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Biden attackiert Trump "Sie werden mich nicht zerstören"

Donald Trump drängte seinen ukrainischen Amtskollegen zu Ermittlungen gegen Joe Biden und dessen Sohn. Einen Wahlkampfauftritt in Nevada nutzte der demokratische Politiker für scharfe Kritik am US-Präsidenten.

Der frühere Vizepräsident Joe Biden hat am Mittwochabend schwere Kritik an US-Präsident Donald Trump geäußert. Es ist die bisher schärfste Attacke des demokratischen Präsidentschaftsbewerbers, seit bekannt wurde, dass Trump seinen ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj überreden wollte, belastendes Material gegen Biden und dessen Sohn Hunter zu sammeln.

Während eines Wahlkampfauftritts in Nevada warf Biden dem Trump-Team vor, eine Kampagne von "Lügen, Schmierereien, Verzerrungen und Verleumdungen" zu führen, die darauf abzielten, ihm im Rennen um das Präsidentenamt zu schaden. Die jüngsten Attacken Trumps gegen seine Familie dienten lediglich dazu, von dem drohenden Impeachment-Verfahren abzulenken, sagte Biden. Und sie zeigten deutlich, dass der US-Präsident ihn mehr fürchte als jeden anderen Kandidaten der Demokraten.

Er werde jedoch nicht zurückweichen, betonte Biden unter dem Beifall der Zuhörer. "Sie werden mich nicht zerstören. Nicht mich und nicht meine Familie". Er werde nicht verschwinden, egal wie schmutzig die Angriffe würden und wie viel Geld die Lobby hinter Trump dafür ausgebe.

In den Tagen zuvor hatte Biden zu Trumps Angriffen gegen die Demokraten geschwiegen. In einer ganzen Reihe von Tweets und bei Pressekonferenzen hatte dieser die Ermittlungen im Vorfeld eines Amtsenthebungsverfahrens wiederholt als "Hexenjagd" und "Verrat" bezeichnet und seine politischen Gegner als "Pack" verunglimpft.

Ein Whistleblower hatte auf das Gespräch Trumps mit seinem ukrainischen Amtskollegen Selenskyj aufmerksam gemacht, was die Demokraten zum Anlass für die Prüfung eines Amtsenthebungsverfahrens genommen haben. Trump wirft Biden vor, Ermittlungen gegen ein ukrainisches Unternehmen mit Geschäftsverbindungen zu seinem Sohn Hunter behindert zu haben. Beweise blieb Trump schuldig. Biden hat Umfragen zufolge die besten Chancen, bei den Demokraten für die Präsidentschaftswahl 2020 aufgestellt zu werden.

Am Mittwoch hatte der Generalinspekteur des US-Außenministeriums Steven Linick im US-Kongress Unterlagen vorgelegt, die Bidens Verwicklung in die Geschäfte seines Sohnes Hunter in der Ukraine belegen sollten. Das Dossier stammt offenbar teilweise von Trumps Privatanwalt Rudy Giuliani und wurde nach Linicks Angaben dem Außenministerium im Frühjahr zugespielt.

Aus Sicht der Demokraten haben die Anhörung Linicks und die von ihm übergebenen Dokumente "besorgniserregende Fragen" aufgeworfen. So seien etwa bestimmte Personen, wie die frühere US-Botschafterin in Kiew Masha Yovanovitch, gezielt angegriffen worden, hieß es. Die Dokumente legten zudem nahe, dass Präsident Donald Trump das Außenamt zur Förderung seiner persönlichen politischen Agenda eingesetzt habe.

mik/Reuters
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