Anschlag in Jerusalem Gläubige kehren in ihre Synagoge zurück

Das Blutbad in einer Jerusalemer Synagoge ist erst wenige Stunden her - doch bereits am Morgen kehrten Gläubige zum Gebet in das Gotteshaus zurück. Die Regierung kündigt Vergeltung an: Premier Netanyahu spricht vom Kampf um Jerusalem.

Betende orthodoxer Juden: "In diesem Kampf müssen wir zusammenhalten; dies ist das Gebot des Tages", schreibt Netanyahu
AFP

Betende orthodoxer Juden: "In diesem Kampf müssen wir zusammenhalten; dies ist das Gebot des Tages", schreibt Netanyahu


Jerusalem - Dutzende Juden haben sich am Mittwochmorgen wieder in der Synagoge im Jerusalemer Stadtteil Har Nof eingefunden - nur einen Tag nach dem Anschlag auf das Gotteshaus. Unter den Gläubigen sei bei der Andacht auch Wirtschaftsminister Naftali Bennet gewesen, berichtete die Nachrichtenseite "ynet". Der Eingang der Synagoge sei von Sicherheitspersonal bewacht worden.

Zwei Palästinenser aus dem arabischen Osten Jerusalems hatten am Dienstag das Gotteshaus in dem vornehmlich von ultraorthodoxen Juden bewohnten Stadtteil Har Nof gestürmt und fünf Menschen getötet. Israelische Polizisten erschossen die beiden Attentäter, die ebenfalls aus dem von Israel besetzten und annektierten Ostjerusalem kamen. Es war der erste tödliche Anschlag auf eine Synagoge in Jerusalem. Politiker aus aller Welt befürchten eine neue Spirale der Gewalt.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu ordnete an, die Häuser der beiden Attentäter abzureißen. "Wir befinden uns in einem Kampf um Jerusalem, unserer ewigen Hauptstadt", schrieb Netanyahu beim Kurznachrichtendienst Twitter. "In diesem Kampf müssen wir zusammenhalten; dies ist das Gebot des Tages." Die beiden Attentäter hatte er zuvor als "Tiere in Menschengestalt" bezeichnet und schärfere Sicherheitsvorkehrungen in der Stadt angekündigt. Polizeiminister Izchak Aharonovich will mehr Bürgern erlauben, zur Selbstverteidigung Waffen zu tragen. Die Palästinenser beanspruchen den von Israel annektierten Ostteil Jerusalems als Hauptstadt ihres künftigen Staates.

Laut der radikalen Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) gehörten die beiden Attentäter der Gruppe an. Während Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas den Anschlag verurteilte, sprach die radikal-islamische Hamas von einer "heroischen Tat". Augenzeugen sprachen von einem "Massaker". Drei der Opfer stammten aus den USA und eines aus Großbritannien, wie Polizeisprecher Micky Rosenfeld bestätigte. Tausende Menschen nahmen an den Begräbnissen teil.

Die Nacht blieb ruhig

Der "Haaretz" zufolge blieb es in der Nacht auf Mittwoch zunächst ruhig in Jerusalem. Im Westjordanland gerieten demnach aber rund 200 Palästinenser mit 50 jüdischen Siedlern aneinander. Sie mussten von Soldaten getrennt werden.

Seit dem Abbruch der Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern im April ist die Lage in Nahost immer weiter eskaliert. Zuletzt sorgte der Tod eines arabischen Busfahrers, der am Sonntag erhängt aufgefunden worden war, bei den Palästinensern für neuen Zorn. Eine israelische Autopsie ergab, der Mann habe Suizid begangen. Palästinenser gehen dagegen von einem Lynchmord durch jüdische Siedler aus. Der Fall heizte die Stimmung an, die ohnehin nach einem Streit um die Nutzung des Tempelbergs in Jerusalem (Haram al-Scharif), der Muslimen und Juden heilig ist, sehr angespannt war. In den vergangenen Wochen hatte es eine Reihe von Anschlägen auf Israelis gegeben.

US-Außenminister John Kerry verurteilte den Terrorakt und sprach von sinnloser Brutalität. Außenminister Frank-Walter Steinmeier warnte vor einer neuen Spirale der Gewalt. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon appellierte an beide Lager, die angespannte Lage in Jerusalem zu beruhigen. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini rief beide Seiten zur Zurückhaltung und zu einer Rückkehr zu Friedensgesprächen auf.

ler/dpa/AFP

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