Jemen Sicherheitskräfte schießen auf Protestierende - Hunderte Verletzte

Das Wochenende der Massenproteste endete gewaltsam: Jemenitische Sicherheitskräfte sind hart gegen hunderttausende Anti-Regierungs-Demonstranten vorgegangen, auch scharfe Munition wurde abgefeuert. Es gibt viele Verletzte.

Anti-Regierungs-Proteste in Sanaa: Wut gegen Staatschef Salih
REUTERS

Anti-Regierungs-Proteste in Sanaa: Wut gegen Staatschef Salih


Sanaa - Im Jemen zog das Volk auf die Straße - das Regime von Präsident Ali Abdullah Salih beantwortete die Massendemonstrationen mit Gewalt. Ärzteangaben zufolge mussten am Sonntag rund 1000 Menschen in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa nach dem Einsatz von Tränengas wegen Atemproblemen behandelt werden, 30 Menschen erlitten demnach Schussverletzungen.

Nach Angaben eines AFP-Reporters hatten sich allein in Sanaa mehrere hunderttausend Menschen versammelt. Die Menschen riefen Slogans gegen den Staatschef. Sicherheitskräfte versuchten, die Menge auseinanderzutreiben und setzten dabei scharfe Munition, Tränengas und Wasserwerfer ein. Verletzte seien in Polizeifahrzeugen weggefahren worden, sagten Augenzeugen. Demonstrationen gab es auch in Taes, der südjemenitischen Stadt Ibb und in Hodeida am Roten Meer, wie Anwohner sagten.

Die Proteste gegen Salih halten seit Ende Januar an. Die Demonstranten fordern den Rücktritt des seit 32 Jahren regierenden Präsidenten. Bei Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften wurden Schätzungen zufolge seit Beginn der Proteste mehr als 120 Menschen getötet.

Politisch wird weiter um einen Umgang mit dem Aufstand gerungen: In der saudi-arabischen Hauptstadt Riad kamen die Außenminister der Staaten des Golfkooperationsrats zusammen, um über den Verlauf ihrer Vermittlungsbemühungen bei der Krise im Jemen zu beraten. In einer Erklärung hieß es, die Vermittlungen sollten fortgesetzt werden. Es werde bald weitere Verhandlungen zwischen dem Golfkooperationsrat und der jemenitischen Regierung geben.

Vor einer Woche hatte der Golfkooperationsrat einen Vorschlag unterbreitet, wonach Jemens Staatschef Salih seine Befugnisse an seinen Vize Abdrabuh Mansur Hadi überträgt. Der Plan sieht außerdem die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit unter Führung der Opposition vor, die eine Verfassung erarbeiten und Wahlen organisieren soll. Vertreter der parlamentarischen Opposition im Jemen, die an der Sitzung in Riad teilnahmen, forderten im Anschluss an das Treffen aber erneut einen Rücktritt Salihs.

anr/AFP/dapd



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