Wiesenthal-Zentrum Labour-Chef Corbyn und Anschlag von Halle führen Liste antisemitischer Vorfälle an

Das Simon-Wiesenthal-Zentrum wertet Labours Antisemitismusproblem als schlimmsten Vorfall des Jahres. Auch der deutsche Uno-Botschafter landete auf der Liste - das Auswärtige Amt protestierte dagegen.
Jeremy Corbyn betonte immer wieder, dass es bei Labour keinen Platz für Antisemitismus gebe - aber tat er genug dagegen?

Jeremy Corbyn betonte immer wieder, dass es bei Labour keinen Platz für Antisemitismus gebe - aber tat er genug dagegen?

Foto: Tolga AKMEN / AFP

Die britische Labour-Partei mit ihrem Vorsitzenden Jeremy Corbyn und der Terroranschlag auf eine Synagoge in Halle führen die Rangliste des US-amerikanischen Simon-Wiesenthal-Zentrums der schlimmsten antisemitischen Vorfälle des Jahres 2019 an.

Niemand habe mehr dafür getan als Labour, Antisemitismus im Mainstream zu etablieren, erklärte das Simon-Wiesenthal-Zentrum zu seiner Liste, die am Mittwoch vorgestellt wird (mehr zu den Vorwürfen gegen Corbyns Partei lesen Sie hier). Auszüge daraus waren in den vergangenen Tagen bereits durch verschiedene Medien publik gemacht worden.

Der Anschlag von Halle im Oktober wurde von der jüdischen Menschenrechtsorganisation neben anderen antisemitischen Angriffen in den USA auf Platz zwei gesetzt. "Trotz zunehmender antisemitischer Taten versäumten es die deutschen Behörden, Sicherheitsleute draußen an der Synagoge während der Feierlichkeiten zu Jom Kippur aufzustellen", hieß es dazu. Jom Kippur ist der höchste jüdische Feiertag.

Das Wiesenthal-Zentrum setzte zudem die ersten muslimischen US-Kongressabgeordneten Rashida Tlaib und Ilhan Omar auf die Liste. Die beiden sind für Kritik an der israelischen Regierungspolitik bekannt.

Deutscher Uno-Botschafter auf Platz sieben

Bereits vergangene Woche war bekannt geworden, dass das Wiesenthal-Zentrum den deutschen Uno-Botschafter Christoph Heusgen auf Platz sieben gesetzt hatte - mit Verweis auf das angeblich israelfeindliche Abstimmungsverhalten Deutschlands bei den Vereinten Nationen sowie eine Aussage des 64-Jährigen vor dem Uno-Sicherheitsrat im März.

Heusgen hatte damals gesagt: "Wir glauben, dass das internationale Recht am besten geeignet ist, Zivilisten zu schützen, damit sie in Frieden und Sicherheit leben können, damit sie ohne Angst vor israelischen Bulldozern oder Hamas-Raketen leben können."

In der Sitzung des Sicherheitsrats ging es um die Einhaltung der Resolution 2334, die den Stopp der Errichtung israelischer Siedlungen wie auch terroristischer Angriffe auf Zivilisten unter anderem in Israel fordert. Heusgen äußerte sich über beide Seiten.

Der stellvertretende Leiter des Simon-Wiesenthal-Zentrums, Abraham Cooper, sagte der Nachrichtenagentur dpa zum Vorwurf gegen Heusgen: "Es ist besorgniserregend, wenn ein 'Freund' Israels ganz vorn mit dabei ist, wenn es darum geht, den jüdischen Staat auf der wichtigsten Bühne für Menschenrechte - den Vereinten Nationen - zu verdreschen." Dies sei keine gute Führung und habe mit Freundschaft nichts zu tun.

Auswärtiges Amt schickt Protestnote

Das Bundesaußenministerium hatte den Vorwurf der Judenfeindlichkeit gegen ihren Gesandten bereits in der vergangenen Woche zurückgewiesen. Es sei "abwegig", Heusgen mit Antisemitismus in Verbindung zu bringen, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes.

Wenn der Diplomat bei der Uno in New York an Abstimmungen zu Resolutionen mit Israel-Bezug teilnehme, dann tue er dies ausdrücklich "auf Weisung der Bundesregierung". Der Sprecher betonte, er gebe seine Erklärung zu Heusgen im Namen von Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) und der gesamten Bundesregierung ab.

Das Auswärtige Amt schickte eine Protestnote an das Wiesenthal-Zentrum. Auch der israelische Botschafter in Deutschland, Jeremy Issacharoff, hatte Heusgen in Schutz genommen und die Vorwürfe "völlig unangebracht" genannt.

mes/dpa
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