Humanitäre Katastrophe Uno sammelt 2,3 Milliarden Euro für Jemen

Eine Geberkonferenz für den bitterarmen Jemen war ein Erfolg, es wurde weit mehr gespendet als vor einem Jahr. Doch die Spenden reichen nicht aus: Millionen Menschen droht im Bürgerkriegsland eine Hungersnot.

Kind im Jemen
REUTERS

Kind im Jemen


Für mehr als 24 Millionen notleidende Menschen im Bürgerkriegsland Jemen haben Geberländer aus aller Welt Hunderte Millionen Euro an humanitärer Hilfe versprochen.

Bei der dritten Geberkonferenz der Vereinten Nationen in Genf kamen insgesamt 2,3 Milliarden Euro zusammen. Uno-Generalsekretär António Guterres sprach zwar von einem Erfolg, es seien 30 Prozent mehr gespendet worden als vor einem Jahr.

Allerdings brauchen die Uno dieses Jahr 3,7 Milliarden Euro für den Jemen. Guterres äußerte die Hoffnung, dass im Laufe des Jahres noch mehr Geld zusammenkommt.

Zeitgleich mit dem Beginn der Konferenz gelang es humanitären Helfern erstmals seit fünf Monaten, wieder Getreidesilos nahe der umkämpften Stadt Hudaida zu erreichen. Dort hatte das Uno-Welternährungsprogramm (WFP) Weizen für die Versorgung von 3,7 Millionen Menschen gelagert, aber den Helfern war der Zugang durch Kämpfe abgeschnitten worden. Das WFP will prüfen, ob das Getreide noch verwendbar ist.

Save the Children: Mehr als 80.000 Kinder seit 2015 verhungert

"Fast zehn Millionen Menschen stehen kurz vor einer Hungersnot", sagte Guterres. 360.000 Kinder litten unter teils schwerer Unterernährung. "Kinder haben den Krieg nicht gestartet, aber sie zahlen den höchsten Preis", sagte er. Einem "glaubwürdigen Bericht" der Organisation Save the Children zufolge seien bereits mehr als 80.000 der Unter-Fünfjährigen seit Kriegsbeginn verhungert.

Im bitterarmen Jemen auf der Arabischen Halbinsel tobt seit mehr als vier Jahren ein Krieg, in dem Saudi-Arabien und von anderen arabischen Staaten unterstützte Truppen von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi einen Stellvertreterkrieg mit schiitischen Huthi-Rebellen ausfechten, hinter denen Iran steht. 80 Prozent der Bevölkerung sind auf Hilfe angewiesen.

António Guterres, Uno-Generalsekretär
SALVATORE DI NOLFI/EPA-EFE/REX

António Guterres, Uno-Generalsekretär

Die Uno spricht von der schlimmsten humanitären Krise weltweit. Mehr als 10.000 Menschen getötet, unter ihnen tausende Zivilisten. Nichtregierungsorganisationen sprechen von einer weit höheren Zahl von Todesopfern. Guterres drängte die Konfliktparteien, die begonnenen Friedensbemühungen fortzusetzen. So äußerte sich auch Bundesaußenminister Heiko Maas: "Langfristig hilft nur, mit aller Ausdauer an einer politischen Lösung zu arbeiten, so komplex die Konfliktlage in Jemen auch ist."

Kriegsparteien geben am meisten

Die Bundesregierung hat für die Uno-Hilfe 100 Millionen Euro versprochen, die EU 161 Millionen Euro. Größte Geber waren nach Angaben von Guterres Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Sie gehören zu den Ländern, die aufseiten der von den Huthi-Rebellen gestürzten Regierung kämpfen und mit ihren Bombardierungen für das Elend mitverantwortlich sind. Die Hilfe werde strikt nach Bedürftigkeit vergeben, sagte Guterres.

Humanitäre Organisationen sehen in der Einigung der Konfliktparteien auf Feuerpausen einen Hoffnungsschimmer. Sie ermöglichten den Zugang jetzt. Die Einigung wurde im Dezember bei Gesprächen in Stockholm erreicht.

Dort wurde auch ein Gefangenenaustausch vereinbart. "Es sind erste Schritte zur Vertrauensbildung", sagte der Chef des Roten Kreuzes vor Ort, Franz Rauchenstein. So etwas könne das Klima für erfolgreiche politische Verhandlungen schaffen. Allerdings beschuldigte Ministerpräsident Main Abdulmalik Said die Huthi-Rebellen am Montag in Genf, weiter systematisch Menschen zu entführen. Er zweifele daran, dass die Rebellen es mit Annäherungsschritten ernst meinten.

cht/dpa/AFP



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