Jemen Präsident Salih offenbar zu Machtwechsel bereit

Seit mehr als 30 Jahren klammert er sich an die Macht - jetzt soll Jemens Präsident Salih offenbar einem Amtsverzicht zugestimmt haben. Berichten zufolge wies er seinen Vize per Dekret an, mit der Opposition darüber zu verhandeln.

Jemens Präsident Salih: Anweisung aus dem Exil
AFP / Yemen TV

Jemens Präsident Salih: Anweisung aus dem Exil


Sanaa - Immer wieder hat der jemenitische Präsident Ali Abdullah Salih auf Zeit gespielt, die Krise in seinem Land ausgesessen - trotz anhaltender Massenproteste. Am Montag soll er nun offenbar den Weg für eine Friedensinitiative freigemacht haben. Der Präsident habe seinen Stellvertreter Abel Rabbo Mansur Hadi autorisiert, eine Einigung mit der parlamentarischen Opposition auszuhandeln und an seiner Stelle zu unterschreiben. Das berichtete die staatliche jemenitische Nachrichtenagentur Saba.

Grundlage der Verhandlungen soll ein Plan des Golfkooperationsrats sein. Er sieht unter anderem die Bildung einer Übergangsregierung, Salihs Rücktritt und vorgezogene Präsidentschaftswahlen vor. Die Opposition erklärte am Montag umgehend, ein Dialog sei erst möglich, wenn die Initiative unterschrieben sei.

Präsident Salih hält sich derzeit in Saudi-Arabien auf, wo er sich von den Folgen eines Attentats im Juni erholt. Der umstrittene Regent hatte in der Vergangenheit mehrfach seine Bereitschaft zur Machtübergabe bekundet, sie aber jeweils in letzter Minute wieder zurückgezogen. Dreimal verweigerte er die Unterschrift unter einen Vorschlag des Golfkooperationsrates für eine geregelte Machtübergabe.

Bei Anschlag schwer verletzt

Seit Februar versucht eine Protestbewegung, den seit 1978 amtierenden Salih aus dem Amt zu drängen. Salih gehört nach dem Sturz des Regimes von Muammar al-Gaddafi in Libyen zu den dienstältesten arabischen Diktatoren. Er war bei einem Anschlag schwer verletzt worden. Mitte August hatte Salih angekündigt, nach seiner medizinischen Behandlung in Saudi-Arabien wieder in sein Heimatland zurückzukehren.

Wie in zahlreichen anderen arabischen Ländern demonstrieren auch im Jemen seit mehreren Monaten Tausende Menschen für mehr Demokratie und Reformen. Sie fordern den Abgang des Herrschers.

heb/Reuters



insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Gandhi, 12.09.2011
1. Wenn ich mich richtig erinnere,
dann war dieser Plan mit einer Frist verbunden, bis zu der der Diktator haette zuruecktreten muessen. Diese hat der Despot verstreichen lassen und weiter das Blut der Jemeniten vergossen. Da gibt es nichts mehr zu verhandeln.
satissa 13.09.2011
2. Er hatte keine andere Wahl
Zitat von sysopSeit*mehr als 30*Jahren klammert er sich an die Macht - jetzt*soll Jemens*Präsident Salih offenbar einem Amtsverzicht zugestimmt haben. Berichten zufolge wies er*seinen Vize*per Dekret an, mit der Opposition*darüber zu verhandeln.* http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,785855,00.html
Da mit Sahlil keine Einigung moeglich ist, lassen ihn die Saudis nicht raus bevor er unterschrieben hat. Deren Intersse an einem stabilen Jemen ist sehr stark, um die Ausbreitung von Al Quaida und anderen Terroristen zu stoppen. Diese Gruppen werden natuerlich alles daran setzen, einen friedlichen und geeinten Jemen zu verhindern, so dass, selbst wenn Sahlil zuruecktritt und es eine Uebergangsregierung mit Neuwahlen gibt, noch viel Blut fliessen wird.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.