IS-Henker Opfer-Angehörige fordern Prozess gegen "Jihadi John"

Mohammed Emwazi soll der Mann sein, der mehrere westliche Geiseln des "Islamischen Staats" vor laufender Kamera geköpft hat. Angehörige seiner Opfer hoffen, dass "Jihadi John" lebend gefasst wird - damit er keinen "ehrenhaften Tod" erlebe.
"Jihadi John" alias Mohammed Emwazi (in einem IS-Video): Fairer Prozess

"Jihadi John" alias Mohammed Emwazi (in einem IS-Video): Fairer Prozess

Foto: REUTERS TV/ REUTERS

London - Mehrere Angehörige von ermordeten Geiseln der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) haben sich für einen fairen Prozess gegen den IS-Henker Mohammed Emwazi ausgesprochen. Nach der Enthüllung der Identität von "Jihadi John" hoffe die Familie des ermordeten US-Journalisten Steven Sotloff auf eine Verurteilung des Terroristen, sagte ein Sprecher der Familie.

Der als "Jihadi John" bekannt gewordene Mann soll die US-Journalisten Sotloff und James Foley sowie drei Entwicklungshelfer aus Großbritannien und den USA vor laufender Kamera enthauptet haben. Auch in Videoaufnahmen mit zwei japanischen Geiseln war der vermummte Kämpfer der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" angeblich zu sehen.

Die Veröffentlichung von Emwazis Identität am Donnerstag sei ein erster "Schritt auf einem langen Weg, ihn zur Rechenschaft zu ziehen", sagte der Sprecher der Familie Sotloff weiter. Die Angehörigen des US-Journalisten glaubten daran, dass der Mann festgenommen und vor Gericht gestellt werde - und sie freuten sich auf den Tag, an dem er für sein "Verbrechen bestraft wird".

Auch die Witwe des mutmaßlich von Emwazi ermordeten David Haines äußerte den Wunsch, dass der berüchtigte Islamist lebendig gefasst werde. Das letzte, was sie dem Mörder ihres Mannes wünsche, sei ein "ehrenhafter Tod", sagte Dragana Haines der britischen BBC zufolge .

"Jihadi John" gilt als eines der meistgesuchten Mitglieder der Terrororganisation "Islamischer Staat". Anhand seiner markanten Stimme mit dem breiten Londoner Akzent war es dem FBI und den britischen Geheimdiensten angeblich bereits im vergangenen September gelungen, seine Identität zu ermitteln. Allerdings wurde sein Name aus ermittlungstaktischen Gründen zunächst geheimgehalten.

Wer ist "Jihadi John"?

Laut britischen Sicherheitsbehörden ist Emwazi britischer Staatsbürger, etwa 27 Jahre alt, in Kuwait geboren und in West-London aufgewachsen. Er soll einen Hochschulabschluss in Informatik besitzen. 2012 sei er nach Syrien gereist und habe sich dort den Dschihadisten angeschlossen.

Bereits 2009 war Emwazi ins Visier des britischen Geheimdienstes MI5 geraten. Dieser beschuldigte ihn, er habe nach Somalia reisen und sich dort den mit al-Qaida verbündeten Schabab-Milizen anschließen wollen. Emwazi bestritt damals die Vorwürfe und behauptete, er wolle eine Safari in Tansania machen. Trotzdem hielten ihn die Behörden in Daressalam zunächst fest und wiesen ihn dann aus. Angeblich soll der MI5 versucht haben, ihn damals anzuwerben.

Bald darauf beschloss Emwazi offenbar, in sein Geburtsland Kuwait, das er im Alter von sechs Jahren mit seinen Eltern verlassen hatte, zurückzukehren und dort zu heiraten. Anfang 2010 stoppten ihn jedoch die britischen Behörden und hinderten ihn laut "Washington Post" an der Ausreise.

Irgendwann im Jahr 2012 soll Emwazi schließlich nach Syrien gereist sein. Westliche Geiseln, die von ihren Regierungen aus der Gewalt der Dschihadisten freigekauft worden waren, wollen ihn dort erkannt haben. Sie schilderten "Jihadi John" als ruhig und intelligent. Als sie 2014 nach Rakka, in die Hauptstadt des "Islamischen Staats" verlegt wurden, sei "Jihadi John" mit ihnen gekommen. Dort soll Emwazi auch seine Geiseln enthauptet haben.

mxw/AFP/Reuters