Krisen-Staat Jemen Regierungspartei steht vor dem Zerfall

Nach UN-Sanktionen gegen Ex-Präsident Salih verhärten sich im Jemen die Fronten: Nachfolger Hadi verliert den Rückhalt in seiner Partei, auf den Straßen brodelt es.

Proteste im Jemen: Anhänger von Ex-Präsident Salih in Sanaa
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Proteste im Jemen: Anhänger von Ex-Präsident Salih in Sanaa


Hamburg/Sanaa - Im Jemen entwickelt sich ein innerparteilicher Machtkampf. Kontrahenten sind der 2012 abgetretene Langzeitherrscher Ali Abdullah Salih und dessen Nachfolger bei der Volkskongress-Partei Abed Rabbo Mansur Hadi. Am Samstag enthob die jemenitische Partei Präsident Hadi, der im Zuge des Arabischen Frühlings an die Macht gekommen ist, vom Posten des Generalsekretärs.

Am Freitag zuvor war Hadis Gegenspieler Salih von den Vereinten Nationen (UN) mit Sanktionen wegen Einflussnahme auf die Geschicke des Landes belegt worden. Die Partei wirft Hadi vor, die UN-Sanktionen gegen Salih forciert zu haben. Damit ist das Chaos in dem krisengeschüttelten Land perfekt.

Teile des Jemen, darunter die Hauptstadt Sanaa, werden von den schiitischen Huthi-Rebellen kontrolliert, im Süden verüben Anhänger des Terrornetzwerks Al-Qaida Anschläge. Die USA werfen Salih vor, den Konflikt auf Kosten der jemenitischen Bevölkerung anzuheizen.

Am Freitag hatte der UN-Sicherheitsrat in New York daher Visa- und Kontensperrungen gegen Salih sowie zwei Huthi-Anführer verhängt. Salih sorge für eine Gefährdung des Friedens und der Stabilität im Jemen, begründete der Sicherheitsrat die Sanktionen. Salih selbst hatte die Maßnahmen auf der Homepage seiner Partei als "Rückschlag" für den Jemen bezeichnet. Hunderte, zum Teil bewaffnete Anhänger hatten am Freitag in Sanaa für den Ex-Staatschef demonstriert.

Unterdessen hat sich das Terrornetzwerk Al-Qaida zu einem gescheiterten Mordanschlag auf den US-Botschafter im Jemen bekannt. Zwei Bomben, die den Diplomaten hätten töten sollen, seien wenige Minuten vor ihrer planmäßigen Explosion am Donnerstag gefunden worden, teilte der jemenitische Ableger der Extremistengruppe über Twitter mit. Geplant war demnach, die Sprengsätze zu zünden, wenn der US-Botschafter das Haus von Präsident Hadi in der Hauptstadt Sanaa nach einem Gesprächstermin verlässt. Eine offizielle Bestätigung für den vereitelten Anschlag gab es zunächst nicht.

Der Jemen ist für Washington ein Schlüsselpartner im Kampf gegen Al-Qaida und erlaubt der US-Armee schon seit Langem Drohnenangriffe gegen mutmaßliche Extremisten auf seinem Staatsgebiet.

Jemen ist das ärmste Land des Nahen Ostens und steckt seit Jahrzehnten in einer Dauerkrise. Inzwischen bekommt auch die Sezessionsbewegung im Südjemen wieder neuen Zulauf. In den vergangenen Monaten hatten in Aden Zehntausende für die Unabhängigkeit des Südjemen demonstriert. Der Südjemen steht wirtschaftlich besser da als der Norden. Aden war bis zur Wiedervereinigung 1990 Hauptstadt des sozialistisch geprägten Südjemen.

cbu/dpa

insgesamt 4 Beiträge
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free-world 08.11.2014
1.
Noch ein Land mit Sanktionen. Noch ein Krisenherd auf der Welt. Herzlich willkommen
osnase92 09.11.2014
2. @free-world
Der Jemen ist schon seit dem Abtritt von Salih ein Krisenstaat, es ist traurig, dass dieses Land so kaputt geht.
steevieb 09.11.2014
3.
Nicht das Land sondern der ex-präsident wird sanktioniert
erasmus89 09.11.2014
4. Bitte hört auf damit
diese unsägliche und auch selten dämliche Apostrophierung "Arabischer Frühling" zu benutzen. Es framed etwas als Aufbruch, den es nunmal nicht gegeben hat.
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