Jemen Truppen umzingeln Geiselnehmer von Deutschen

Dramatische Entwicklung nach der Entführung dreier Deutscher im Jemen: Regierungstruppen haben den mutmaßlichen Rückzugsort der Geiselnehmer umzingelt. Die Kidnapper fordern die Freilassung zweier Stammesmitglieder.


Sanaa/Berlin - Nach Angaben jemenitischer Behörden haben sich Soldaten einem Berggebiet 60 Kilometer östlich der Hauptstadt Sanaa von vier Seiten genähert. So zitierte die Internetseite der Regierungspartei den Vize-Gouverneur der Provinz Sanaa, Abdulmalek al-Gharbi.

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Ein Vertreter der jemenitischen Sicherheitsbehörden hatte zuvor erklärt, dass Stammesangehörige eine Uno-Mitarbeiterin und deren Eltern, die gerade auf Besuch sind, bei einem Ausflug in der Provinz Dhamar verschleppt hätten. Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte, das Krisenreaktionszentrum des Ministeriums und die zuständigen Stellen der Bundesregierung stünden in Kontakt mit dem Jemen und seien um schnelle Aufklärung bemüht.

Hintergrund der Tat ist nach jemenitischen Angaben ein Streit zweier Stämme um Grund und Boden. Zudem verlangen die Geiselnehmer vom Stamm der Bani-Thabjan die Freilassung zweier Stammesmitglieder, die wegen einer früheren Entführung in Haft sitzen.

Ausländer sind im Jemen wiederholt Opfer von Entführungen geworden, womit Stammesangehörige ihre Forderungen durchzusetzen versuchen. In den meisten Fällen kamen die Geiseln unverletzt frei.

Das Auswärtige Amt rät bei Reisen in den Jemen wegen bestehender Terrorgefahr und Risiko von Entführungen zu besonderer Vorsicht. Von Reisen in die Regionen Marib und Saada wird ebenso abgeraten wie von Einzelreisen durch das Land.

Auch Deutsche wurden bereits im Jemen entführt. Im Juli 2001 nahmen bewaffnete Stammesangehörige in Sanaa einen deutschen Diplomaten als Geisel. Erst Ende September ließen ihn seine Entführer frei. Ende Dezember 2005 wurden im Ostjemen der frühere Staatssekretär Jürgen Chrobog, seine Frau und seine drei Söhne verschleppt. Nach drei Tagen wurde die Familie unversehrt freigelassen.

Ende der 90er Jahre wurden Touristen mehrfach Opfer von Entführungen. Im März 1997 wurden vier Touristen - zwei Männer und zwei Frauen aus Nordrhein-Westfalen und Brandenburg - in der Wüste von Marib östlich der Hauptstadt Sanaa verschleppt. Sie kamen nach zehntägiger Gefangenschaft wieder frei. Im Dezember 1998 wurden drei Frauen und ein Mann von Mitgliedern der Volksgruppe der Bani-Thabjan entführt und bis Ende des Monats festgehalten. Im Januar 1999 wurde eine 30-jährige Hebamme aus Deutschland zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder von Angehörigen eines Stammes im Norden des Landes verschleppt. Nach vier Tagen wurde die Entwicklungshelferin freigelassen.

Auch in anderen Ländern sind immer wieder Entführungen von Deutschen gemeldet worden. Erst im September waren Touristen in Ägypten betroffen, darunter fünf Deutsche. Im Juli wurden drei deutsche Bergsteiger im Osten der Türkei von Rebellen der Kurdischen Arbeiterpartei PKK entführt.

asc/AFP/Reuters



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