Möglicher Trump-Herausforderer Biden weist Vorwurf des unangemessenen Verhaltens zurück

Joe Biden war US-Vizepräsident, bei der Wahl 2020 wird er womöglich gegen Donald Trump antreten. Nun sagt eine Parteikollegin, er habe sie einst unerwünscht auf den Hinterkopf geküsst. Der politische Gegner nutzt den Fall bereits.

Der frühere US-Vizepräsident Joe Biden gilt als möglicher Herausforderer von Donald Trump
SAUL LOEB/ AFP

Der frühere US-Vizepräsident Joe Biden gilt als möglicher Herausforderer von Donald Trump


Der US-Demokrat Joe Biden hat auf die Vorwürfe seiner Parteikollegin Lucy Flores reagiert: Er habe nie im Glauben gehandelt, irgendetwas Unangemessenes zu tun, heißt es in einer Erklärung des 76-Jährigen. "In meinen vielen Jahren im Wahlkampf und im öffentlichen Leben habe ich unzählige Handschläge ausgetauscht, Umarmungen, Sympathiebekundungen, Unterstützung und Trost gespendet. Nicht einmal, nie, habe ich geglaubt, unangemessen gehandelt zu haben."

Flores hatte zuerst in einem Beitrag für das "New York Magazine" erklärt, Biden habe sich ihr bei einem ihrer Wahlkampfauftritte 2014 von hinten genähert, an ihrem Haar gerochen und ihr einen Kuss auf den Hinterkopf gegeben. Sie kandidierte damals für das Amt der Vizegouverneurin in Nevada, unterlag aber ihrem republikanischen Rivalen.

Flores schrieb nun, es sei sicher nicht ungesetzlich gewesen, was Biden getan habe. Sie wolle aber auf das Verhalten des damaligen Vizepräsidenten aufmerksam machen. Seit Erscheinen des Artikels am vergangenen Freitag gab Flores weitere Interviews, in denen sie die Vorwürfe bekräftigte.

Biden erklärte, er werde voller Respekt zuhören - auch wenn er möglicherweise eine andere Erinnerung habe oder überrascht sei von dem, was er höre.

Biden war von 2009 bis 2017 Stellvertreter von US-Präsident Barack Obama. Seit Monaten wird Biden als aussichtsreicher Bewerber der Demokraten für die Wahl 2020 gehandelt. Biden liegt in Umfragen zum Teil deutlich vor seinen Parteikollegen. Bisher hat er sich nicht offiziell und abschließend dazu geäußert, ob er tatsächlich antreten wird; mit einer Entscheidung wird aber bald gerechnet.

Die politischen Gegner nutzen den Fall Flores bereits, um Biden nun anzugreifen. Er habe "ein großes Problem", sagte die Beraterin von Donald Trump, Kellyanne Conway, bei "Fox News Sunday". Flores sei "ziemlich mutig" gewesen, sich mit ihren Vorwürfen gegen einen der hochrangigsten Vertreter ihrer Partei zu stellen. "Für ihn sind es Sympathiebekundungen und Handschläge. Für seine Partei ist es 'absolut unangemessen'." Auch bei Twitter kritisierte Conway den US-Demokraten.

Biden hat jede Menge Erfahrung im Politikbetrieb, er ist ein guter Redner und sehr bekannt im Land. Für eine mögliche Kandidatur 2020 dürfte aber unter anderem sein Alter ein Nachteil sein; zudem ist Biden durch seine langjährige politische Karriere angreifbar (mehr zu den Stärken und Schwächen Bidens - und warum Trump sich vor einer Kandidatur Bidens fürchten muss - erfahren Sie hier).

In den frühen Neunzigerjahren gehörte Biden zu einer Gruppe von Senatoren, die bei der sogenannten Anita-Hill-Anhörung Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen einen Richterkandidaten ignorierten. Dem Mann wurde mehr geglaubt als der Frau, ein Verhalten, mit dem sich zumindest Politiker der Demokraten heute in den eigenen Reihen unmöglich machen würden. Biden hat in der Vergangenheit mehrfach gesagt, er bereue sein Verhalten in dem Fall; zuletzt am vergangenen Dienstag.

aar/dpa

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