Krieg im Jemen Saudi-Arabien bombardiert Militärakademie in Sanaa

Im Jemen weitet sich die Krise weiter aus: Saudische Kampfflugzeuge haben eine Militärakademie angegriffen, die unter Kontrolle der Huthi-Rebellen stehen soll. Die Miliz meldete die Gefangennahme iranischer Offiziere.

Rauch über Sanaa: Angriffe auf Militärakademie in Jemens Hauptstadt
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Rauch über Sanaa: Angriffe auf Militärakademie in Jemens Hauptstadt


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Saudi-Arabien setzt im Jemen die Offensive gegen die schiitische Huthi-Miliz fort: Kampfflugzeuge des Wüstenstaates haben die Militärakademie in Sanaa bombardiert. In der jemenitischen Hauptstadt seien auch auf ein Wohngebiet und einen Kinderspielplatz Bomben niedergegangen, hieß es aus dem Politbüro der Huthi-Bewegung - dabei seien auch Zivilisten ums Leben gekommen. Saudi-Arabien beschuldigt die Miliz, Stellungen absichtlich in Wohngebiete zu legen.

Im Jemen kämpfen die von Iran unterstützten Huthi-Rebellen gegen Anhänger des aus dem Land geflohenen Präsidenten Rabbuh Mansur al-Hadi. Ein von Saudi-Arabien geführtes arabisches Militärbündnis fliegt seit mehr als zwei Wochen Luftangriffe gegen die Huthis und ihre Verbündeten. Zu diesen gehört Hadis Vorgänger, der 2012 zurückgetretene Ex-Präsident Ali Abdullah Salih, dem weite Teile der Armee treu geblieben sind.

In der umkämpften Hafenmetropole Aden leisten Gegner Salihs und Anhänger der Autonomie-Bewegung Widerstand gegen vorrückende Huthis und Salih-treue Armeeverbände. Ein Sprecher der sogenannten Südlichen Widerstandsmiliz forderte nun die Stämme im gesamten Südjemen auf, Kämpfer und Waffen zur Verteidigung Adens zu schicken.

Der Konflikt belastet das ohnehin schwierige Verhältnis zwischen Iran und Saudi-Arabien, das den geflohenen Hadi unterstützt. Am Samstag demonstrierten Studenten vor der saudischen Botschaft in Teheran, wobei es zu Zusammenstößen mit Sicherheitskräften kam.

Rotkreuz-Hilfslieferung erreicht Sanaa

Zudem behaupteten Milizionäre am Samstag, in Aden zwei iranische Offiziere gefangengenommen zu haben, die die Huthi-Rebellen beraten haben sollen. Der Oberst und ein Hauptmann gehören demnach einer Eliteeinheit der iranischen Revolutionsgarden an, meldet die Agentur AFP unter Berufung auf einen Sprecher der Milizen. Iran bestreitet eine militärische Unterstützung der Rebellen.

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind bei den Kämpfen im Jemen bislang mindestens 549 Menschen getötet worden, darunter 74 Kinder. Das Rote Kreuz, das zuletzt kaum Hilfe in das Land bringen konnte, hat nun die zweite Lieferung von Gütern in die Krisenregion bestätigt. Eine Maschine habe 32 Tonnen medizinische Hilfsgüter sowie Stromgeneratoren, Zelte und Ausrüstung zur Wasseraufbereitung nach Sanaa gebracht, sagte eine Rotkreuz-Sprecherin. Sollte der Krieg wie bisher weitergehen, würden bald weitere Lieferungen benötigt.

Während die internationale Militärkoalition unter Führung Saudi-Arabiens weitere Luftangriffe auf die Huthi-Rebellen flog, starben bei Kämpfen in Aden und bei einem Hinterhalt im Süden des Landes mindestens 25 Menschen.

Zuletzt hatten sowohl die Uno als auch Iran ein Ende der Luftangriffe und einen Waffenstillstand gefordert. Zuvor hatte US-Außenminister John Kerry Iran vor einer weiteren Einmischung in die Jemen-Krise gewarnt, nachdem Teheran einen Marineverband zum Golf von Aden geschickt hatte - und damit auch in die Nähe der umkämpften jemenitischen Hafenstadt Aden.


Zusammengefasst: Die saudische Luftwaffe hat in Jemens Hauptstadt Sanaa eine Militärakademie angegriffen, die von Huthi-Rebellen kontrolliert werden soll. Die Miliz meldete die Gefangennahme zweier Offiziere aus Iran. Das Rote Kreuz hat eine zweite Lieferung mit Hilfsgütern per Flugzeug in den Jemen gebracht.

mxw/dpa/AFP/Reuters

insgesamt 64 Beiträge
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neuerwesten 11.04.2015
1.
Ich habe nur den Prätext gelesen, dennoch halte ich meine Frage für berechtigt: warum haben die Huthis Iraner gefangen genommen?
bernd.stromberg 11.04.2015
2. Naher Osten brennt
Der nahe Osten brennt, und das ist mitnichten nur die Schuld des Westens. Egal ob viele lokale Stämme, einzelne Despoten oder sonstiges die Länder beherrschen, Gewaltbereitschaft ist vorhanden. Und ja inzwischen muss ich es auch einsehen: der Islam als Religion hat einen zentralen Einfluss und ist sicherlich ein Teil der Ursache. Fakt ist doch dass in den vielen vielen Konfliktherden im Nahen Osten sich seit je her islamische Strömungen bekämpfen.
sprechweise 11.04.2015
3. Welche Miliz
Da kämpfen verschiedene Milizen. Ich glaube kaum, dass die schiitische Miliz Iraner gefangen nimmt.
freddygrant 11.04.2015
4. So langsam ...
... wird es aber gefährlich was die Saudis hier im Jemen mit ihren Bomben verunstalten. Sie haben keinerlei völkerrechtlichen Anspruch aus geopolitischen Interessen ihr Nachbarland Jemen zu bombardieren. Was sagen die UNO und die westlichen "Demokratie"- und Völkerrechtsexperten in den USA und Europa dazu? Der Iran u.a. wird sich das nicht mehr lange anschauen und den feigen Saudi-Bomben bald die "Rote Karte" zeigen, wenn diese Einmischung von Außen im Jemen nicht bald endet!
alias1942 11.04.2015
5. schon sehr bezeichnend
wie Krieg und kriegerisches Handeln dank des amerikanischen Vorbilds zur Normalität geworden ist. Nicht die Verhinderung von kriegerischen Auseinandersetzungen, sondern das Initiieren uns Eskalieren sind zur Tagespolitik des Westens geworden. Aber wer den Wind sät wird den Sturm ernten. Zu unser aller Schaden. Wann endlich werden die Völker wach?
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