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16. Juni 2016, 21:19 Uhr

Reaktionen zum Tod von Jo Cox

"Dieser Mord ist politischer Terror"

"Eine Tragödie", "eine schreckliche Tat": Politiker aller Parteien bekunden nach dem Mord an Jo Cox ihr Beileid. Der Ehemann der Verstorbenen ruft zum "Kampf gegen den Hass" auf.

Nach der Ermordung der Labour-Politikerin und Brexit-Gegnerin Jo Cox zeigen sich führende Politiker aller Parteien erschüttert.

Premierminister David Cameron sagte seine für den Abend geplanten Wahlkampftermine in Gibraltar ab. "Der Tod von Jo Cox ist eine Tragödie, sie war eine pflichtbewusste und sozial engagierte Abgeordnete. Meine Gedanken sind bei ihrem Ehemann Brendan und ihren beiden kleinen Kindern", schrieb er auf Twitter.

Der Vorsitzende der Labour-Partei Jeremy Corbyn äußerte sich ebenfalls über den Kurznachrichtendienst Twitter. "Die ganze Labour-Partei und Labour-Familie - und gewiss das ganze Land - werden angesichts dieses abscheulichen Mordes an Jo Cox heute schockiert sein."

Großbritanniens ehemaliger Premierminister Gordon Brown sagte: "So etwas darf Großbritannien nicht passieren. Und wir müssen dafür sorgen, dass so etwas nie wieder in Großbritannien geschieht."

Auch Cox' politische Gegner verurteilten die Tat und bekundeten ihr Beileid. Nigel Farage, Chef der EU-feindlichen Partei Ukip, twitterte: "Zutiefst traurig zu hören, dass Jo Cox gestorben ist. Aufrichtigstes Beileid an ihre Familie."

Londons früherer Bürgermeister Boris Johnson, prominentester konservativer Brexit-Befürworter, schrieb: "Es ist entsetzlich, dass eine Abgeordnete ums Leben kommt, die einfach nur ihr Bestes für die Wählerschaft tut."

Anteilnahme auch aus Deutschland

Nach Bekanntwerden des tödlichen Attentats zeigten sich auch zahlreiche deutsche Politiker betroffen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich erschüttert über das Attentat auf gezeigt: Der Angriff sei "schrecklich, dramatisch, und unsere Gedanken sind bei den Menschen die betroffen sind", sagte sie nach einem Treffen mit den Ministerpräsidenten in Berlin. Der Vorfall bedürfe angesichts des möglichen Zusammenhangs mit dem EU-Referendum in einer Woche "dringendster Aufklärung".

SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel nannte den Angriff "eine schreckliche Tat" und sprach der Familie und den Freunde von Cox sein Beileid aus.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) twitterte: "Zuerst gilt meine Anteilnahme den Angehörigen und ich trauere um Jo Cox! Dieser Mord ist politischer Terror!"

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hat sich bestürzt über den tödlichen Angriff auf eine britische Labour-Abgeordnete geäußert. "Der Tod von Jo Cox geht mir wirklich nahe", schrieb Reker am Donnerstagabend auf Twitter. "Ausländerfeindliche Parolen münden unweigerlich in Gewalt. Wir alle tragen Verantwortung, dass es in Deutschland und Europa nie wieder so weit kommt."

Regierungssprecher Steffen Seibert: "Traurige und schreckliche Nachrichten vom Tod der britischen Abgeordneten Jo Cox, die in ihrem Wahlkreis ermordet wurde. Wir sind in Gedanken bei ihrem Mann und ihren Kindern."

"Hass ist keine Überzeugung"

Am emotionalsten war der Appell von Brendan Cox, dem Ehemann der Ermordeten: "Sie hätte sich jetzt vor allem zwei Dinge gewünscht. Erstens, dass unsere geliebten Kinder viel Liebe erfahren, und zweitens, dass wir uns alle zusammentun, um gegen den Hass zu kämpfen, der sie getötet hat. Hass hat keine Überzeugung, Ethnie oder Religion, er ist giftig."

Die 41 Jahre alte Cox wurde am Nachmittag in ihrem nordenglischen Wahlkreis auf offener Straße angegriffen. Der Täter hatte mehrmals auf die Brexit-Gegnerin geschossen und auf sie eingestochen. Im Krankenhaus erlag sie ihren Verletzungen.

Kurz nach der Tat wurde ein 52-jähriger Mann festgenommen, die Polizei geht davon aus, dass es sich dabei um den Täter handelt. Von weiteren Tätern sei nicht auszugehen, teilte eine Polizeisprecherin mit.

asc/dpa

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