Militäreinsatz im Jemen Saudi-Arabien schmiedet Allianz gegen Iran

Saudi-Arabien beginnt einen Krieg im Jemen, 150.000 Soldaten stehen bereit. Gemeinsam mit neun sunnitischen Verbündeten will das Königreich die schiitischen Huthi-Rebellen vertreiben - eine Kampfansage an Iran.
Militäreinsatz im Jemen: Saudi-Arabien schmiedet Allianz gegen Iran

Militäreinsatz im Jemen: Saudi-Arabien schmiedet Allianz gegen Iran

Foto: © Fahad Shadeed / Reuters/ REUTERS

Um zehn Minuten nach Mitternacht gab König Salman den Befehl zum Angriff. Kurz darauf stiegen saudi-arabische Kampfjets auf, drangen in den Luftraum des Jemen ein und bombardierten zahlreiche Stellungen der Huthi-Milizen. Damit führt Saudi-Arabien offiziell Krieg in einem anderen Land.

Warum greifen die Saudis im Jemen ein?

Saudi-Arabiens Königshaus betrachtet die Arabische Halbinsel als seinen Herrschaftsbereich. Das Regime in Riad will unter allen Umständen verhindern, dass in einem der Nachbarländer am Golf eine politische Bewegung an die Macht kommt, die diesen Machtanspruch gefährdet.

Die Huthi-Bewegung im Jemen ist eine solche Miliz, die Saudi-Arabien herausfordert. Sie hat den von Riad unterstützten Präsidenten Abd Rabbuh Mansur al-Hadi entmachtet und vertrieben. Inzwischen kontrollieren die Aufständischen die vier größten Städte des Landes - allerdings eroberten Hadis Truppen schon kurz nach den ersten Angriffen des saudischen Militärs den strategisch wichtigen Flughafen in der Hafenstadt Aden zurück.

Die Huthis sind Zaiditen, eine Strömung innerhalb des schiitischen Islams, der etwa ein Drittel der Jemeniten angehören. Für das radikal-sunnitische Königshaus und die wahhabitischen Rechtsgelehrten in Saudi-Arabien sind Schiiten keine wahren Muslime.

Doch wichtiger als religiöse Motive sind politische Gründe für die Intervention. Die Huthis werden von Iran finanziert und ausgerüstet. Nach dem Einmarsch in Sanaa zogen sie mit Porträts des iranischen Revolutionsführers Ajatollah Khomeini durch die Straßen - ein Affront für die Saudis.

Seit der Islamischen Revolution von 1979 ist das schiitische Regime der Erzfeind des saudischen Herrscherhauses. In den vergangenen Jahren haben beide Staaten in mehreren arabischen Ländern über verbündete Milizen und Armeen einen Stellvertreterkrieg geführt - etwa im Libanon, im Irak oder aktuell in Syrien. Im Jemen greift Saudi-Arabien nun erstmals direkt einen Verbündeten Irans an.

Was ist das Ziel der Militäroperation?

"Wir wollen mit allen Mitteln die rechtmäßige Regierung des Jemen schützen und verteidigen", teilte Saudi-Arabiens Führung bei Bekanntgabe der Militärmission mit. Riad will Jemens entmachteten Präsidenten Hadi wieder in Sanaa einsetzen und die Huthis zurückdrängen.

Dafür stehen nach Angaben des Königshauses 150.000 Soldaten und 100 Kampfjets bereit. Die dürfte Riad auch brauchen: Jemen ist etwa anderthalb Mal so groß wie Deutschland. Ein Land mit 3000 Meter hohen Bergen und schier endlosen Wüstenlandschaften. Kurzum: Militärisch sind Rebellengruppen in diesem Terrain kaum zu schlagen.

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Foto: SPIEGEL ONLINE

Doch Saudi-Arabiens Medien sind siegesgewiss: Der von saudischen Prinzen finanzierte Nachrichtensender al-Arabiya liefert immer neue Erfolgsmeldungen aus den ersten Stunden der Militäroperation - nur unterbrochen von patriotischer Musik.

Besonderen Wert legen die Medien darauf, die Entschlossenheit von König Salman und seinem Sohn, Verteidigungsminister Mohammad bin Salman, hervorzuheben. Beide sind erst seit zwei Monaten im Amt. Die Intervention im Jemen wirkt daher auch als Zeichen der Handlungsfähigkeit und als Kampfansage an Kritiker, die dem Herrscherhaus eine zu passive Haltung gegenüber Iran vorgeworfen haben.

Wer beteiligt sich noch an der Mission?

Saudi-Arabien hat eine sunnitische Koalition gegen die Huthi-Rebellen geschmiedet - auch wenn bislang wohl nur die eigene Luftwaffe Angriffe im Jemen geflogen hat. Zehn Staaten sollen sich insgesamt an der Operation beteiligen: Außer Saudi-Arabien sind das die Golfstaaten Bahrain, Katar, Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate sowie Ägypten.

Jordanien, Marokko und Sudan sollen ebenfalls Flugzeuge bereitgestellt haben. Offen ist, ob deren Beteiligung mehr als symbolisch ist. So verfügt etwa die sudanesische Luftwaffe über kaum ein Dutzend einsatzfähiger Fluggeräte. Als einziges nicht-arabisches Land soll sich auch Pakistan bereiterklärt haben, Bodentruppen für eine Invasion bereitzustellen.

Kurz gesagt: Gescheiterte Staaten wie Sudan und Pakistan sollen ein anderes Land, nämlich Jemen, vor dem Scheitern bewahren. Die Erfolgschancen stehen schlecht.

Wird Iran jetzt auch direkt in den Jemen-Krieg eingreifen?

Irans Militär ist derzeit schon in zwei anderen arabischen Staaten aktiv. In Syrien helfen Ausbilder aus Teheran dem Assad-Regime dabei, die Aufständischen zu bekämpfen. Im Irak leiten iranische Generäle den Kampf der irakischen Regierungstruppen und Milizen gegen den "Islamischen Staat" (IS). Beide Staaten sind für Iran strategisch weitaus wichtiger als der Jemen. Syrien ist seit Jahrzehnten der wichtigste Verbündete in der arabischen Welt, Irak ein direkter Nachbar. Das Außenministerium in Teheran hat den Militäreinsatz Saudi-Arabiens angeblich scharf kritisiert, berichteten staatliche Medien am Donnerstag. Weitere Details wurden nicht genannt. Zuvor hieß es im iranischen Fernsehen, der Militäreinsatz Saudi-Arabiens und seiner Verbündeten im Golf sei eine "von den USA unterstützte Aggression".

Iran wird deshalb kaum mit eigenen Truppen im Jemen eingreifen. Aber Teheran dürfte die Huthi-Rebellen weiter finanzieren und aufrüsten. Das reicht, um Saudi-Arabien in einen langwierigen Bürgerkrieg vor der eigenen Haustür zu verstricken.


Zusammengefasst: Saudi-Arabien will Jemens geflohenen Präsidenten Hadi zurück an die Macht bringen und ein proiranisches Regime vor der eigenen Haustür verhindern. Deshalb hat das Königreich mit neun Verbündeten eine Militäroperation im Jemen gestartet. Riad bereitet eine Invasion des Nachbarlandes vor - mit ungewissem Ausgang.