Mutmaßlicher Mörder von Jo Cox "Mein Name ist: Tod den Verrätern"

Die erste Anhörung des mutmaßlichen Mörders der Labour-Abgeordneten Jo Cox erhärtet den Verdacht auf eine politisch motivierte Tat. Auf die Frage nach seinem Namen gab der 52-Jährige eine vielsagende Antwort.

Trauerbekundung für Jo Cox
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Trauerbekundung für Jo Cox


Der Tatverdächtige im Mordfall Jo Cox hat offenbar aus politischen Motiven gehandelt. Während des Angriffs auf die Labour-Abgeordnete habe Tommy M. "Britain first, keep Britain independent, Britain always comes first, this is for Britain" gesagt. Das geht aus der Anklageschrift hervor, die die Staatsanwaltschaft am Samstag dem Westminster Magistrates' Court in London vorlegte.

Der 52-jährige Verdächtige selbst erhärtete diesen Verdacht bei seinem ersten Auftritt vor dem Gericht. Auf die Frage nach seinem Namen antwortete er: "Mein Name ist 'Tod den Verrätern, Freiheit für Großbritannien'".

Tommy M. hatte am Donnerstag die Brexit-Gegnerin und Labour-Abgeordnete Jo Cox in ihrem nordenglischen Heimatort Birstall auf offener Straße getötet. Laut der Anklageschrift attackierte er die 41-jährige Politikerin unmittelbar, nachdem sie aus dem Auto gestiegen war, mit einem Messer.

Als Cox daraufhin zu Boden ging, schoss der Angreifer dreimal auf sie. Kurz danach erlag die Frau ihren Verletzungen. Einem weiteren, 77-jährigen Mann stach M. ein Messer in den Bauch, als dieser versuchte, zu Hilfe zu eilen. Bei der Festnahme sagte M. laut Anklageschrift zu den Beamten: "It's me." ("Ich war's.")

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Mord an Politikerin: Tödlicher Angriff in Birstall

Am Samstagmorgen gab die Polizei bekannt, Tommy M. wegen Mordes, schwerer Körperverletzung, des Besitzes einer Feuerwaffe mit Tötungsabsicht und des Besitzes einer Angriffswaffe anzuklagen.

Bereits kurz nach der Tat waren Hinweise auf eine rechtsextreme Einstellung der Verdächtigen bekannt geworden. Unter anderem legte die US-amerikanische Anti-Rassismus-Organisation Southern Poverty Law Center (SPLC) Quittungen vor. Diese belegen, dass der Tatverdächtige von 1999 bis 2003 mehr als 620 Dollar an die inzwischen zersplitterte Neonazi-Organisation National Alliance (NA) überwiesen hat, meist für Publikationen aus deren Buchverlag National Vanguard.

M. habe Neonazi-Magazine abonniert sowie Gebrauchsanleitungen für den Eigenbau von Schusswaffen und Sprengsätzen gekauft, etwa ein Buch mit einer Anleitung zur Konstruktion einer .38-Kaliber-Pistole aus haushaltsüblichen Materialien.

Fakten, Analysen, Hintergründe

fdi/cte/Reuters/AP

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angst+money 18.06.2016
1.
Leider gibt es zu dem Thema schon wieder die ersten Qui-Bonisten, die die Brexit-Gegner als Hintermänner sehen. Etwas zu schnell kam mir in dem Zusammenhang das Statement mit den "psychischen Problemen" des Täters. Da könnte ich auch schnell eine Verschwörungstheorie zu basteln. Aber zuerst sollte man an Cox und ihre Familie denken. Solche Typen wie den Mörder kriegt man von der Stange und sie sind bald vergessen.
ex-optimist 18.06.2016
2. Nazis
ziehen wieder mordend durch Europa. Die Politik und die Zivilgesellschaft, d.h. wir alle haben offensichtlich in den letzten Jahrzehnten völlig versagt.
iffelsine 18.06.2016
3. Damit hat sich der Brexit erledigt !
Die unentschlossenen Briten werden nun aus Solidarität gegen den Austritt stimmen. Die Briten sind ein sehr traditionsgeladenes Völkchen und grundsätzlich gilt "jetzt erst recht". Und das wird die Austrittsgegener kräftig unterstützen. Hat der Typ also voll das Gegenteil erreicht.
funnukem 18.06.2016
4. Fragezeichen...
Fast alle Medien versuchen gerade mit aller Macht eine Verbindung zwischen dem Täter und dem Rechtsextremismus herzustellen. Deutlich weniger Aufmerksamkeit wird dem ebenso bestehenden Verdacht einer psychischen Erkrankung beigemessen. Vielleicht ist es doch nur die Tat eines geistig verwirrten Einzeltäters. Für das Opfer ändert dies leider nichts mehr. Man kann sich dem Verdacht nicht entziehen, dass hier von den Medien Stimmung gemacht wird. Das aber ist brandgefährlich... denn dann stellt sich auch die Frage wem nützt diese Tat? Sicherlich nicht den Extremisten. Wer hätte also mehr an Interesse an einer solchen Tat und dem damit wahrscheinlich einhergehenden Stimmungsumschwung? Vieleicht also doch nicht nur die Tat eines verwirrten rechtsextremen Einzeltäters.
westfalen7 18.06.2016
5. Das Problem wird zukünftig sein,
daß es Menschen geben wird,die Taten wie in GB und Orlando durchführen werden,die bislang niemandem in irgendeiner Form aufgefallen sind.Diese Täter verstehen es sehr gut,nicht nach außen hin kundzutun wie sie ticken.Somit ist es den Ermittlungsbehörden nicht möglich,schon Vorfeld eine solche Tat zu verhindern!
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