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05. April 2015, 08:47 Uhr

Uno-Sicherheitsrat

Russland beantragt Feuerpause im Jemen

Russland mischt sich in den Jemen-Krieg ein: Der Kreml will die saudischen Luftangriffe per Uno-Resolution stoppen.

Russland will die von Saudi-Arabien geführten Luftangriffe im Jemen unterbrechen. Hilfe erhofft sich die Supermacht von den Vereinten Nationen. Die Regierung in Moskau legte am Samstag dem Uno-Sicherheitsrat in New York einen Resolutionsentwurf für eine "humanitäre Feuerpause" vor. Russland hatte in den vergangenen Tagen Probleme, Landsleute aus dem Bürgerkriegsland in Sicherheit zu bringen.

Eine Antwort erhielt Russland vorerst nicht. "Die Ratsmitglieder brauchen noch Zeit, den russischen Vorschlag zu überdenken", sagte Jordaniens Uno-Botschafterin Dina Kawar, die in diesem Monat den Sicherheitsrat führt. Zuvor hatten die 15 Ratsländer zweieinhalb Stunden lang in einer eilig einberufenen Sondersitzung über den Vorstoß beraten. "Wir hoffen, dass wir am Montag etwas vorlegen können."

Großbritanniens stellvertretender Uno-Botschafter, Peter Wilson, sagte, sein Land unterstütze die Luftangriffe auf die Rebellen weiter, trotz der hohen Zahl ziviler Opfer. "Aber es ist auch äußert wichtig festzustellen, wie wir in diese Situation gekommen sind: Weil die Huthis immer und immer wieder Waffenruhen verletzt, militärische Aktionen angezettelt und zur Gewalt gegriffen haben, statt sich an den politischen Gesprächen zu beteiligen."

519 getötete Zivilisten in zwei Wochen

Die Vereinten Nationen haben bereits vor einer drohenden humanitären Katastrophe gewarnt. Allein in den vergangenen zwei Wochen seien bei den Kämpfen im Jemen 519 Zivilisten getötet worden, hieß es bei der Weltorganisation. Hinzu kommen demnach rund 1700 Verletzte. Zehntausende sind Flüchtlinge im eigenen Land.

Das Rote Kreuz hatte am Samstag ebenfalls zu einer 24-stündigen Feuerpause aus humanitären Gründen aufgerufen. Nur so könnten die vielen Verletzten versorgt werden und die Einwohner der umkämpften Gebiete in die Lage versetzt werden, Wasser und Nahrungsmittel zu besorgen, erklärte ein Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK).

Die von Saudi-Arabien geführte Militärallianz reagierte auf diese Forderung zunächst mit einer Absage. Erst einmal müssten die Bedingungen für Hilfslieferungen geschaffen werden, sagte der saudi-arabische Brigadegeneral Ahmed Assiri. "Die humanitäre Operation ist Teil unserer Arbeit und unserer Verantwortung", fügte er hinzu. Hilfsgüter dürften aber nicht in die falschen Hände geraten, etwa in die der Huthi-Rebellen.

Saudi-Arabien hatte die Luftangriffe am 26. März gestartet, weil die Huthi-Rebellen auf die südliche Hafenstadt Aden vorrückten. Präsident Hadi war im Februar dorthin geflohen, nachdem die Rebellen die Hauptstadt Sanaa unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Nach dem Angriff auf Aden floh Hadi weiter nach Saudi-Arabien und bat das Königreich um Hilfe.

Am Samstag bombardierte die Militärallianz mutmaßliche Stellungen der Rebellen um Sanaa und im Norden von Aden sowie den Luftwaffenstützpunkt Al-Anad im südlich gelegenen Lahdsch. Dabei wurden mindestens zehn Menschen getötet. Dutzende weitere erlitten Verletzungen, wie Anwohner am Samstag im Vorort Hadschar Akasch berichteten. Rettungskräfte suchten unter den Trümmern nach Überlebenden.

Der Luftangriff auf den Vorort von Sanaa hatte sich gegen ein nahes Camp der Huthi-Rebellen gerichtet. Eine Luft-Boden-Rakete verfehlte jedoch ihr Ziel und schlug in dem Wohngebiet ein, hieß es. Lokale Milizen, die den geflohenen Präsidenten Abd Rabbuh Mansur al-Hadi unterstützen, schlugen indes die Huthi-Rebellen weitgehend aus Aden zurück, hieß es. Mittlerweile sollen die Huthi-Rebellen den Sitz der Provinzverwaltung jedoch wieder eingenommen haben, berichtet die Nachrichtenagentur AFP.

irb/AFP/dpa

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