Jemen Über 40 Menschen sterben bei Straßenkämpfen in Sanaa

Im Jemen breiten sich Gewalt und Chaos immer weiter aus: Bei heftigen Gefechten zwischen Streitkräften der Regierung und Oppositionellen wurden in der Hauptstadt über 40 Menschen getötet. Immer mehr Diplomaten verlassen das Land.

Rauchschwaden über Sanaa (Archivbild): Über 40 Tote bei heftigen Kämpfen
REUTERS

Rauchschwaden über Sanaa (Archivbild): Über 40 Tote bei heftigen Kämpfen


Sanaa/Istanbul - Die jemenitische Hauptstadt Sanaa droht im Chaos zu versinken. Bis zum frühen Morgen kam es vor allem im Stadtteil Hassaba zu heftigen Kämpfen zwischen Regierungsstreitkräften und Stammesmilizen. Dabei starben nach Angaben eines Arztes mindestens 41 Menschen. Auf beiden Seiten habe es Opfer gegeben, hieß es.

Soldaten der Präsidentengarde versuchten vergeblich, den umkämpften Stadtteil unter ihre Kontrolle zu bringen. Bereits am Dienstag wurde dort die Strom- und Wasserversorgung gekappt. In dem Teil der Stadt steht der Familiensitz des oppositionellen Stammesführers Scheich Sadik al-Ahmar.

Augenzeugen berichteten zudem, Einheiten der Präsidentengarde hätten das Hauptquartier einer Brigade mit Artillerie beschossen, die für den Schutz von Regierungsgebäuden zuständig sei. Offenbar verdächtigte die Regierung den Brigadekommandeur zu den Rebellen überlaufen zu wollen, die Präsident Ali Abdullah Salih stürzen wollen. Das berichteten Offiziere, die sich bereits der Opposition angeschlossen haben.

Auch in der Stadt Tais waren bei Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und Anti-Salih-Demonstranten in den vergangenen Tagen Dutzende von Zivilisten getötet worden. Die Opposition behauptet außerdem, Salih habe die Provinzhauptstadt Sindschibar den Terroristen überlassen. Sein Ziel sei es, überall im Land Chaos zu stiften. Das Oppositionsbündnis JMP zog unterdessen seine Zustimmung zu einem von den arabischen Golfstaaten vorgeschlagenen Plan zurück, der einen Rücktritt Salihs vorsieht, ihm gleichzeitig aber Straffreiheit garantiert. Salih hatte die Vereinbarung nicht unterzeichnet.

Italienische Diplomaten verlassen den Jemen

Angesichts der andauernden Schüsse und Explosionen wurde am Mittwoch die kuwaitische Botschaft in Sanaa geschlossen. Auch die italienischen Diplomaten haben die jemenitische Hauptstadt verlassen. Die deutsche Botschaft in Sanaa ist derzeit noch mit einer Kernmannschaft besetzt. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte: "Es gibt derzeit keine konkreten Pläne, die Botschaft zu schließen, aber wir beobachten die Lage sehr aufmerksam." Das Auswärtige Amt hatte am 28. Februar eine Reisewarnung für den Jemen ausgesprochen. Derzeit halten sich noch rund 30 Deutsche im Land auf.

Im arabischen Königreich Bahrain ist unterdessen der vor zweieinhalb Monaten verhängte Ausnahmezustand aufgehoben worden. Einwohner der Hauptstadt berichteten, die zuvor auf Straßen und Plätzen stationierten Panzer und Soldaten seien abgezogen worden. Einige Straßensperren der Polizei und der Nationalgarde seien jedoch geblieben.

Eine gewisse Nervosität war nach Angaben von Augenzeugen jedoch immer noch spürbar. Einige Aktivisten hatten für diesen Mittwoch zu Protestdemonstrationen aufgerufen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warnte die Behörden davor, erneut mit Gewalt gegen Demonstranten vorzugehen.

lgr/dpa/dapd



insgesamt 4 Beiträge
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zompel 01.06.2011
1. Komisch, Botschaft schliessen
da flüchtet unsere Allianz der Guten. Wo bleibt die UNO, Nato, Sarkozy der Kriegsheld ? Kein Flugverbot obwohl da auf die Bevölkerung gebombt wird ?
mrempf 01.06.2011
2. Nerkwürdig nicht wahr
Zitat von zompelda flüchtet unsere Allianz der Guten. Wo bleibt die UNO, Nato, Sarkozy der Kriegsheld ? Kein Flugverbot obwohl da auf die Bevölkerung gebombt wird ?
Seit Tagen stehen im SPON (auch woanders) schon verstärkt Meldungen über viele Tote auch vorher schon aber nicht so häufig. Jede Woche Berichte aus Syrien. Lesen sie mal zur Gegenprobe BBC dort finden sich sogar noch mehr Berichte. Aber die Koalition der "Willigen" zerbombt lieber Libyen und lehnt jedes Friedensangebot ab. Messen mit zweierlei Maß. http://mobile.reuters.com/article/Deals/idUSTRE74J69W20110520 Schon mal ein Grund warum Berlusconi dabei ist. http://shabablibya.org/news/oil-what-next-for-libya's-most-important-industry Warum der restliche Verein so erpicht darauf ist Gaddafi loszuwerden. Yemen und Syrien haben diesen Luxus nicht.
cour-age 01.06.2011
3. informieren
Zitat von zompelda flüchtet unsere Allianz der Guten. Wo bleibt die UNO, Nato, Sarkozy der Kriegsheld ? Kein Flugverbot obwohl da auf die Bevölkerung gebombt wird ?
tja, WER hat denn da eine Resolution im UN-Sicherheitsrat verhindert? Wo bleibt die Arabische Liga? Was macht die Uno?
Wanax, 01.06.2011
4. ach du...
Zitat von zompelda flüchtet unsere Allianz der Guten. Wo bleibt die UNO, Nato, Sarkozy der Kriegsheld ? Kein Flugverbot obwohl da auf die Bevölkerung gebombt wird ?
..sch...e. Und dann lesen wir wieder von Antiimperialisten von Kolonialkrieg, westlicher Einmischung und Krieg-für-Öl?? Sie sehen ja, wie wenig Interesse hier (und über Syrien) herrscht im Gegensatz zu Lybien :), Wie wär´s mal Indien (ist das nicht die volkreichste Demokratie?) oder Pakistan (ebenfalls ne "Demokratie") übernehmen ? Oder Russland als Lupen-reine Demokratie? Die UNO hat schliesslich keine Truppen.
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