Joe Biden reagiert auf Vorwürfe "Ich werde künftig respektvoller sein"

Zwei Frauen haben dem früheren US-Vizepräsidenten Joe Biden jüngst übergriffiges Verhalten vorgeworfen. Nun erklärt der mögliche Trump-Herausforderer in einem zweiminütigen Video, was er daraus gelernt habe.

Screenshot aus dem Biden-Video: Schadensbegrenzung via Twitter
Joe Biden/ REUTERS

Screenshot aus dem Biden-Video: Schadensbegrenzung via Twitter


Nach Vorwürfen des übergriffigen Verhaltens gegenüber Frauen hat Joe Biden Besserung gelobt. "Ich werde künftig aufmerksamer und respektvoller sein mit dem persönlichen Raum von Menschen", sagte Biden in einem Video, das er am Mittwoch auf Twitter veröffentlichte. "Das ist meine Verantwortung und der werde ich gerecht werden." Die sozialen Normen im Umgang mit dem persönlichen Raum von Menschen hätten sich geändert. Das verstehe und respektiere er.

Mehrere Frauen hatten sich in den vergangenen Tagen beklagt, Biden habe sich ihnen in seiner Zeit als US-Vizepräsident auf unangemessene Weise genähert. Die Demokratin Lucy Flores erklärte, Biden habe sich ihr 2014 bei einem ihrer Wahlkampfauftritte von hinten genähert, an ihrem Haar gerochen und ihr einen Kuss auf den Hinterkopf gegeben. Eine andere Frau hatte berichtet, Biden habe 2009 bei einer Veranstaltung seine Hand um ihren Hals gelegt und sie an sich gezogen, um seine Nase an ihrer zu reiben.

Biden sagte nun in dem rund zweiminütigen Video, er habe immer versucht, eine Verbindung zu Menschen aufzubauen. "Ich schüttele Hände, ich umarme Leute, ich fasse Männer und Frauen an den Schultern und sage ihnen: 'Du schaffst das.'" So sei er immer gewesen. Auf diese Weise versuche er, den Menschen zu zeigen, dass sie ihm etwas bedeuteten und dass er zuhöre. "So bin ich einfach." Aber die Zeiten hätten sich geändert. "Heute geht es darum, Selfies miteinander zu machen." Und die Grenzen zum Schutz des persönlichen Raumes seien heute andere. Das habe er begriffen.

Biden hatte bereits zuvor über seinen Sprecher auf die Vorwürfe von Flores reagiert und zunächst erklärt, er glaube nicht, dass er sich unangemessen verhalten habe. Falls er dies getan habe, wolle er voller Respekt zuhören.

Der Demokrat war von 2009 bis 2017 Stellvertreter des damaligen US-Präsidenten Barack Obama. Er gilt als möglicher Anwärter auf die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten im Jahr 2020. Offiziell hat sich aber noch nicht dazu geäußert (mehr zu den Stärken und Schwächen Bidens - und warum Donald Trump sich vor einer Kandidatur Bidens fürchten muss - erfahren Sie hier).

