Tod von Jo Cox Ermittler erheben Mordanklage gegen Verdächtigen

Der Mann, der die Labour-Abgeordnete Jo Cox getötet hat, wird wegen Mordes angeklagt. Die britische Polizei geht davon aus, dass der Mann als Einzeltäter gehandelt hat.

Kerzen und Blumen vor Parlament in London
DPA

Kerzen und Blumen vor Parlament in London


Zwei Tage nach dem tödlichen Attentat auf die britische Labour-Politikerin Jo Cox wirft die Polizei dem Tatverdächtigen offiziell Mord vor. Der 52-Jährige werde am Samstag vor einem Gericht in London erscheinen, teilte der zuständige Polizeivertreter Nick Wallen aus West Yorkshire mit.

"Wir haben nun einen Mann des Mordes, der schweren Körperverletzung, des Besitzes einer Feuerwaffe mit der Absicht, eine Straftat zu begehen, und des Besitzes einer Angriffswaffe beschuldigt", sagte Wallen, der die Ermittlungen in dem Mordfall führt, am frühen Samstagmorgen. Der Tatverdächtige werde später am Tag vor dem Westminster Magistrates Court erscheinen.

Die Ermittler gehen zudem davon aus, dass der mutmaßliche Mord das Werk eines Einzeltäters war. Den bisherigen Ermittlungen zufolge sei außer dem festgenommenen 52-jährigen Tatverdächtigen keine andere Person daran beteiligt gewesen, teilte die Polizei des Landkreises West Yorkshire auf ihrer Internetseite mit. Der Angriff auf Cox sei offenbar eine "isolierte, aber gezielte Attacke" gewesen.

Die Polizei prüft nach eigenen Angaben in Kooperation mit Anti-Terror-Experten Medienberichte, wonach der Verdächtige Verbindungen zu US-Neonazis und südafrikanischen Rassisten gehabt hatte und wegen psychischer Probleme in Behandlung gewesen war.

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Mord an Politikerin: Tödlicher Angriff in Birstall

Inzwischen hat sich auch US-Präsident Barack Obama zum Attentat geäußert. Obama verurteilte das "abscheuliche Verbrechen" und sprach Cox' Witwer in einem Telefonat sein Mitgefühl aus. Die Welt sei "ein besserer Ort wegen ihres selbstlosen Dienstes" für die Allgemeinheit und es könne "keine Rechtfertigung für dieses abscheuliche Verbrechen geben", teilte das Weiße Haus mit.

Die Brexit-Gegnerin und Labour-Abgeordnete war am Donnerstag in ihrem nordenglischen Heimatort Birstall auf offener Straße getötet worden. Der Angreifer feuerte mehrere Male auf die 41-jährige Politikerin und stach mit einem Messer auf die am Boden liegende Frau ein. Kurz danach erlag die Frau ihren Verletzungen.

Das Attentat schockierte die Briten, die am kommenden Donnerstag über den Verbleib ihres Landes in der Europäischen Union abstimmen. Wegen des Mordes wurde der Wahlkampf bis einschließlich Samstag ausgesetzt. Cox hatte sich mit Nachdruck gegen einen Austritt aus der EU ausgesprochen.

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fdi/AFP/Reuters

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Lisa_can_do 18.06.2016
1. noch ein Grund
iJetzt ist das Risiko, von Hassattacken durch Gestörte angegriffen zu werden real geworden mit furchtbarsten Auswirkungen. Auch wenn das Risiko für Politiker höher ist, kann das Jeden treffen. Im Straßenverkehr, im Supermarkt, auf dem Kinderspielplatz. im SPON-Forum - wir gerieren zur Hassgesellschaft - und indem wir das machen wollen, müssen wir auch aufhören, diejenigen zu dissen, die wohl Angst haben und die psychisch nicht stark sind und bei denen die Gefahr besteht, dass diese Typen austicken. Und vielleicht sollte Jeder bei sich selbst anfangen, z. B. wenn er meint, dass ihm der Parkplatz zugestanden hätte und nicht dem Anderen, der vor einem reingefahren ist in die Parklücke - oder gegenüber der eigenen Ehefrau, die mal wieder zu zögerlich gefahren ist. Wegen banalster Dinge ticken die Leute heutzutage komplett aus. Und ja auch in Internet-Foren, wo es angeblich anonym ist.
Achmuth_I 18.06.2016
2. Es wird immer schlimmer!
Zitat von Lisa_can_doiJetzt ist das Risiko, von Hassattacken durch Gestörte angegriffen zu werden real geworden mit furchtbarsten Auswirkungen. Auch wenn das Risiko für Politiker höher ist, kann das Jeden treffen. Im Straßenverkehr, im Supermarkt, auf dem Kinderspielplatz. im SPON-Forum - wir gerieren zur Hassgesellschaft - und indem wir das machen wollen, müssen wir auch aufhören, diejenigen zu dissen, die wohl Angst haben und die psychisch nicht stark sind und bei denen die Gefahr besteht, dass diese Typen austicken. Und vielleicht sollte Jeder bei sich selbst anfangen, z. B. wenn er meint, dass ihm der Parkplatz zugestanden hätte und nicht dem Anderen, der vor einem reingefahren ist in die Parklücke - oder gegenüber der eigenen Ehefrau, die mal wieder zu zögerlich gefahren ist. Wegen banalster Dinge ticken die Leute heutzutage komplett aus. Und ja auch in Internet-Foren, wo es angeblich anonym ist.
Soweit bin ich bei Ihnen. Die Enthemmung der Mitte, dazu gab es hier vor zwei Tagen einen interessanten Artikel. Aber es ist nicht erst jetzt soweit. Frau Reker wurde schon vor längerem angefallen und das Attentat auf Herrn Schäuble liegt einige Jahre zurück. Das die beinden Anschläge nicht erfolgraich waren ist lediglich Zufall.
gruesenko 18.06.2016
3. Hilflosigkeit!
Es ist vor allem unendlich traurig, dass diese jugendliche ausstrahlungsstarke Frau, die zwei Kinder und einen Mann hinterlässt, so früh sterben musste! Alleine die Aussage ihres Ehemannes, wonach sie vor allem für Zuneigung als Grundlage des menschlichen Miteinanders eintrat zeigt, dass nicht nur die Familie einen großen Verlust erlitten hat.
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