Drohendes Wahldebakel Labour beginnt mit der Suche nach den Schuldigen

Für die britische Labour-Partei sieht es nach einem desaströsen Wahlergebnis aus. Noch sind es zwar nur Prognosen - doch die reichen: Erste Politiker fordern den Rücktritt von Chef Jeremy Corbyn.
Labour-Chef Jeremy Corbyn: Die ersten Parteimitglieder fordert seinen Rücktritt

Labour-Chef Jeremy Corbyn: Die ersten Parteimitglieder fordert seinen Rücktritt

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Hannah McKay/ REUTERS

Nach der sich abzeichnenden verheerenden Niederlage der britischen Labour-Partei bei der Parlamentswahl hat es erste Rücktrittsforderungen an die Parteispitze gegeben. Einer Prognose zufolge fuhren die britischen Sozialdemokraten ein historisch schlechtes Ergebnis ein: Demnach verloren sie 71 Sitze und stellen nur noch 191 der 650 Abgeordneten. Sollten sich diese Zahlen bestätigen, wäre Labour damit so schlecht im Unterhaus vertreten wie seit 1935 nicht mehr.

"Labours Führungsspitze sollte die Verantwortung übernehmen", twitterte Labour-Kandidat Phil Wilson in der Nacht zum Freitag. Gareth Snell, der für die Sozialdemokraten im mittelenglischen Stoke-on-Trent antrat, sagte der BBC , Labour-Chef Jeremy Corbyn und Finanzexperte John McDonnell müssten gehen. Die Stadt Stoke-on-Trent galt einst als Labour-Hochburg. Nun rechnet Snell eigenen Angaben zufolge damit, gegen die Tories verloren zu haben.

McDonnell schloss personelle Konsequenzen nicht aus. "Wenn die Ergebnisse vorliegen, werden wir angemessene Entscheidungen treffen", sagte er auf die Frage im BBC-Interview, ob Corbyn und er selbst gehen müssten. Die Entscheidungen müssten wie immer im besten Sinne der Partei getroffen werden. Zur Prognose erklärte McDonnell: "Wenn das Ergebnis auch nur annähernd so ist, wie die Prognose aussagt, ist das extrem enttäuschend."

Corbyn und McDonnell bei einer Labour-Veranstaltung

Corbyn und McDonnell bei einer Labour-Veranstaltung

Foto: Anthony Devlin/ Getty Images

Staatsminister Michael Gove sagte, die Unentschlossenheit von Labour-Chef Corbyn beim Brexit sei ein Grund für das schlechte Abschneiden der britischen Sozialdemokraten. Sollte sich die Wahlprognose bestätigen, dann verstärke das den Eindruck, dass "Corbyns Führung der Labour-Partei ein Hindernis für die weitere Entwicklung dieses Landes darstellt", sagte Gove in der Nacht zum Freitag dem Fernsehsender ITV.

Corbyn hatte erst spät seine Haltung zum Brexit bekanntgegeben. Er wollte den EU-Austritt noch einmal verschieben, um einen eigenen Brexit-Deal auszuhandeln. Über den sollten die Briten dann in einem zweiten Referendum abstimmen. Die Alternative dazu wäre ein Verbleib in der Staatengemeinschaft gewesen.

aar/dpa