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02. Juni 2011, 12:37 Uhr

Jemen

Tausende Stammeskämpfer ziehen nach Sanaa

Im Jemen drohen die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Stammesmilizen weiter zu eskalieren: Tausende Stammeskämpfer sollen auf dem Weg in die Hauptstadt Sanaa sein. Außenminister Westerwelle warnt vor einem Bürgerkrieg.  

Sanaa - Die jemenitische Hauptstadt Sanaa wird immer mehr zum Schauplatz extrem gewaltsamer Auseinandersetzungen - die Lage dort spitzt sich zu: Tausende Stammeskämpfer sind Berichten zufolge am Donnerstag in Richtung Sanaa gezogen, um ihren Anführer Scheich Sadik al-Ahmar bei seinem Kampf gegen die Regierungstruppen zu unterstützen. Mitglieder des oppositionellen Haschid-Stamms sagten der Nachrichtenagentur AFP, an einer Absperrung der Armee 15 Kilometer nördlich von Sanaa sei es zu Kämpfen gekommen. Ob dabei Menschen getötet oder verletzt wurden, konnten die Stammesmitglieder zunächst nicht sagen. Nach einem Statement des jemenitischen Verteidigungsministerium ist es den Regierungstruppen gelungen, die Stammesvertreter am Eindringen in die Hauptstadt zu hindern. Die Kämpfe sollen aber andauern.

In der Nacht zum Donnerstag war es in Sanaa erneut zu schweren Auseinandersetzungen zwischen den Stammesmilizen von Scheich al-Ahmar und Regierungstruppen gekommen. Ärzte berichten von mindestens 15 Toten. Es seien die bislang schwersten nächtlichen Kämpfe gewesen, berichteten Anwohner.

Am Mittwoch waren bei Kämpfen im Stadtteil Hassaba mindestens 41 Menschen getötet worden. In dem Stadtteil hat al-Ahmar seine Residenz. Die Regierung von Präsident Ali Abdullah Salih und die regierungsfeindlichen Stammesvertreter hatten am 27. Mai einen Waffenstillstand vereinbart, nachdem es eine Woche lang heftige Kämpfe gegeben hatte. Die Behörden werfen al-Ahmar vor, die Waffenruhe gebrochen zu haben.

Die Stammeskämpfer hatten ihren bewaffneten Kampf gegen Salih begonnen, nachdem dieser sich geweigert hatte, ein von den Golfstaaten vorgeschlagenes Abkommen mit der Opposition zu unterzeichnen. Mit dem Abkommen sollte er seinen Machtverzicht besiegeln. Im Jemen fordert eine Protestbewegung seit Januar den Rücktritt Salihs, der das arabische Land seit 33 Jahren regiert.

Außenminister Guido Westerwelle äußerte sich sehr besorgt über die Lage in dem Land. "Die Gefahr eines Bürgerkriegs ist real", sagte Westerwelle am Donnerstag nach einem Treffen mit seinem neuseeländischen Kollegen Murray McCully in Auckland. Dies müsse verhindert werden.

Westerwelle forderte Salih erneut auf, das Abkommen der Golfstaaten zu unterschreiben. "Das ist ein Dienst, den er seinem Land tun muss", sagte der FDP-Politiker. Ein Bürgerkrieg im Jemen sei nicht nur eine Gefahr für das Land selbst, sondern auch für die gesamte Region. Der Jemen dürfe "nicht das neue Rückzugsgebiet für Terroristen werden", mahnte Westerwelle.

Angesichts der andauernden Schüsse und Explosionen war am Mittwoch die kuwaitische Botschaft in Sanaa geschlossen worden. Auch die italienischen Diplomaten haben die jemenitische Hauptstadt verlassen. Die deutsche Botschaft in Sanaa ist derzeit noch mit einer Kernmannschaft besetzt. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte: "Es gibt derzeit keine konkreten Pläne, die Botschaft zu schließen, aber wir beobachten die Lage sehr aufmerksam." Das Auswärtige Amt hatte am 28. Februar eine Reisewarnung für den Jemen ausgesprochen. Derzeit halten sich noch rund 30 Deutsche im Land auf.

anr/AFP/dapd/AP

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