Saudi-Arabiens Militäroffensive im Jemen Gebombt und nichts gewonnen

Saudi-Arabien beendet seine Luftangriffe im Jemen, wohl auch auf Druck der USA. Wegen einer konfusen Strategie hat die Militäroperation ihre Ziele verfehlt. Riad muss nun eine politische Lösung finden - und auf Erzfeind Iran zugehen.
Saudi-Arabiens Militäroffensive im Jemen: Gebombt und nichts gewonnen

Saudi-Arabiens Militäroffensive im Jemen: Gebombt und nichts gewonnen

Foto: SALAH MOHAMMED/ AFP

Der Mann, der das Bürgerkriegsland Jemen regieren soll, hat nicht einmal seine eigene Brille im Griff. Das Gestell saß schief auf der Nase, als sich Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi in der Nacht zum Mittwoch an sein Volk wandte. In seiner Rede dankte Hadi seinen "arabischen und muslimischen Brüdern" für ihre Militäroperation gegen die Huthi-Rebellen im Jemen.

Wenige Stunden zuvor hatte Saudi-Arabien überraschend das Ende seiner Militäroperation "Sturm der Entschlossenheit" verkündet - angeblich auf Bitten Hadis. Die Luftangriffe auf Ziele im Jemen würden eingestellt, gleichwohl behalte sich die Armee weitere "Anti-Terror-Operationen" gegen die Huthi-Milizen vor, sagte Ahmed Asiri, Sprecher der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition.

Das Herrscherhaus in Riad behauptet, die Offensive gegen die Huthis habe ihre Ziele erreicht. Die Realität sieht anders aus: Trotz vierwöchiger Luftangriffe haben die Aufständischen kaum Territorium verloren. Sie kontrollieren noch immer die Hauptstadt Sanaa und große Teile des Landes. Der de facto entmachtete Präsident Hadi sitzt noch immer im Exil in Saudi-Arabien, von dort aus hielt er in der Nacht auch seine Rede.

Es ist der saudi-arabischen Armee bislang lediglich gelungen, Waffenarsenale zu zerstören, die zuvor von den Huthis erobert worden waren - unter anderem ein Raketenlager in Sanaa. Dies versucht Riad nun als Erfolg zu verkaufen. "Diese Ziele wurden erreicht durch sehr gute Planung, sehr präzise Ausführung und den Mut unserer Piloten, Seeleute und Soldaten", sagte Armeesprecher Asiri.

Saudi-arabische Artillerie an der Grenze zum Jemen: "Sehr gute Planung, sehr präzise Ausführung"

Saudi-arabische Artillerie an der Grenze zum Jemen: "Sehr gute Planung, sehr präzise Ausführung"

Foto: AP/dpa

Auch diese Behauptung deckt sich nicht mit der Wirklichkeit. Das Vorgehen der Saudi-Araber wirkte in den vergangenen Wochen reichlich chaotisch.

  • Da wurde zuerst eine Koalition aus zehn Staaten ausgerufen, die sich an dem Krieg gegen die Huthis beteiligten. Doch dann schieden Regierungen aus oder beteiligten sich nur symbolisch wie Pakistan, der Sudan und Marokko.
  • Da kündigten Saudi-Arabien und Ägypten eine bevorstehende Bodeninvasion an, die dann doch ausblieb.
  • Und erst wenige Stunden vor Verkündung des Endes der Operation hatte König Salman noch die Nationalgarde mobilisiert.

Von Präzision bei den Angriffen kann ebenfalls keine Rede sein: Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sind seit Beginn der Luftschläge mehr als 900 Zivilisten getötet und 3500 verletzt worden. Saudi-Arabiens Luftwaffe bombardierte Flüchtlingscamps, ein Lebensmittellager der Hilfsorganisation Oxfam und tötete allein am Montag beim Angriff auf Sanaa 25 Zivilisten. Deshalb sollen die USA in den vergangenen Tagen darauf gedrängt haben, dass Riad die Luftangriffe beendet. "Die Kollateralschäden sind einfach zu groß", sagte ein Regierungsbeamter der "New York Times" .

In seltener Eintracht begrüßten sowohl die USA als auch Iran das Ende der Bombardements. "Wir haben immer betont, dass es keine militärische Lösung für die Krise im Jemen gibt", sagte Marzieh Afkham, Sprecherin des Außenministeriums in Teheran. Die Erklärung aus Saudi-Arabien sei daher ein Schritt in die richtige Richtung.

Vize-Präsident Khaled Bahah könnte übernehmen

Wenige Stunden zuvor hatte bereits Irans stellvertretender Außenminister Hossein Amir Abdollahian eine Waffenruhe im Jemen angekündigt. Dies nährt Spekulationen, dass Saudi-Arabien mit Iran, das die Huthi-Milizen unterstützt, über einen Kompromiss für den Machtkampf im Jemen verhandelt.

Ein möglicher Kompromiss könnte so aussehen, dass Präsident Hadi endgültig sein Amt aufgibt und seinem Vize Khaled Bahah den Posten übergibt. Der 50-Jährige gilt als Politiker, den auch die Huthis an der Spitze des Staates akzeptieren könnten. Erst in der vergangenen Woche wurde er von Hadi zum Stellvertreter ernannt, dies deutet daraufhin, dass Saudi-Arabien eine Amtsübergabe an Bahah vorbereitet.

Doch auch damit wäre die Dauerkrise im Jemen längst nicht beendet: Seitdem die Huthi-Rebellen im September 2014 in Sanaa einmarschierten, haben die Vereinten Nationen mehrfach versucht, eine Machtteilung zu vermitteln - vergeblich. Saudi-Arabien betrachtet die Aufständischen, die etwa ein Drittel der Bevölkerung vertreten, unverändert als Terroristen, die vom Erzfeind Iran kontrolliert werden. Unwahrscheinlich, dass Riad nach vier Wochen Krieg eine Regierung in Sanaa akzeptiert, in der die Huthis eine maßgebliche Rolle spielen.

Und die Huthi-Rebellen sind nur eine von mehreren Fraktionen im jemenitischen Bürgerkrieg. Der Hadramaut, die größte Provinz des Landes, befindet sich fast vollständig in der Hand der Terrorgruppe "al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel" (AQAP) und verbündeter Stammeskämpfer. Sie haben von Saudi-Arabiens Luftangriffen profitiert und kontrollieren inzwischen einen mehrere hundert Kilometer langen Küstenstreifen am Golf von Aden. Die Dschihadisten werden ihren Kampf für ein islamistisches Regime fortsetzen, ganz gleich wer künftig in Sanaa regiert.


Zusammengefasst: Die Militäroperation "Sturm der Entschlossenheit" hat ihre Ziele verfehlt. Nach vier Wochen Krieg und Hunderten Toten will Saudi-Arabien nun eine politische Lösung für den Machtkampf im Jemen suchen. Das wird aus mehreren Gründen schwierig: Dafür müsste Riad auf den Erzfeind Iran zugehen. Außerdem hat ausgerechnet al-Qaida von den Luftangriffen profitiert.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.