Jeremy Corbyn über Wahldesaster "Es tut mir leid"

Die Unterhauswahl war ein Desaster für Labour, was auch am allseits unbeliebten Parteichef Corbyn lag. Mit einem Brief wendet er sich nun an die Öffentlichkeit.
Will wieder mehr auf die Basis hören: Noch-Labour-Chef Jeremy Corbyn

Will wieder mehr auf die Basis hören: Noch-Labour-Chef Jeremy Corbyn

Foto: HANNAH MCKAY/ REUTERS

In einem Gastbeitrag, den der "Sunday Mirror " und der "Observer" veröffentlichten, hat sich Jeremy Corbyn bei Anhängern seiner Labour-Partei für die Schlappe bei den Unterhauswahlen entschuldigt. "Es tut mir leid, dass wir so schlecht abgeschnitten haben, und ich übernehme die Verantwortung dafür", schreibt der Noch-Labour-Chef.

Die Labour-Partei hatte bei den Wahlen am Donnerstag die schlimmste Niederlage seit 1935 eingefahren. Vor allem bei ihren Stammwählern konnte sie nicht punkten. Mit Blick auf vergrätzte Labour-Unterstützer schreibt Corbyn, die Partei werde aus dem Desaster lernen, indem sie künftig wieder mehr auf die Basis höre.

Insbesondere den Menschen aus der Arbeiterklasse müsse mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, so Corbyn: "Diese Partei existiert, um diese Menschen zu vertreten. Wir werden ihr Vertrauen zurückgewinnen."

Botschaft der Hoffnung

Gleichzeitig bekräftigte der Oppositionsführer die Steuern-rauf-und-mehr-Schulden-Kampagne seines Wahlkampfs. "Ich bin stolz, dass unsere Botschaft eine der Hoffnung und nicht der Furcht war", ist in dem Brief zu lesen.

Allein beim Wähler verfing die Botschaft nicht, weswegen Corbyn bereits angekündigt hat, die Partei in keinem weiteren Wahlkampf führen zu wollen. Mögliche Nachfolger Corbyns als Parteichef stehen schon in den Startlöchern. Gute Chancen werden zwei Frauen zugesprochen, der 40 Jahre alten Lisa Nandy und der 38-jährigen Jess Phillips. Mit einem Rücktritt Corbyns wird Anfang nächsten Jahres gerechnet.

Es wird noch dauern

Am kommenden Dienstag treffen sich die Labour-Abgeordneten zur Fraktionssitzung. Es wird sicher kein angenehmer Termin werden. Mehr als 50 Labour-Politiker haben ihren Parlamentssitz verloren, darunter auch Dennis Skinner, die "Bestie von Bolsover". Der 87-Jährige saß länger im Parlament als jeder andere Labour-Abgeordnete und hat seinen Wahlkreis nun an einen Tory verloren.

Nachdem sich sein Vize Tom Watson aus der Politik zurückgezogen hat, gibt es derzeit keinen Stellvertreter für Jeremy Corbyn. Deswegen wird es wohl noch einige Monate dauern, bis jemand anderes das Ruder in der Partei übernimmt. Reichlich Zeit für die Partei zum Lernen und Zuhören.

löw