Jerusalem-Entscheidung Ägyptische Christen wollen Mike Pence nicht treffen

US-Vizepräsident Pence will vor Weihnachten den Nahen Osten besuchen. Doch wegen der Jerusalem-Entscheidung seines Chefs sagt ein Gesprächspartner nach dem anderen ab - nun sogar der Kopten-Papst.
Papst Tawadros II.

Papst Tawadros II.

Foto: © Mohamed Abd El Ghany / Reuter/ REUTERS

Die Jerusalem-Entscheidung von US-Präsident Donald Trump sorgt für diplomatische Turbulenzen und gewaltsame Zusammenstöße. Aus Protest gegen Trumps Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt Israels sagten Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas und der Papst der koptischen Christen in Ägypten am Samstag ihre geplanten Treffen mit US-Vizepräsident Mike Pence ab. Israels Luftwaffe griff Ziele im Gazastreifen an, nachdem von dort aus Raketen auf Israel abgeschossen worden waren.

Mit der Ausladung des US-Vizepräsidenten wollte die palästinensische Autonomiebehörde ihre Verärgerung über die Kehrtwende in der Jerusalem-Politik der USA ausdrücken. Ein führender Vertreter von Abbas' Fatah-Partei, Dschibril Radschub, sagte, der US-Vizepräsident sei "in Palästina nicht willkommen".

Pence plant noch vor Weihnachten einen Besuch in Israel, auch eine Visite bei Abbas war zunächst geplant. Am Donnerstag hatte das Weiße Haus die palästinensische Autonomiebehörde vor einer Absage gewarnt: Dies wäre kontraproduktiv.

Auch das Oberhaupt der Kopten in Ägypten, Papst Tawadros II., will Pence nicht mehr empfangen: Am Samstag sagte er ein eigentlich für Mitte Dezember geplantes Treffen in Kairo ab. Mit seinem einseitigen Schritt habe Trump die "Gefühle von Millionen Arabern" ignoriert, erklärte die koptisch-orthodoxe Kirche.

Tawadros II. steht in Ägypten Millionen Kopten vor. Sie bilden in dem Land die mit Abstand größte Gruppe der etwa acht Millionen Christen. Rund 90 Prozent der mehr als 90 Millionen Einwohner sind Muslime. Am Freitag hatte bereits der Großimam der einflussreichen Al-Ashar-Universität in Kairo sein Treffen mit Pence abgesagt.

Zwei Tote bei israelischem Raketenangriff

Auslöser der Protestwelle war eine Entscheidung des US-Präsidenten Trump. Der hatte Jerusalem am Mittwoch als ungeteilte Hauptstadt Israels anerkannt und angekündigt, die US-Botschaft von Tel Aviv dorthin zu verlegen. Dies führte zu Empörung in der arabischen Welt und zu scharfen Protesten auf palästinensischer Seite.

Israel und die radikalislamische Palästinensergruppe Hamas im Gazastreifen richteten am Samstag die Waffen gegeneinander: Zwei Palästinenser starben bei israelischen Raketenangriffen auf eine Stellung des bewaffneten Hamas-Arms im Gazastreifen. Die israelische Armee erklärte, die Luftangriffe seien die Vergeltung für Raketenangriffe aus dem von der Hamas kontrollierten Gebiet.

Bei den drei palästinensischen Raketenangriffen wurde nach israelischen Angaben niemand verletzt. Eines der Geschosse wurde demnach von einer Drohne abgefangen, eines schlug in der israelischen Ortschaft Sderot ein, explodierte aber nicht. Die letzte Rakete drang offenbar nicht auf israelisches Gebiet vor.

Bereits am Freitag waren in Ostjerusalem zwei Palästinenser bei Zusammenstößen mit israelischen Soldaten und Polizisten getötet worden. Palästinensergruppen hatten in Reaktion auf Trumps Entscheidung für Freitag zum "Tag des Zorns" in Ostjerusalem aufgerufen.

Am Samstag gab es in Ostjerusalem und dem Westjordanland neue Zusammenstöße zwischen jugendlichen palästinensischen Steinewerfern und israelischen Soldaten. Diese setzten Tränengas, Gummigeschosse und teilweise auch scharfe Munition ein.

Der endgültige Status Jerusalem ist einer der größten Streitpunkte im Nahostkonflikt. Die Palästinenser beanspruchen den 1967 von Israel besetzten und 1980 annektierten Ostteil Jerusalems als künftige Hauptstadt ihres angestrebten eigenen Staates. Seit 2014 liegt der Friedensprozess de facto auf Eis.

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