aar/dpa/AFP

insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
s.l.bln 04.04.2019
1. Nach allem, was...
...ich dazu in US Medien verfolgt habe, wirkt das ein wenig hysterisch. Biden scheint einer dieser Umarmer zu sein, die wir alle kennen. Leute, denen ein wenig das Gespür für die Konfortzonen anderer abgeht. Einen sexuellen Kontext vermag ich da nicht zu erkennen. Bemerkenswerterweise hat Trump an der Stelle sofort eingehakt und versucht, einen Zusammenhang zu den Anschuldigungen gegen ihn selbst herzustellen, was auf zwei Ebenen perfide ist: einerseits ist es ein krasser Unterschied, ob jemand im Überschwang eines Wahlerfolges Leute umarmt, oder er glaubt, das Recht zu haben, Frauen ungefragt zwischen die Beine zu fassen. Andererseits weiß er, daß Biden für Demokraten unwählbar wird, wenn es gelingt, ihn in eine Schublade mit Trump zu bekommen. Wie es aussieht, funktioniert das bislang wohl nicht.
quadraginti 04.04.2019
2. Das ist erst der Anfang
Da wird noch mehr kommen.
clint east wood 04.04.2019
3. Die Damen sind mit ihren Beschwerden..
... zumindest in diesem Fall unehrlich, kurzsichtig und leicht instrumentalisierbar. Joe Biden gehört seit Jahrzehnten zu den Politikern, derintensiv Hände schüttelt, Küsse verteilt, Männer, Frauen. Kinder umarmt. Er gilt als very "physical", ich fand das damals als Deutscher merkwürdig, habe eine Anwesende gefragt, die mir freudiggeantwortet hat "that's just his way of connecting to people". Niemand hatte da irgendwelche anzüglichen Phantasien. Werdas nicht mag, geht nicht in seine Nähe. Punkt. Sich Jahre später in Andeutungen über "Übergriffe" zu beschweren, ist verlogen: sie wollten in seine Nähe und mit ihm gesehen werden. Und natürlich geht es jetzt darum, seinen Ruf zu schädigen. Heute gelten offenbar völlig andere (und wohl kaum bessere) Regeln , nach denen vergangenes Verhalten plötzlich als charakterlicher Fehler gewertet wird. Ich wünsche den Damen, dass auch sie in 3, 5,10, 20 Jahren nach dann wieder anderen Regeln für ihr heutiges Verhalten ebenfalls als für öffentliche Ämter charakterlich ungeeignet aussortiert werden. Nach Regeln, von deren Art sie heute nicht die leiseste Ahnung haben.
rainerwäscher 04.04.2019
4.
Diese Rückzugsgefechte sehen doch immer gleich aus.
Kampfgeist 04.04.2019
5.
Zitat von s.l.bln...ich dazu in US Medien verfolgt habe, wirkt das ein wenig hysterisch. Biden scheint einer dieser Umarmer zu sein, die wir alle kennen. Leute, denen ein wenig das Gespür für die Konfortzonen anderer abgeht. Einen sexuellen Kontext vermag ich da nicht zu erkennen. Bemerkenswerterweise hat Trump an der Stelle sofort eingehakt und versucht, einen Zusammenhang zu den Anschuldigungen gegen ihn selbst herzustellen, was auf zwei Ebenen perfide ist: einerseits ist es ein krasser Unterschied, ob jemand im Überschwang eines Wahlerfolges Leute umarmt, oder er glaubt, das Recht zu haben, Frauen ungefragt zwischen die Beine zu fassen. Andererseits weiß er, daß Biden für Demokraten unwählbar wird, wenn es gelingt, ihn in eine Schublade mit Trump zu bekommen. Wie es aussieht, funktioniert das bislang wohl nicht.
Naja, der Unterschied ist, Trump hat nur gebrabbelt, nicht gegrabbelt. Biden werden aber TATEN vorgeworfen. Ausserdem hat Trump gesagt, dass es gewisse Frauen gibt, die das sich von Reichen einfach gefallen lassen. Und da hat er meiner Meinung nach recht. Ansonsten aber finde ich diese Art von Anschuldigungen ätzend. Und obwohl, anders als die Schmutzwäschekampagnen alà Kavanaugh NICHT vom politischen Gegner organisiert und befördert wurden, die Anschuldigungen kommen aus den eigenen Reihen der Demokraten, sollten die Republikaner nicht Gleiches mit dem Gleichen vergelten, was sie selbst als miese Tour bezeichnet haben. Natürlich ist eine gewisse Schadenfreude verständlich. Aber entweder ist es für ALLE falsch, solche Mittel bis zum Erbrechen auszuschlachten und anzufeuern, oder für KEINEN.
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