Bürgerkrieg im Jemen Saudi-Arabien und Iran nehmen ein Volk in Geiselhaft

Der Jemen ist von der Außenwelt abgeschnitten - Saudi-Arabien hat die Grenzen geschlossen. Hintergrund ist der Machtkampf mit Iran. Der Zivilbevölkerung steht ein brutaler Winter bevor.
Huthi-Rebelle in Sanaa (Jemen)

Huthi-Rebelle in Sanaa (Jemen)

Foto: Hani Al-Ansi/ dpa

Nachdem Saudi-Arabien im Sommer das Emirat Katar fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten hat, ist nun der Jemen an der Reihe. Häfen und Airports sind geschlossen, die Zufahrtswege abgeriegelt.

So sieht Riads Reaktion auf den jüngsten Raketenbeschuss aus dem Nachbarland aus. Saudi-Arabien bezichtigt Iran dahinterzustecken - die beiden Erzfeinde führen im Jemen einen brutalen Stellvertreterkrieg. Teheran weist die Vorwürfe zurück. Die Zivilbevölkerung in dem allein von Saudi-Arabien, dem Sultanat Oman und Wasser umgebenen Land zahlt für die Auseinandersetzung einen hohen Preis.

Selbst Hilfsorganisationen sind von der jüngsten saudischen Strafaktion betroffen: Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) konnte nach eigenen Angaben am Mittwoch eine Ladung Chlortabletten nicht einführen. Diese werden zur Trinkwasseraufbereitung genutzt und im Kampf gegen Cholera gebraucht.

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In dem bitterarmen Bürgerkriegsland, in dem nur noch 45 Prozent der Krankenhäuser funktionieren, sind bislang bereits 900.000 Menschen an Cholera erkrankt. Das IKRK rechnet nun damit, dass es bis Jahresende eine Million sein werden.

Hinzu kommen nach Angaben der Vereinten Nationen sieben Millionen Menschen, die von Hunger bedroht sind. Der Uno-Nothilfekoordinator Marc Lowcok warnt vor der "größten Hungersnot, die die Welt seit Jahrzehnten erlebt hat". Die Lage sei nicht einmal mit dem Südsudan oder Somalia vergleichbar.

Videoanalyse: "Es geht in Saudi-Arabien um Machterhalt"

SPIEGEL ONLINE

Und auch viele, die bislang von dem Krieg im Jemen verschont wurden, leiden infolge der saudischen Machtdemonstration. Die Preise für Benzin sind laut der Uno seit Verhängung der Blockade über Nacht um mehr als 60 Prozent gestiegen, für Kochgas um mehr als hundert Prozent.

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Cholera-Epidemie im Jemen: Krieg und Krankheit

Foto: Hani Al-Ansi/ dpa

Mit anderen Worten: Die Zivilbevölkerung im Jemen zahlt den Preis dafür, in einem Land zu leben, in dem sich Saudi-Arabien und Iran seit der Eskalation des Bürgerkrieges 2014 erbittert indirekt bekriegen:

  • Riad führt eine multinationale Allianz gegen die Huthi-Rebellen an. Diese hatten vor drei Jahren die Hauptstadt Sanaa erobert und den sunnitischen Präsidenten Abd Rabbuh Mansur Hadi vertrieben.
  • Die schiitischen Huthi-Rebellen werden zum einen von Iran unterstützt, zum anderen sind sie ein fragiles Zweckbündnis mit dem einstigen Langzeitpräsidenten Ali Abdullah Saleh eingegangen, der wieder zurück an die Macht will.
  • Außerdem kontrolliert ein lokaler Qaida-Ableger einige Gebiete, und es gibt Terroristen, die dem "Islamischen Staat" die Treue geschworen und Anschläge verübt haben.
Foto: SPIEGEL ONLINE

Ein Sieg ist für keine der Konfliktparteien in Sicht, zumal es in beiden Allianzen Differenzen gibt. Die Kämpfe gehen dennoch weiter und drohen nun zu eskalieren.

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Krieg im Jemen: "Das saudi-arabische Vietnam"

Foto: KHALED ABDULLAH/ REUTERS

Denn die Regierung in Riad um Kronprinz Mohammed bin Salman attackierte in der Folge des Raketenangriffs nicht nur Iran, sondern auch die jemenitische Huthi-Miliz selbst. Am Wochenende veröffentlichte die staatliche saudische Presseagentur die Nachricht, dass Kopfgelder von bis zu 30 Millionen Dollar auf führende Milizionäre ausgesetzt worden seien.

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Die Reaktion aus Iran ließ nicht lange auf sich warten. Die den Hardlinern in Teheran nahestehende Tageszeitung "Kayhan" lobte auf ihrer Titelseite den Raketenangriff auf Riad nicht nur, sondern forderte, dass als nächstes Dubai angegriffen werden solle. Dubai ist die größte Stadt in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), die sich auch am Kampf gegen die Huthi beteiligen.

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Zwar verurteilte ein Sprecher der iranischen Regierung die Zeitung in der Zwischenzeit öffentlich. Die Unterstützung des unterdrückten jemenitischen Volkes sei im nationalen Interesse, nicht die Hochhäuser in Dubai, sagte er nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa. Doch der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und Iran und ihrer Stellvertreter im Jemen ist damit noch lange nicht beigelegt.

Am Mittwoch schickte Irans Präsident Hassan Ruhani eine deutliche Warnung. "Ihr kennt die Macht und die Stellung der Islamischen Republik. Mächtigere Leute als ihr haben nichts gegen das iranische Volk ausrichten können", sagte er. Die USA und ihre Verbündeten hätten "alle ihre Kräfte mobilisiert" und doch nichts erreichen können. Für die Menschen im Jemen sind Botschaften wie diese unheilvoll. Es droht ein weiterer, brutaler Winter.

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