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Joe Biden: Der Herausforderer

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US-Wahlkampf Diesmal will Joe Biden alles richtig machen

Der frühere US-Vizepräsident erwischt einen guten Start in den Wahlkampf: Bei einem Auftritt in Pennsylvania wird deutlich, mit welcher Strategie Joe Biden gegen Donald Trump gewinnen will.

Da ist er. Plötzlich tritt Joe Biden aus der Kulisse auf die Bühne, er zieht die blaue Anzugjacke aus und krempelt die Ärmel hoch. Der Mann, den Amerika schon fast vergessen hatte, ist zurück.

Pittsburgh, Pennsylvania: Zum ersten Mal präsentiert sich Biden als frischgebackener Bewerber um die US-Präsidentschaft einem größeren Publikum. Es ist ein Heimspiel. Im Haus der örtlichen Gewerkschaft jubeln ihm 400 Männer und Frauen zu.

Es sind Feuerwehrleute, Krankenschwestern, Angestellte der Stadt, Lehrer. Sie rufen: "We want Joe" - "Wir wollen Joe". Biden lacht und winkt. Dann sagt er, was er immer zuerst sagt, wenn er vor Menschen spricht: "Hallo, ich bin Joe Biden."

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Bescheidenheit, Bodenständigkeit, Gelassenheit, das sind Joe Bidens Markenzeichen. Biden, der Ehrliche, der Kumpel von nebenan - so kennen ihn die meisten Amerikaner aus seiner Zeit als Vizepräsident unter Barack Obama. Nun will Biden Präsident werden, er will Donald Trump aus dem Weißen Haus vertreiben und sein Ruf als netter Kümmerer soll ihm dabei helfen.

Viele glauben, dass Biden von den gut 20 Männern und Frauen, die sich aktuell bei den Demokraten um die Präsidentschaft bewerben, die besten Chancen hat. Aber ist das wirklich so?

In Pittsburgh wird jedenfalls deutlich: Biden ist voll bei der Sache. Er ist immer noch ein guter Redner. Er kann einen Saal mitreißen. Er ist für seine 76 Jahre erstaunlich fit, und er beherrscht die Abteilung Attacke.

Immer wieder greift er Donald Trump an. "Wir brauchen einen Präsidenten, der für das ganze Land arbeitet, nicht nur für seine Basis", sagt er. "Wir wollen Wahrheit, keine Lügen. Wir wollen Einigkeit, keine Spaltung." Die Menschen im Saal rufen laut: "USA, USA, USA."

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Joe Biden: Der Herausforderer

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Zwei Mal schon hat Biden versucht, Präsident zu werden. Beide Male gingen seine Bewerbungen schief. Nun, im dritten Anlauf, will er alles besser machen. Und tatsächlich scheint er einen guten Start zu erwischen, zumindest bisher.

Biden hat in den Stunden nach Bekanntgabe seiner Bewerbung bereits 6,3 Millionen Dollar an Spendengeldern eingesammelt, mehr als die Konkurrenz. Die neuesten Umfragen sehen ihn weiterhin vor den anderen Bewerbern. Und er heuert erfahrene Mitarbeiter für den Wahlkampf an, eine zentrale Voraussetzung für eine erfolgreiche Kampagne. Gerade konnte er den früheren Pressesprecher seines Konkurrenten Bernie Sanders für sich gewinnen.

Video: Joe Biden kündigt US-Präsidentschaftskandidatur an

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In Pittsburgh werden die drei zentralen Säulen von Bidens Strategie erkennbar:

  • Er gibt den Versöhner, der das Land zusammenbringen will.
  • Er wirbt für sich mit seiner langen politischen Erfahrung.
  • Und er will sich zum Anwalt der amerikanischen Arbeiter- und Mittelschicht machen. Unter anderem verspricht Biden einen Ausbau der allgemeinen Gesundheitsversorgung, die Schließung von Steuerschlupflöchern für Reiche und einen Mindestlohn von 15 Dollar. Der Trump-Regierung wirft er vor, mehr an die Banker von der Wall Street zu denken als an die einfachen Bürger.

Biden setzt offenkundig darauf, dass er vor allem im alten industriellen Norden und Osten der USA punkten kann. Hier verloren die Demokraten mit der Kandidatin Hillary Clinton 2016 wichtige Hochburgen an Donald Trump - allen voran Pennsylvania. Für die Partei war das ein Schock. Das soll mit Biden nicht passieren. "Wenn ich Donald Trump schlagen werde, dann hier", ruft er in Pittsburgh in den Saal.

Reicht das alles? Bis zur Präsidentenwahl am 3. November 2020 ist es noch ein weiter Weg. Zunächst muss sich Biden bei den Vorwahlen gegen das Feld der demokratischen Konkurrenten durchsetzen. Viele treten dabei mit ähnlichen Versprechungen an wie er. Und sie sind dabei oft jünger, wirken frischer, unverbrauchter.

Und dann ist da natürlich Donald Trump. Wie üblich versucht der, auch diesen Gegner lächerlich zu machen, indem er ihm einen Spitznamen anheftet. Via Twitter nennt Trump Biden "Sleepy Joe": schläfriger Joe.

So richtig souverän wirkt Trump dabei allerdings nicht. Der Präsident meldet sich inzwischen regelmäßig zu Biden zu Wort. Üblicherweise ist dies ein sicheres Indiz dafür, dass er einen Konkurrenten ernst nimmt.

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