Tempelberg-Krise Israel installiert Überwachungskameras

Im Konflikt um den Zugang zum Tempelberg wächst die Sorge vor einer weiteren Eskalation. Die Regierung in Jerusalem installiert Überwachungskameras. Die Arabische Liga warnt, Israel spiele mit dem Feuer.

AFP

Im Streit über Sicherheitskontrollen am Tempelberg in Jerusalem hat Israel neue Überwachungskameras am Eingang zur heiligen Stätte angebracht. Es ist offen, ob die Kameras die umstrittenen Metalldetektoren ersetzen oder ergänzen sollen. Die israelische Regierung berät darüber, ob die Metalldetektoren an der Stätte, die Muslimen und Juden heilig ist, wieder abgebaut werden sollen.

Die Palästinenser lehnen beide Maßnahmen ab. Die Verschärfung der Sicherheitschecks hatte nach dem Freitagsgebet zu schweren Ausschreitungen geführt. Vier Menschen starben, 400 wurden verletzt. Israel hatte nur Männern über 50 und Frauen den Zutritt zum Tempelberg gestattet. Al-Aqsa-Moschee und Felsendom auf dem Plateau werden von den Muslimen als heilige Stätten verehrt. Die Juden wiederum beten am Fuß des Tempelbergs an der Klagemauer, den Überresten des zweiten Jerusalemer Tempels.

Arabische Liga: "Israel spielt mit dem Feuer"

Ein palästinensischer Attentäter war nach den Ausschreitungen am Freitag in eine israelische Siedlung im Westjordanland eingedrungen und hatte drei Mitglieder einer Familie getötet. Die palästinensische Fatah-Partei hatte bereits in der vergangenen Woche zu einem "Tag des Zorns" aufgerufen.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas brach am Freitag auch die Beziehungen zu Israel ab. Die Regierung hatte die Kontrollen nach einem tödlichen Anschlag auf zwei Polizisten eingeführt. Die Palästinenser wiederum werten die Kontrollen als Versuch Israels, mehr Kontrolle über den Tempelberg zu übernehmen.

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Die Tempelberg-Krise: Kontrollen und Kameras

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Abul Gheit, warnte in dem Streit über die Sicherheitskontrollen Israel vor Konsequenzen. "Die israelische Regierung spielt mit dem Feuer und riskiert es, eine große Krise mit der arabischen und der islamischen Welt auszulösen", sagte er nach Angaben eines Sprechers in Kairo. Jerusalem sei für Araber und Muslime eine rote Linie, die nicht überschritten werden dürfe.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu verurteilte den Anschlag auf die jüdische Familie und kündigte die rasche Zerstörung des Hauses an, in dem der Attentäter lebte. Zu den gekappten Verbindungen zwischen Israel und Palästinensern sagte der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman der Nachrichtenseite "Ynet": "Wir sind viele Jahre lang ohne Sicherheitszusammenarbeit ausgekommen, wir werden es auch jetzt schaffen." Für den Attentäter forderte er demnach die Todesstrafe.

25 Menschen festgenommen, darunter Hamas-Mitglieder

Israelische Soldaten nahmen in der Nacht 25 Menschen im Westjordanland fest, wie unter anderem die "Jerusalem Post" berichtet. Eine Armeesprecherin bestätigte die Festnahme von neun Mitgliedern der radikal-islamistischen Hamas. Papst Franziskus warnte vor einer Eskalation des Konflikts. Er verfolge die schweren Spannungen und die Gewalt mit großer Sorge, sagte er nach dem Angelusgebet in Rom. Er fühle die Notwendigkeit für einen "Appell zu Mäßigung und Dialog".

Auch auf internationaler Ebene herrscht nun Sorge vor einer weiteren Zuspitzung des Nahostkonflikts. Die Uno, die EU, die USA und Russland riefen Israel und Palästinenser zur Mäßigung auf. Der Uno-Sicherheitsrat setzte für Montag eine Dringlichkeitssitzung an. Dort werde beraten, "wie Appelle zu einer Deeskalation unterstützt werden können", kündigte der schwedische Uno-Botschafter Carl Skau an. Das Auswärtige Amt in Berlin appellierte an alle Beteiligten, zur Deeskalation beizutragen.

Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern schwelt dabei offenbar längst in anderen Landesteilen weiter: Am Sonntag flog laut israelischem Militär eine Rakete aus dem Gaza-Streifen in Richtung Israel, die aber explodierte, ohne größeren Schaden anzurichten. Offiziell bekannt hat sich zum Abschuss noch niemand.

apr/dpa/AFP/Reuters

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