind rund die Hälfte davon Zivilisten. Knapp 2,5 Millionen Menschen sind auf der Flucht, das sind rund zehn Prozent der Bevölkerung. Sechs Millionen Jemeniten sind nach Schätzungen des Welternährungsprogramms vom Hungertod bedroht, rund 13 Millionen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Seinen Kriegszielen ist Saudi-Arabiens Bündnis in den vergangenen Monaten kaum näher gekommen. Zwar ist es gelungen, die Huthis und ihre verbündeten Milizen aus der Hafenstadt Aden zu vertreiben, doch noch immer kontrollieren die Rebellen Sanaa und Jemens drittgrößte Stadt Tais. Im Südwesten haben die Aufständischen sogar bereits verlorene Gebiete zurückerobert.

Saudi-Arabiens Herrscherhaus verkauft die Offensive trotzdem als Erfolg. "Die USA und die 28 Nato-Staaten waren elf Jahre in Afghanistan stationiert und haben in dieser Zeit nicht geschafft, was unserer Koalition in sieben Monaten gelungen ist", sagte der Sprecher des Militärbündnisses, Ahmed al-Asiri am Montag. Welche Erfolge er damit meinte, verriet der Brigadegeneral nicht.

Saudi-Arabien verpflichtet Söldner aus Kolumbien

Für Saudi-Arabien und die Golfstaaten ist der Krieg gegen die von Iran unterstützten Huthi-Milizen wichtiger als der Kampf gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) im Irak und in Syrien. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben zuletzt im März einen Luftangriff gegen den IS geflogen, Saudi-Arabien im September. Stattdessen setzen sie ihre Bomber verstärkt gegen die Rebellen im Jemen ein.

Darüber hinaus betreibt Riad Scheckbuchdiplomatie. Denn die Verbündeten lassen sich ihr militärisches Engagement im Jemen vom Königshaus fürstlich bezahlen. Einen Tag nachdem Sudans Diktator Baschir der Entsendung von Soldaten auf die Arabische Halbinsel zugestimmt hatte, gab sein Finanzminister bekannt, dass Saudi-Arabien eine Milliarde US-Dollar an die Zentralbank in Khartum überwiesen habe. Katar wolle die gleiche Summe bereitstellen. Dem von Sanktionen betroffenen Regime im Sudan sind diese Finanzspritzen hochwillkommen.

Der Senegal, das einzige nicht-arabische Mitglied der Anti-Huthi-Koalition, entsandte Truppen in den Jemen, nachdem Saudi-Arabien umfangreiche Investitionen in Entwicklungsprogramme in dem westafrikanischen Staat verkündet hatte.

Darüber hinaus verpflichtete Saudi-Arabien im Oktober 800 kolumbianische Ex-Soldaten für den Einsatz im Jemen. Das berichtete der staatliche Rundfunk in Bogotá. Riad soll jedem Kolumbianer 1000 US-Dollar Sold pro Woche im Krieg versprochen haben.

Je mehr Armeen und Söldner sich in den Bürgerkrieg verstricken, umso unwahrscheinlicher wird ein baldiges Ende des Konflikts.


Zusammengefasst: Die von Saudi-Arabien angeführte Armeeoffensive im Jemen hat Tausende Zivilisten das Leben gekostet, ein militärischer Erfolg gegen die Huthi-Rebellen liegt jedoch in weiter Ferne. König Salman setzt nun auf Unterstützung afrikanischer Staaten, diese lassen sich die Entsendung ihrer Soldaten mit Milliardensummen bezahlen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.